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Kongeniales Duo: Mathias Kellner (l.) und Otto Schellinger im Waitzinger Keller. 

Die Stimme Niederbayerns

Mathias Kellner präsentierte in Miesbach seine neue CD

Miesach - Wuchtig, rau, voluminös: Mathias Kellner präsentiert im Waitzinger Keller seine neue CD „Kettnkarussell“ - und überzeugt auf ganzer Linie. 

 „No oana?“ Was für eine Frage! Die Zuhörer jubeln laut auf, als Mathias Kellner das fragt. Es folgt Zugabe zwei, eine butterweiche Version von „Paula oh Paula“. Als Hommage an Haindling. Der kommt aus Straubing und Kellner aus einem kleinen Dorf unweit davon. Auf Bairisch singt Kellner seine Lieder und erzählt, warum er seine neueste CD „Kettnkarussell“ getauft hat. Die hat er nun im im Waitzinger Keller vorgestellt.

Als Liedermacher sei er immer auf der Suche nach Metaphern, die das Leben beschreiben. Wie das Kettenkarussell. Einige fahren Runde um Runde, immer schneller und schneller und wollen gar nicht mehr aussteigen. Einige möchten mitfahren, können sich den Chip aber nicht leisten. Und einige „speim“ bei der ersten Fahrt und haben von da an genug vom Leben. „Steig ei, ins Kettnkarussell und fahr“, röhrt Kellner und steigert sich immer mehr hienein. „Mir kanntn zammahoitn, do kimmt nur koana drauf.“ Und: „Es draht si immer schneller, mia wartn auf den großn Knall.“

Seine vorherige Mundartplatte, so erklärt Kellner, sei 2014 erschienen. Damals sei noch alles in Ordnung gewesen. „Franz Beckenbauer war no Kaiser. Uli Hoeneß war no im Gfängnis.“ Für das Hinterziehen von 28 Millionen Euro Steuern drei Jahre Gefängnis? Pro Tag habe er damit 22 000 Euro abgesessen. Gutes Geschäft, findet Kellner. Und nennt seine Steuerspar-Idee: „De hoibade Stund’ soin’s mi eisperrn.“

Alles, was der Niederbayer sagt und singt, ist von einer gewissen Melancholie durchzogen. „A Kistn aus Hoiz, a paar Leit, a Anzug, a Bleame, a Kerzn, des war’s. Pfui Deife, Pfüa God, scheene Wäit“ zum Beispiel. Wenn man etwas auf sich halte als „Liedermacher oder Singer/Songwriter oder wie man es auch immer bezeichnen möcht“, müsse man sicher gehen, genug nachdenkliche Lieder zu haben.

Wenn Kellner dasitzt mit seiner Akustikgitarre, seine Augen zusammenkneift, den Kopf wiegt, die Lautstärke fein austariert, wünscht man sich ein lauschigeres Umfeld. Wuchtig ist seine Stimme. Rau. Voluminös. Durch die technische Verstärkung kommt sie aber nur halb so imposant im Saal an. Kellner und seine Stimme – ohne Verstärker in einer Kellerbar, oder noch passender: in einer urigen Wirtsstubn. Das dürfte ein Gänsehauterlebnis sein.

Doch auch im Waitzinger Keller überzeugen der Liedermacher und sein kongenialer Partner, die „one man band“ Otto Schellinger. Zum Beispiel mit dem „positivsten Song, den ein Niederbayer schreiben kann“. Der heißt „Gar ned so schlimm“ und ist ein Countrysong. „Wenn du mi fragst, ,bist mit deim Lebn zfriedn?‘, muaß i ehrlich song: Is gar ned so schlimm.“ Das sei seine „Message“, sagt Kellner zum Schluss. Damit sie sich „ins Hirn einbrennt“, ruft er – wie mehrfach an diesem Abend – den „Miesbacher Chor“ zusammen. Zusammen mit seinen 150 Zuhörern singt er „eigentlich is ois wunderbar, des woaß i aa, des woaß i aa“. Ob alles wunderbar ist, sei dahingestellt, dieser Abend war es auf jeden Fall.  

Johanna Wieshammer

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