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Sie ist wieder da: Luise Kinseher begeisterte mit ihrem Programm „Mamma Mia Bavaria“ im Waitzinger Keller in Miesbach. Landtagspräsidentin Ilse Aigner konnte sie dabei direkt ansprechen: Die saß im Publikum.

„Mamma Mia Bavaria“

Luise Kinseher in Miesbach: Der Nockherberg war nicht ihr letzter Gipfel

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Luise Kinseher hat Eindruck gemacht in Miesbach und ihr Publikum im gut besuchten Waitzinger Keller begeistert. „Mamma Mia Bavaria“ hieß ihr Programm. Das hatte es zu bieten.

Miesbach – Summend oder pfeifend verlassen die einen den Saal. Eifrig diskutierend die anderen. Luise Kinseher hat Eindruck gemacht in Miesbach und ihr Publikum im gut besuchten Waitzinger Keller begeistert. In „Mamma Mia Bavaria“ schlüpft die ehemalige Nockherberg-Fastenpredigerin wieder in die Figur der Landesmutter und ist im schwarzen Zweiteiler mit rotem Schesserl und blumengeschmücktem Hut dabei deutlich weniger pompös, aber nicht minder sprachgewaltig. Weder als Landesmutter in siebter Reinkarnation, noch als angeschickerte Sängerin oder Urlauberin aus dem Rheinland, die mit ihrer Suche nach Ehemann Heinz der Eisbrecher ist.

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Luise Kinseher in Miesbach: Der Nockherberg war nicht ihr letzter Gipfel

Und warum das Revival? Als sie sich nach Jahren hochoffizieller aber ineffektiver Reden auf dem Nockherberg zurückzog, habe sie ja nicht ahnen können, dass alles noch viel schlimmer werden würde, meinte Kinseher. Angesichts der politischen Entwicklung mit Horst Seehofer als Heimatminister und dem als Kind von Captain Kirk faszinierten Markus Söder als Ministerpräsidenten mit Weltraumambitionen sei ihr nichts anderes übrig geblieben.

Da mögen sich Europa, die sich „wie eine ausgezuzelte Milchkuh“ vorkomme, die nach Südamerika ausgewanderte „Germania“ oder die sich wegen Donald Trump grämende „Lady Liberty“, der Mama Bavaria „imagine the person nackat“ rät, von der aktuellen Lage überfordert fühlen. Sie selbst habe mit einem energischen „huift nix“ die roten Ampeln am Walserberg ignoriert, um wieder für ihre Kinder da zu sein.

Mühsam nur, dass sie mit den grundlegenden Dingen bei jeder Wiedergeburt von vorn anfangen müsse, weil so viel altes Wissen verloren ginge. In Bayern habe man mit dem Berufswunsch Ministerpräsidentin keine Chancen, sinniert Kinseher und wirft der im Lauf des Abends noch vielfach einbezogenen Landtagspräsidentin Aigner im Publikum ein „gell Ilse“ hin.

So wird sie wieder einmal ein Wirtshaus eröffnen, wie damals, als die römischen Straßenarbeiter versorgt werden mussten und ausgerechnet der Trampel Sandra den bildschönen Römer abgeschleppt habe. Verwunderlich zwar, aber gut gegen Inzucht und Intoleranz.

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Luise Kinseher in Miesbach: Was ist Heimat?

„Was ist Heimat?“ fragt sich Kinseher und erzählt von Kindern, die in Münchner Kitas Teppiche knüpfen, damit ihre Eltern den Krippenplatz bezahlen können, Städtern, die am Mittleren Ring im Auto leben oder jenen, die mit dem Laptop in Lodenhülle irgendwo am Strand sitzen. Irgendwann könne man einen vom Flächenfraß umzingelten Bayern (dem Schädling, „der im Schmiergeld nistet und durch Landräte und Bauherren weiterverbreitet wird“) auch bedenkenlos vor ein Einkaufszentrum in Krefeld stellen und er würde sich heimisch fühlen.

Zur Zugabe kommt die aus dem vermaisten Niederbayern stammende Kinseher noch einmal im geblümten Morgenmantel und sinniert als beschwipste Sängerin Mary über ihre jungen Jahre, als in den United States noch freedom war und sie selbst famous. Und wie sie beim Kulturaustausch mit dem Goetheinstitut ihren Freund Wan Tan kennen lernte, dessen Tai Chi irgendwann zum Schuhplattler mutierte, während sie – Stäbchen in den Haaren und Seidentücher schwenkend – bayerisches Liedgut mit chinesischem „l“ und im Stil der Pekingoper singt.

Mit einem „ihr wart‘s ma obganga“ verabschiedet sich Kinseher vom begeisterten Publikum, das vorher schon vollmundig „Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser“ angestimmt hatte, holt Feuerwehrmann Toni, mit dem sie viel früher schon geplaudert hatte – sie auf der Bühne, er hinter den Kulissen – zum Schlussapplaus und schließt mit einem Gruß an Ilse Aigner: „Des warn no Zeitn am Nockherberg, wo mia no vorkemma san.“

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