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Luftreinigungsgeräte nicht um jeden Preis

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Von: Stephen Hank

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Luftreinigungsgeräte wie dieses sollen nach dem Willen des Kultusministeriums in allen Klassenzimmern stehen. Eine Garantie für Präsenzunterricht gibt die Behörde damit aber nicht ab.
Luftreinigungsgeräte wie dieses sollen nach dem Willen des Kultusministeriums in allen Klassenzimmern stehen. Eine Garantie für Präsenzunterricht gibt die Behörde damit aber nicht ab. © dpa

Der Landkreis beschafft für die Klassenräume in seinen Schulen CO2-Ampeln. Flächendeckend Luftreinigungsgeräte wird es dagegen nicht geben ‒ aus mehrerlei Gründen.

Landkreis – Meist werden Beschlussvorschläge der Verwaltung ohne große Änderung übernommen. Nicht so in diesem Fall. Bekanntermaßen sollte die Entscheidung für den Kauf von Luftreinigungsgeräten – immerhin eine Investition von bis zu 2,3 Millionen Euro – an die Bedingung geknüpft werden, dass die Staatsregierung ausdrücklich bestätigt, dass beim Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten nicht mehr in den Distanzunterricht gewechselt werden muss. Ein Schwarzer-Peter-Spiel, wie Landrat Olaf von Löwis (CSU) einräumte. Man bekomme keine Garantie, solle aber viel Geld in Geräte investieren, über deren Wirkung es – auch seitens des Kultusministeriums – kein klares Meinungsbild gebe. „Uns liegen verschiedene Expertenaussagen vor, die alle zu einem anderen Schluss kommen“, berichtete Löwis. „Sicher wissen wir nur, dass die Geräte eine Wirkung haben: die Beruhigung der Eltern.“

„Der Markt ist jetzt schon leer“

Der Landkreis stehe damit vor einem Dilemma. Denn selbst wenn man der Investition, für die es pro Klassenraum 1750 Euro Fördergelder vom Freistaat gibt, zustimme, sei mit einer flächendeckenden Lieferung der Geräte (Stückpreis rund 3500 Euro) heuer nicht mehr zu rechnen. „Der Markt ist jetzt schon leer“, bestätigte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio. „Eine Abfrage hat ergeben, dass wir kurzfristig zehn Geräte bekommen würden. Wir bräuchten aber Luftreiniger für etwa 350 Räume, in manchen Fällen wegen der Raumgröße sogar zwei.“

Beschlussvorschlag „Trickserei auf Kosten der Kinder“

Grünen-Fraktionssprecher Thomas Tomaschek bezeichnete den Beschlussvorschlag der Verwaltung als „Trickserei auf Kosten der Kinder“. Es sei doch klar, dass die Staatsregierung die Forderung nicht erfüllen werde. Damit sei auch die Anschaffung der Geräte vom Tisch. Er plädierte für die Millioneninvestition – ohne Einschränkungen. CSU-Fraktionssprecher Christian Köck hingegen riet zu Augenmaß und warnte vor einer „Maximallösung, die keinen Boden hat“. Man dürfe sich der Anschaffung nicht grundsätzlich verschließen, müsse mögliche Kostenfallen bei Wartung und Filtertausch aber im Vorfeld identifizieren. „Nach Einschätzung des Umweltbundesamts geht nichts über eine vernünftige Fensterlüftung“, sagte Köck, der Eltern, Schule und Politik um einen ehrlichen Umgang mit dem Thema bat: „Für die Schule wird an Sicherheit alles gefordert, was möglich ist, aber in der Freizeit wird dann nicht immer so genau hingeschaut.“

Corona-Ampeln als Kompromiss

Irschenbergs Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) brachte als Kompromiss schließlich die sogenannten Corona-Ampeln für rund 350 Euro pro Stück ins Spiel. Die CO2-Geräte messen die Raumluft und schalten von Grün auf Orange, wenn gelüftet werden muss. In Irschenberg seien sie bereits erfolgreich im Einsatz. „Lehrer und Erzieher sind beruhigt, und auch von den Eltern gab es bislang keine Beschwerden“, berichtete Meixner.

In einer Art Ping-Pong-Spiel feilten die Kreisräte aller Fraktionen schließlich an einem Kompromissbeschluss. Der wurde einstimmig angenommen und sieht vor, dass für alle Klassen- und Fachräume, soweit diese ausreichend gelüftet werden können, CO2-Ampeln bestellt werden. Für Räume, die nicht ausreichend belüftet werden können und die nicht schon über stationäre raumlufttechnische Anlagen verfügen, werden Luftreinigungsgeräte entsprechend den Vorgaben des Förderprogramms angeschafft – sofern diese Geräte verbindlich bis zum 1. Januar kommenden Jahres geliefert werden können.

Die meisten Räume können gut belüftet werden

Tatsächlich ist der Bedarf gar nicht mehr so groß, wie aus den Ausführungen des Kreiskämmerers hervorging. „Bis auf zehn Zimmer im Gymnasium Tegernsee können wir alle Räume gut belüften“, sagte er. „Und diese zehn Zimmer sind bereits mit 22 Geräten ausgestattet.“ Derzeit arbeite man an einer langfristigen baulichen Lösung. Auch er hatte in der Debatte zuvor in finanzieller Hinsicht um Augenmaß gebeten: „Wenn wir alle Klassenzimmer mit Geräten ausstatten und dann wegen des Distanzunterrichts keine Schüler drin sitzen, bringt uns das auch nichts.“

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