Gabi Hein-Fischer und ihre Mitarbeiterinnen
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Akkordarbeit statt Kurzarbeit: Gabi Hein-Fischer (r.) und ihre Mitarbeiterinnen nähen zurzeit eine Mund-Nasenmaske nach der anderen.

Material wird knapp

Masken-Fieber: Schneidereien in Miesbach im Corona-Einsatz

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Wegen des Coronavirus mussten etliche Schneidereien in Miesbach ihr Geschäft umstellen. Jetzt fertigen sie Masken für Mund und Nase – und das in immer größerer Zahl.

Miesbach – Akkordarbeit statt Kurzarbeit: Diese überraschende Wendung erlebt das Nähparadies Hein. Musste Inhaberin Gabi Hein vor wenigen Wochen wegen der Geschäftsschließung durch die Corona-Pandemie noch um jeden Auftrag bangen, haben sie und ihre Mitarbeiterinnen in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Stunde um Stunde rattern im abgesperrten Laden die Nähmaschinen. Rund 200 Stoffmasken fertigen die Schneiderinnen pro Tag. „Wir radeln ganz schön was runter“, berichtet Hein stolz. Nicht nur für die Kunden, die sich mit Mund- und Nasen-Schutz eindecken wollen, sondern auch für einen Großabnehmer. Ein Versicherungsunternehmen habe 2000 Stück bestellt, erzählt Hein.

Seit Ministerpräsident Markus Söder am Montagvormittag die Maskenpflicht für Geschäfte und den öffentlichen Nahverkehr in Bayern angekündigt hat, stehen in vielen stoffverarbeitenden Betrieben im Landkreis die Telefone nicht mehr still. Jeder will sich bis zum Stichtag am Montag, 27. April, mit der schützenden Gesichtsbekleidung ausstatten. Die nochmals verschärfte Nachfrage hat auch für die Schneidereien Folgen: Selbst sie kommen kaum mehr an Material wie Gummibänder, Stoffe und Vlies. „Auch wir als langjährige Einkäufer müssen bitten, damit wir zeitnah beliefert werden“, berichtet Hein.

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Bisher kann das Nähparadies Hein alle Kundenwünsche berücksichtigen. Weil der Laden diese Woche noch geschlossen bleiben muss, hat die Inhaberin eine Schale mit Masken in vielen Farben und Mustern in den Vorraum der abgesperrten Eingangstür gestellt. Wer etwas kaufen will, klingelt und legt das Geld in eine Schublade. Zehn Euro kostet ein Mund-Nasen-Schutz. Um das Angebot ausweiten zu können, sucht Hein derzeit Schneiderinnen, die sie in Heimarbeit unterstützen.

Johannes Reiter vom Trachtenhaus Jäger hat die Fertigung komplett ausgelagert. Da die Mitarbeiter in Miesbach zu eng aufeinandersitzen würden, lässt Reiter die Masken in „befreundeten Lohnbetrieben“ produzieren. Große Stückzahlen könne er so problemlos anbieten, erklärt der Geschäftsführer. „50 000 pro Woche sind ohne Weiteres möglich.“ Weil eines seiner Unternehmen normalerweise Dienstkleidung für Flug- und Zugbegleiter sowie Polizisten herstelle, könne er derzeit sogar Schutzkittel anbieten.

Trotzdem denkt das Trachtenhaus Jäger auch an seine Miesbacher Kunden. Für fünf bis sechs Euro können diese per E-Mail oder Onlineshop, weiße Baumwollmasken bestellen. Eine integrierte „Nano-Membran“ schütze vor austretender Feuchtigkeit beim Atmen oder Sprechen. Wer es lieber luftiger möchte, kann dieses Element laut Reiter auch herausnehmen. „Das ist nicht fest eingenäht.“ Waschen (90 Grad) und Bügeln könne man die Masken bedenkenlos. „Am besten mit Dampf, dann gibt es eine Desinfektion“, erklärt er.

Auch die Baumwolle im Mund-Nasen-Schutz des Nähparadieses Hein ist langlebig, so die Inhaberin. Überhaupt glaubt sie, dass die Masken so schnell nicht mehr aus ihrem Sortiment verschwinden. Eine Geschäftsidee hat sie schon entwickelt. Früher sei es üblich gewesen, dass sich die Damen aus Stoffresten ihres neuen Dirndls Schals oder Handtaschen nähen ließen. „Vielleicht“, meint Hein, „werden bald auch Gesichtsmasken ein beliebtes Modeaccessoire.“

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