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Jede mit eigenenem Klang: die fünf Gruppen beim Frühjahrssingen – (im Uhrzeigersinn) die Familienmusik Hoffmann ( vorne), der Lindmair-Dreigesang, die Hallgrafenmusikanten, Die Rosentaler und die Familie Servi. 

Frühjahrssingen

Die Lust am Besonderen

Miesbach - Beim Frühjahrssingen in der Miesbacher Oberlandhalle beeindruckten fünf Gruppen mit Präzision und Individualität.

Mumps bei der Ersten Stimme hat den Auftritt des Saitenhofer Viergesangs aus Freyung beim 54. Miesbacher Frühjahrssingen verhindert. Doch das Programm war deshalb nicht kürzer. Die anderen Sänger und Musikanten machten den Ausfall kurzerhand mit einer Extra-Runde wett. Den dann nur noch fünf Gruppen spendete das Publikum in der Oberlandhalle üppig Applaus – ebenso wie Organisator Hans Erler vom Miesbacher Trachtenverein für dessen hervorragende Auswahl.

Wie Moderator Philipp Meikl aus Salzburg augenzwinkernd verriet, habe Erler bei seiner ersten Programmgestaltung „amoi a bisserl aussigrasen“ wollen. So engagierte er mit der Familienmusik Hoffmann aus Hauzenberg als zweiter Bayerwald-Formation und mit der Familie Servi aus München zwei Gruppen von sehr speziellem Klang. Ihren ganz eigenen, beeindruckenden Ton schlugen aber auch die Hallgrafenmusikanten aus Bad Reichenhall, der Lindmair-Dreigesang aus Fischbachau und der Kärntner Männergesang Die Rosentaler an. Über das Besondere ihrer Darbietungen hinaus hatten alle etwas gemeinsamen: Sie waren richtig gut. Wurde das Tempo noch so rasant, die Fingerfertigkeit oder die Kehle noch so strapaziert – stets waren Ausführung und Zusammenwirken im Hinblick auf Präzision, Tempo, Rhythmen und Lautstärke einfühlsam ausbalanciert.

Die sechs Hallgrafenmusikanten begeisterten mit schmissigen Landlern, Walzern oder Polkas, gerne auch nach Big-Band-Manier mit Aufstehen der drei Blechbläser. Da wippten nicht nur die Kollegen auf der Bühne mit der Miesbach-Kulisse im Hintergrund gerne mit, sondern auch viele auf den gut besetzten Rängen der Halle. Die drei Lindmair-Frauen faszinierten mit kristallklar und glockenrein gesungenen Liedern und Jodlern, die poetisch zart den Frühling und humorvoll rass die Tücken der Frühlingsgefühle spüren ließen. Himmlisch schön intonierten die Rosentaler aus Kärnten, fünf gestandene Mannsbilder, traditionelles und neues Volksliedgut aus ihrer Heimat, sangen vom „Sauvogel Kuckuck“ und dem unfallträchtigen Liebesabenteuer bis hin zur innigen Sehnsucht nach der Liebsten.

Erstaunte die fabelhafte Familienmusik Hoffmann die Zuhörer mit ihrer Bandbreite sowie der Teufelsflötistin und Okarina-Meisterin Vera, so beeindruckte Johannes Servi zweimal als rasender Virtuose auf seinem Hölzernen Glachter. Diese auch Strohfiedel genannte Art Xylophon aus Tirol erlebte das Publikum wohl erstmals bei einem Frühjahrssingen in Miesbach. Vater Klaus belegte mit Sohn Leonhard in einem witzigen Couplet über den Lebenslauf der Gans von der Wiese bis zum Schmalztopf, dass die Familie Servi neben einem Dutzend Instrumente auch das Singen glänzend beherrscht.

Das von Sängern, Musikanten und Publikum gemeinsam gesungene „Der Weg zu meim Dirndl is stoanig“ rundete das Programm ab. „Möge der Frühling so schön sein, wie sich das heute Abend angehört hat,“ wünschte Meikl vor dem rauschenden Schlussbeifall. 

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