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Fährt derzeit im Testbetrieb: der Coradia iLint des Herstellers Alstom. Der Personenzug wird mittels einer Wasserstoff-Brennstoffzelle angetrieben. Die Technologie unterscheidet sich allerdings vom Liquid Organic Hydrogen Carrier (LOHC)-System.

Machbarkeitsstudie liegt in Grundzügen vor

Fahren im Oberland bald Wasserstoffzüge?

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Wasserstoffbetriebene Züge sind grundsätzlich machbar. Das sagt eine Studie. Das Wirtschaftsministerium bemüht sich nun um Fördermittel für ein Pilotprojekt im Oberland.

Landkreis - „Neuerliche Experimente können wir uns nicht leisten.“ Das sagte Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), als er kürzlich im Kreistag über die Zukunft des Schienenverkehrs im Oberland referierte. Rosenbusch spielte auf die störanfälligen Integrale an, die dereinst als Prototypen an den Start gegangen waren, und machte aus seiner Überzeugung keinen Hehl, dass die Zukunft des Schienenverkehrs im Oberland allein elektrobetriebenen Zügen gehört.

Verhandelt und finanziert ist eine Elektrifizierung der Bahnstrecken im Oberland freilich noch lange nicht. Und möglicherweise kommt es bald doch zu einem Experiment. Denn die Studie „Neue Optionen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Wasserstoffzügen im Bayerischen Oberland durch Nutzung der LOHC-Technologie?“ hält sogenannte Wasserstoffzüge grundsätzlich für machbar. Das Wirtschaftsministerium hatte die Arbeit bekanntermaßen beim Helmholtz Institut Erlangen-Nürnberg in Auftrag gegeben, wo seit Jahren an einer neuartigen Wasserstoffspeicherung in sogenannten Liquid Organic Hydrogen Carrier (LOHC)-Systemen geforscht wird.

Vereinfacht gesagt bieten diese Systeme eine neuartige technische Möglichkeit, um Wasserstoff in hoher Energiedichte in Form einer dieselähnlichen Flüssigkeit zu speichern, zu transportieren und an Bord von Fahrzeugen bereitzustellen. Nach Worten des Wirtschaftsministeriums erfüllt das LOHC die Rolle einer flüssigen „Pfandflasche“ für den chemisch gebundenen Wasserstoff. „Vorteile ergeben sich dadurch, dass bei der Lagerung und Vertankung kein elementarer Wasserstoff gehandhabt werden muss und an Bord des Zuges nur sehr geringe Wasserstoffmengen elementar vorliegen“, erklärt ein Ministeriumssprecher auf Nachfrage unserer Zeitung. „Stattdessen können vorhandene Dieseltanks am Betankungsort und übliche Dieseltanks an Bord des Zuges genutzt werden.“ Dadurch entfielen sicherheitstechnische und genehmigungsrechtliche Randbedingungen am Bahnhof und im Zug. Als Folge könnte ein Zug, der keinen oder nur sehr wenig Wasserstoff an Bord mitführt, in Tunnel wie beispielsweise auf der Münchner Stammstrecke einfahren.

Die Studie sollte konzeptionell prüfen, inwieweit die LOHC-Technologie dazu beitragen kann, einen emissionsfreien Bahnverkehr auf nicht elektrifizierten Bahnstrecken in Bayern zu ermöglichen. Abgeschlossen ist sie noch nicht. Erste Zwischenergebnisse bestätigen jedoch eine grundsätzliche Eignung von LOHC für den Schienenverkehr.

Dem Wirtschaftsministerium schwebt nun ein Pilotprojekt vor. Für den forschungsbezogenen Teilbereich hat die Behörde Kosten im zweistelligen Millionenbereich angesetzt und bereits entsprechende Mittel im Nachtragshaushalt 2018 beantragt. Eine abschließende Billigung durch den Landtag steht aber noch aus. Bis der Prototyp auf die Schiene kommt, werden wohl mindestens fünf Jahre vergehen. Die Entwicklung des Wasserstoffzugs soll ein Konsortium aus Helmholtz-Einrichtungen, akademischen Partnern und Industrie übernehmen.

Parallel dazu sollen die Bemühungen um eine Elektrifizierung der Strecken im Oberland vorangetrieben werden. „Der Ausbau der Schieneninfrastruktur, damit auch der Elektrifizierung, liegt für das DB-Netz in der finanziellen Verantwortung des Bundes“, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. „Das in Bayern für die Schieneninfrastruktur und das Eisenbahnwesen zuständige Innenministerium setzt sich mit allen Kräften für bessere Elektrifizierungsperspektiven ein.“

Alstom fährt bereits mit anderer Technologie

Der weltweit bislang einzige brennstoffzellenbetriebene Personenzug soll Anfang 2018 auf der Strecke Buxtehude–Bremervörde–Bremerhaven– Cuxhaven in den Probebetrieb mit Fahrgästen gehen. Der Hersteller Alstom hatte den Coradia iLint im März erfolgreich auf seiner werkseigenen Teststrecke in Salzgitter (Niedersachsen) getestet. Derzeit durchläuft der Zug eine umfangreiche Testkampagne in Deutschland und Tschechien.

Der Coradia iLint wird mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben, die elektrische Energie für den Antrieb erzeugt. Der komplett emissionsfreie Zug ist geräuscharm und gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab. Basierend auf Alstoms Flaggschiff, dem Dieselzug Coradia Lint, ist der iLint nach Unternehmensangaben besonders geeignet für den Einsatz auf nicht elektrifizierten Strecken. Er ermögliche einen nachhaltigen Betrieb unter Beibehaltung einer hohen Zugleistung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 140 km/h.

Alstom ist der erste Schienenfahrzeughersteller, der eine emissionsfreie Alternative für Nahverkehrszüge bietet. Anders als bei der LOHC-Technologie, die den Wasserstoff in flüssiger Form speichert, wird beim iLint gasförmiger Wasserstoff in den Druckspeicher des Zuges gepumpt. Dazu hat Alstom in Salzgitter für Testzwecke eine mobile Tankstelle errichtet. Der TÜV Süd hat die Sicherheit der Batterie, des Druckspeichersystems und der Brennstoffzelle für die Testphasen attestiert.

Der iLint wurde von den Alstom-Teams in Salzgitter und Tarbes (Frankreich) entwickelt. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt. Alstom hat bereits Absichtserklärungen für 60 Züge mit den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund unterzeichnet.

sh

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