Gitarre
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An den Musikschulen wird ab Montag wieder in Präsenz unterrichtet.

NACHGEFRAGT - Maurizio Guolo über den Re-Start bei den Musikschulen

„Gemeinsam ist es eine andere Qualität“

Miesbach – Am Montag ist es so weit: Bayerns Musikschulen dürfen wieder öffnen und in den Präsenzunterricht einsteigen. Wir haben Maurizio Guolo (45) von der Musikschule Klangraum in Miesbach gefragt, wie der Unterricht im Lockdown lief und was die Wiedereröffnung bedeutet.

Herr Guolo, wie sind Sie mit Ihrer Musikschule durch die Monate des Lockdowns gekommen?

Maurizio Guolo freut sich auf die Musikschüler in den Räumen des Klangraums in Miesbach.

Wir mussten natürlich den Unterricht ins Internet verlegen. Aber ich muss sagen: Das hat erstaunlich gut geklappt. Zwar war letztlich nur noch Einzelunterricht möglich, und die Bandprojekte mussten für die Zeit des Lockdowns auf Eis gelegt werden. Aber wir haben viele erwachsene Schüler, die verstanden haben, dass dieser Schritt nötig ist. Sie haben uns da einfach vertraut, dass wir weiterhin guten Unterricht anbieten. Und das haben wir auch gemacht.

Haben Schüler durch den Schritt ins Internet auch aufgehört?

Die meisten Schüler sind dabei geblieben. Aber natürlich sind auch ein paar abgesprungen. Vor allem junge Schüler, die gerade angefangen haben, ihr Instrument zu lernen und noch nicht die nötigen Grundlagen hatten. Wir haben an der Schule zehn Lehrer und 110 Schüler. In der Zeit des Lockdowns ist pro Lehrer ungefähr ein Schüler weggefallen.

Hatten Sie die Sorge, es könnten mehr Schüler Probleme mit dem Video-Unterricht haben?

Ich glaube, wir haben uns in den vergangenen Jahren einen ganz guten Stand bei unseren Schülern erarbeitet. Die wissen, dass wir guten Unterricht machen. Deshalb habe ich mir da nicht allzu viele Sorgen gemacht. Wir haben super Lehrer, die wissen, wie sie ihre Leidenschaft, die Musik, an andere weitergeben können. Was aber problematisch war: Wir konnten natürlich keine neuen Schüler gewinnen. Normalerweise bieten wir eine kostenlose Unterrichtseinheit an, damit die Schüler mal in das Instrument reinfühlen können. Das ging während des Lockdowns natürlich nicht.

War es für die Lehrer eine große Umstellung vom Präsenz- hin zum Online-Unterricht?

Natürlich war es eine Umstellung. Vor allem wenn man merkt, dass das Internet genau zu der Zeit, in der du unterrichtst, so überlastet ist, dass der Ton verspätet oder verzerrt beim Gegenüber ankommt. Vor allem für Schlagzeuger wie mich ist das natürlich Mist. Aber da haben wir uns, glaube ich, gut damit arrangiert. Die Musikschule musste auch viel Geld in die Hand nehmen, um das neue Equipment anzuschaffen. Aber es hat sich ja gezeigt: Es war kein rausgeschmissenes Geld. Es ist wirklich gut, diese Ausweichmöglichkeit ins Internet zu haben.

Was erhoffen Sie sich von der Wiedereröffnung?

Wir freuen uns natürlich riesig! Das Lockdown-Konzept hat zwar gut funktioniert, und das war auch echt schön zu sehen, aber gemeinsam in einem Raum zu lernen – das hat einfach eine andere Qualität. Grundsätzlich muss ich aber sagen: Wir sind noch gut durch diese Corona-Krise gekommen. Es gibt Leute, die trifft es viel schlimmer.

Das Gespräch führte Moritz Hackl

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