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Achtung Funkenflug: Markus Biller bearbeitet ein Stück Stahl auf dem Amboss. 

„Ich mag es, mich dreckig zu machen“

Mehrfacher Preisträger: Der Jungschmied von Gut Wallenburg

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Er ist einer der besten Gesellen seines Fachs in Deutschland – das bestätigen diverse Auszeichnungen, die Markus Biller eingefahren hat. Und das in einem vom Aussterben bedrohten Handwerk.

Miesbach – Markus Biller, 24, steht an der Feuerstelle. Auf der Nase trägt er eine Schutzbrille. Seine linke Hand steckt in einem ledernen Handschuh und hält eine Zange, in der ein Paket aus mehreren im Zebramuster gestapelten Schichten unterschiedlicher Stahlsorten steckt, fest umschlossen. Das Paket liegt in einem Bett aus glühenden Kohlen. Etwa 30 Zentimeter hohe Flammen züngeln nach oben an den überdimensionierten Dunstabzug über der Feuerstelle, der ein beständiges Rauschen von sich gibt. Biller nimmt das Paket aus der Glut, bestreut es von allen Seiten mit Schweißsand und legt es zurück ins Feuer.

Die Vorbereitungen zum sogenannten Feuerschweißen sind getroffen – eine beinahe vergessene Technik. Jedoch nicht in Billers Ausbildungsbetrieb, der Schmiede Lang auf Gut Wallenburg bei Miesbach. Vor etwa einem Jahr hat der Bruckmühler seine Lehre zum Metallbauer, Fachrichtung Metallgestaltung, abgeschlossen. Ein Weg, den immer weniger junge Menschen gehen. Das Schmiedehandwerk ist mehr denn je vom Aussterben bedroht. „Die Schmiedekunst kommt immer weniger zum Einsatz“ erklärt Biller. „Das ist schlicht eine Frage des Preises.“ Maschinen fertigen eben schneller und billiger. Entsprechend ist im Vergleich zu den Blütezeiten des Schmiedehandwerks einiges an Wissen verloren gegangen.

Umso wichtiger ist es, das vorhandene Wissen zu pflegen. Gestalterisch tätig werden – so wie in der Schmiede Lang. Traditionelle Techniken an modernen Objekten Anwendung finden lassen. Tischgestelle, Lampen, Bleche, Tore und Geländer sowie Elemente in der Raumgestaltung wie Fenster und Türen. Dabei wird auf eine klare Formensprache Wert gelegt. „Es ist eine Frage der Form und Funktion, sonst könnte man genauso gut in den Baumarkt gehen“, sagt Biller. Vor allem im Tegernseer Tal finden sich immer mehr Arbeiten der Schmiede Lang.

Biller nimmt das inzwischen rund 1300 Grad heiße Paket aus der Glut. Er sieht, wann es so weit ist – ohne die Temperatur zu messen. „Kurz bevor das Material flüssig wird“, erklärt Biller. Mit der linken Hand legt er den glühenden Stahl zügig auf einen gut 200 Kilogramm schweren Amboss und und verschweißt den Stahl durch schnelle Schläge. Funken fliegen durch die Werkstatt. Um den Stahl von allen Seiten bearbeiten zu können, dreht er ihn immer wieder. So routiniert, dass es fast schon gelangweilt wirkt.

Doch der Schein trügt: Biller ist mit viel Freude und Ehrgeiz bei der Arbeit. Zu der kam er über Umwege. Nach seinem Abschluss an der Fachoberschule (FOS) studierte er Holzbau an der Fachhochschule in Rosenheim, brach aber nach zwei Semestern ab. „Das war mir zu theoretisch“, sagt Biller. Stattdessen besann er sich darauf, was er schon im Praktikum an der FOS festgestellt hatte. „Ich mag es, mich dreckig zu machen. Körperliche Arbeit ist für mich das Größte.“ Die Vielseitigkeit seiner Arbeit und die schier grenzenlosen Möglichkeiten, Objekte aus Stahl zu schaffen, haben es ihm angetan.

Preisgekrönt: Billers Gesellenstück, das Grillbesteck. 

Diese Passion hat dem 24-Jährigen schon so manchen Titel eingebracht: Kammersieger der Handwerkskammer München und Oberbayern, zweiter Landessieger im Wettbewerb „Die gute Form“, ein dritter Platz bei der deutschen Meisterschaft im praktischen Leistungsbewerb und Landessieger im Wettbewerb des deutschen Handwerks in Bayern. Letzteres gelang ihm mit seinem Gesellenstück, einem Grillbesteck inklusive Halterung. „Das zeigt meine Mutter immer ganz stolz her“, sagt Biller und lacht.

Erneut nimmt er das Paket aus der Glut und legt es auf den Amboss. Diesmal holt er etwa bis auf Kopfhöhe aus und lässt den Hammer beherzt herab sausen. Dann formt er das Paket durch gezielte Hammerschläge zu einem langem Strang aus, als würde er Teig mit einem Nudelholz ausrollen, und schrubbt ihn schließlich mit einer Drahtbürste blank. Nachdem der Stahl ausgekühlt hat, schleift Biller die Oberfläche, ätzt die Klinge und poliert sie. Zum Vorschein kommt ein Muster, entsprechend der einzelnen Schichten. Griff dran und fertig ist das Messer. „Das gibt’s nicht im Baumarkt“, sagt Biller. „Das hat Seele.“

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