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Das Kloster wird zum Kinderhaus: Weil die Krippe (r.) zu klein wird, soll der Mittelteil als Erweiterungsbereich dienen. Das alte Schulgebäude (l.) könnte für den Hort genutzt werden.

Mehrheit stimmt fürs Kinderhaus

Schock im Stadtrat: Aus fürs Museum im Kloster

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Das Museum im Kloster ist gestorben. Nach einer emotionalen Diskussion hat der Miesbacher Stadtrat nun entschieden, den baufälligen Mitteltrakt für die Erweiterung der Kinderbetreuung sanieren zu lassen. Dem Museumsverein bleibt als Trostpflaster eventuell ein kleiner Pavillon und ein zerbrochener Traum.

Alles Erklären, Überzeugen, Appellieren und Schimpfen hat nichts genützt. Der Miesbacher Stadtrat hat sich am Donnerstag mit 14:9 Stimmen dafür ausgesprochen, im Kloster selbst die Erweiterung der im Nordteil untergebrachten Kinderkrippe unterzubringen. Damit ist das seit Jahren geplante Museum faktisch vom Tisch.

Ausschlaggebend war die Faktenlage, die Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) eingangs zusammenfasste: Bei der Kinderbetreuung drohe ein großer Engpass. Zudem habe sich die Regierung von Oberbayern sehr reserviert gegenüber den Museumsplänen gezeigt. So bewegen sich die zur Verfügung stehenden Ausstellungsflächen „knapp an der Untergrenze des empfohlenen Raumprogramms“. Auch könne das Sammlungsdepot nicht im selben Gebäude untergebracht werden. Die im Nordteil des Klosters bestehende Krippe stelle überdies „keine schlüssige Ergänzung zu einer Museumsnutzung“ dar. Daher empfehle die Regierung, die Nutzung als Museum „nochmals eingehend zu prüfen“.

Für Pongratz ist der Weg damit klar: Das Gebäude soll zum Kinderhaus werden, „denn der Betreuungsbedarf wird nicht weniger“. Außerdem sei die Zuschusssituation bei Kindern besser. Dafür erntete sie breiten Zuspruch – allen voran von Markus Seemüller (FW), Der hatte im Juli 2017 mit seinem Antrag, neben einem Anbau für die Krippe auch das Kloster zu prüfen, die Kehrtwende eingeleitet und begrüßte den Richtungswechsel. Allerdings sagte er auch: „Wir müssen zusammen mit dem Museumsverein neue Lösungen suchen.“ Auch Franz Mayer (CSU) zeigte sich erleichtert: „Der Bedarf bei der Kinderbetreuung ist mittlerweile größer als der zunächst geplante Anbau Platz bietet.“ Ein Kinderhaus bedeute auch Belebung für das Klosterareal, ergänzte Verena Assum (CSU): „Sonst wird dort lange nichts passieren.“

Bei den Unterstützern des Museums machte sich dagegen Entsetzen und Empörung breit. Für Manfred Burger (Grüne) war die Abkehr vom Museum nicht nachvollziehbar: „Wir wissen seit einem halben Jahr, dass es bei der Kinderbetreuung eilt. Hätten wir den Anbau gleich im Dezember beschlossen, wäre es jetzt nicht so dringend.“ Ähnlich sah es Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD): „Wir hatten eine Notlösung – jetzt haben wir gar keine mehr, denn die Sanierung wird bis 2021 dauern.“ Astrid Güldner (Grüne) stimmte zu: „Den Anbau bei den Schuppen haben wir in einem Jahr.“ Es sei zudem auch einfacher, für Kinder etwas Neues zu bauen.

Die erste Beschlussvorlage war noch kein großer Schaden für die Museumsverfechter. Sie sah lediglich vor, bei Museumsverein und Bürgerstiftung auszuloten, ob es auch eine Option wäre, einen Pavillon nahe der Portiunkulakirche zu errichten, um dem Museumsverein eine Betätigungsmöglichkeit zu schaffen – außerhalb des Klosters. Dies wurde mit 19:4 Stimmen befürwortet.

Doch mit der breiten Unterstützung im Rücken, holte Pongratz zum finalen Schlag aus: Die Bürgermeisterin schickte in der Sitzung einen zweiten Beschluss ins Rennen, der den Unterlagen nicht beilag: Der Stadtrat soll – abhängig von der noch ausstehenden Stellungnahme der Unteren Denkmalschutzbehörde – die Umwandlung des Klosters in ein Kinderhaus mit gleichzeitigem Einstieg ins Förderverfahren beschließen. Dieser Vorschlag ging mit 14:9 durch.

Seitens des Museumsvereins war am Tag danach keine Stellungnahme zu bekommen – man müsse sich erst sammeln. Als weitere Option, die Museumssammlung zu öffnen, bleibt der Ausbau des Depots im Feuerwehrhaus, um es begehbar zu machen – kombiniert mit Ausstellungen im Waitzinger Keller.

ddy

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