„Papier braucht fast niemand mehr“: Slavomir Gana, Inhaber der Rottach-Egerner Gaststätte Zum Rosser, spart sich mit Luca viel Zeit – auch ohne Infektionen. Seine Gäste nutzen die App gerne.
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„Papier braucht fast niemand mehr“: Slavomir Gana, Inhaber der Rottach-Egerner Gaststätte Zum Rosser, spart sich mit Luca viel Zeit – auch ohne Infektionen. Seine Gäste nutzen die App gerne.

Gesundheitsamt

Luca-App: Null Fälle bei 360 Standorten - Gastronomen trotzdem überzeugt

  • Jonas Napiletzki
    VonJonas Napiletzki
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Die Luca-App hat im Landkreis Miesbach noch keine Infektion gemeldet und bei der Nachverfolgung geholfen. Ist die App also unnütz? Gastronomen verneinen dies.

Landkreis – „Einfach, effizient, digital“ – mit diesen Worten hatte das Landratsamt Miesbach die Luca-App zur Kontaktverfolgung Ende Mai dieses Jahres vorgestellt. Das Einchecken in teilnehmende Betriebe erfolgt per Scan eines QR-Codes mit dem Smartphone – das Ausfüllen von Formularen entfällt.

Für die nutzenden Betriebe, beispielsweise Gastronomen, Hotels und deren Besucher, ist die Nutzung kostenfrei – ebenso für das Landratsamt Miesbach. Denn: „Die Lizenzkosten wurden vom Freistaat gedeckt“, schreibt eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage. Nach Angaben des Chaos Computer Clubs (CCC) hatte das Land für eine Jahreslizenz 5,5 Millionen Euro bezahlt.

Die App ermöglicht dem Gesundheitsamt „eine effiziente Kontaktnachverfolgung und für den Leistungsträger entfällt die aufwendige Recherche der stattgefundenen Kontakte“, schrieb die Behörde im Corona-Update im Mai. Soweit der Plan. Knapp drei Monate später ist klar: „Es gab noch keinen Fall über oder mit Luca.“ Das teilt die Sprecherin jetzt mit. War der Lizenzkauf für den Landkreis gesehen eine Fehlinvestition? Exemplarisch erzählen Betriebe über die Nutzung in der Praxis.

Irschenberg: Kaffeerösterei Dinzler verzichtet auf die App

Die Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg bietet neben Führungen auch ein Café mit Restaurant. Katrin Richter, Vorstandsmitglied des Familienunternehmens, erklärt: „Wir verwenden die Luca-App nicht.“ Das Restaurant wolle seinen Gästen „keine Hürden schaffen“. Denn: „Nicht jeder hat die App.“

Um den Zugang nicht zu erschweren und das Begrüßen etwas persönlicher zu gestalten habe sich Dinzler für die klassische Kontakterfassung auf Papier entschieden. „Gerade in einer Zeit, in der alles unpersönlicher geworden ist, wollen wir diese Entwicklung nicht noch mit einer App fördern“, sagt Richter.

Schliersee: Monte Mare nutzt Luca

Renate Leitner, Teamleiterin des Monte-Mare-Empfangs in Schliersee, erklärt: „Wir verwenden Luca – und haben bisher gute Erfahrungen damit gemacht.“ Einzig technisch hakelt es manchmal: „Im Gebäude haben wir teilweise Netzschwankungen.“ Mangels Empfang würden manche Gäste der Vitaltherme so doch die klassische Kontakterfassung ohne App wählen. „Glücklicherweise hatten aber wir seit Beginn der Lockdowns noch keine Infektion im Haus“, sagt Leitner.

Fischbachau: Café Winklstüberl setzt auf die App

Kerstin Uffen, Assistentin der Geschäftsleitung im Fischbachauer Café Winklstüberl, ist ebenso dankbar für die Möglichkeit, die Luca-App verwenden zu können. „Wir sparen uns sehr viel Papier“, sagt sie. Etwa 70 Prozent aller Gäste würden elektronisch einchecken. Gerade jetzt, wenn die 3G-Regel kontrolliert werden muss, ist das eine Erleichterung. „Die Besucher machen das meist selbstständig und unaufgefordert – die QR-Codes stehen an jedem Tisch bereit.“ Andere würden nachfragen – und wer kein passendes Smartphone hat, bekommt Stift und Papier zur Hand.

Seitens des Netzes haben Besucher kein Problem: „Wir haben W-Lan Router außen und innen.“ Ein Vorteil: „Ich habe die Übersicht der eingecheckten Gäste direkt auf dem PC.“ Anhand der Tischnummern weiß Uffen auch, wo, wann und wer an welchem Fleck saß. In den vergangenen Wochen sei das Café von Urlaubern sehr gut besucht gewesen. Eine praktische Sache in dieser Zeit – auch wenn der Ansturm ohne Infektionen vorüberzog.

Rottach-Egern: Gaststätte zum Rosser überzeugt von Luca

In der Rottach-Egerner Gaststätte Zum Rosser bewirtet Inhaber Slavomir Gana meist Besucher zwischen 40 und 70 Jahren. Er sagt: „Ich hatte anfangs Sorge, dass nicht alle die App bedienen können.“ Unbegründet, wie sich herausstellte.

„Alle haben Luca“, sagt Gana. Mit der App sei die Nachverfolgung einfacher geworden. „Ich schnappe mir am Eingang die Leute, kontrolliere die 3G-Regel und notiere den zugewiesenen Tisch.“ In der Speisekarte finden die Gäste dann zwei QR-Codes: einen für die Luca-App, einen für die Corona-Warn-App. Außerdem bietet Gana freies W-Lan an. „Papier braucht fast niemand mehr“, betont der Wirt. Das spare Zeit. „Infektionen hatte ich noch keine in der Gaststätte.“ Luca lohne sich aber davon unabhängig.

Zahlen zur Luca-App: 360 Standorte im Kreis Miesbach

Viele Betriebe nutzen die Luca-App. Hinter der Entwicklung steht das Berliner Start-Up-Unternehmen Nexenio GmbH. Christina Gehlen, Mitarbeiterin der Marketing- und Kommunikationsabteilung, berichtet auf Nachfrage: Im Landkreis Miesbach „zählen wir aktuell rund 360 Luca-Standorte von insgesamt 36 984 Standorten in Bayern (Stand Montag)“. Das ist prozentual betrachtet überdurchschnittlich. Im Landkreis Miesbach leben etwa 0,75 Prozent der Einwohner Bayerns – auf gleicher Fläche befinden sich aber etwa 0,97 Prozent aller im Freistaat verzeichneten Luca-Standorte. Aber: Wie viele Nutzer es im Landkreis gibt, könne regional nicht aufgeschlüsselt werden, sagt Gehlen.

+++ Aktive Fälle, Testen, Impfen: Die neuesten Entwicklungen und Regeln rund um die Corona-Krise im Landkreis Miesbach fassen wir hier im Ticker zusammen. +++

Die Sprecherin des Landratsamts betont indes: „Wir sind auf die Freiwilligkeit der Nutzer angewiesen.“ Daten seien fürs Gesundheitsamt erst nach dem proaktiven Zugehen eines infizierten Nutzers auf die Behörde sichtbar – „wenn die Person mitteilt, dass sie Luca nutzt und die Daten freigeben will“. Auch wenn das Landratsamt Luca „noch in keinem Fall zur Kontaktnachverfolgung“ nutzen konnte oder musste: „Das Gesundheitsamt ist technisch bereit, Daten zu verarbeiten.“

Lesen Sie auch: Ein Münchner IT-Experte hat eine Gratis-Alternative zur Luca-App entwickelt und ärgert sich, dass andere Länder Hunderttausende für Luca ausgeben.

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