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Die kritische Edition zu Hitlers "Mein Kampf" im Unterricht einzubinden sehen die Schulleiter als schwierig an.

„Mein Kampf“ in der Schule

„Mit 15 liest man das nicht“

Landkreis - Die kommentierte Auflage zu Hitlers "Mein Kampf" wird an den Gymnasien im Landkreis vorerst keinen Weg in die Klassenzimmer finden.

Einen differenzierten Umgang mit Hitlers „Mein Kampf“ in der Schule – das fordert Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). So müsse Hitlers menschenverachtendes Weltbild demaskiert werden, damit die Hetzschrift nicht falsch verstanden werden könne. 

Aber was heißt das bei der Umsetzung im Unterricht? Das Kultusministerium will den Schulen hierzu erste Hinweise zum Umgang mit dem Buch an die Hand geben. Die Gymnasien im Landkreis haben bisher noch keine Angaben von höherer Instanz erhalten, bestätigt der Schulleiter am Tegernseer Gymnasium, Werner Oberholzner. 

Er selbst hat „Mein Kampf“ – die unkommentierte Ausgabe – gelesen, als er einige Zeit in den Vereinigten Staaten von Amerika verbracht hat. „Das kriegt man da problemlos an der Uni“, erzählt der Schulleiter, der auch Lehrer für Geschichte ist. „Der Inhalt ist stilistisch schrecklich“, sagt er über das Buch. Die Verwendung im Unterricht sei dadurch schwierig. 

Für das Fach Deutsch beurteilt der Direktor das Werk als gar nicht geeignet. „Das ist keine Literatur“, sagt Oberholzner. Deshalb solle „Mein Kampf“ – wenn überhaupt – eher im Geschichtsunterricht thematisiert werden. Das eine oder andere Geschichtsbuch in der 9. Klasse enthalte bereits Ausschnitte. „Mit mehr können wir die Schüler auch gar nicht konfrontieren“, erklärt der Tegernseer Schulleiter. 

Dem stimmen auch seine Kollegen aus Holzkirchen und Miesbach zu. „Von denjenigen, die das Buch überarbeitet haben, ist die Empfehlung klar, das nicht in der Schule zu verwenden“, erklärt Axel Kisters, Schulleiter des Gymnasiums Holzkirchen. An seiner Schule spielt das Thema sowieso kaum eine Rolle, da es dort momentan nur die Klassen fünf bis acht gibt. „In der Oberstufe wäre es vielleicht möglich, das Buch im Rahmen eines Seminars durchzunehmen“, sagt Kisters. Eine Oberstufe wird in Holzkirchen aber erst 2019 zum ersten Mal unterrichtet werden. 

In Rücksprache mit den Deutschlehrern wird das Buch auch in Holzkirchen in diesem Fach nicht zum Einsatz kommen. Für Sprachanalysen gebe es deutlich bessere Literatur. „Eine Kollegin hat ,Mein Kampf‘ gelesen und gesagt, dass es seltsam und schwer sei“, erzählt der Schulleiter. 

In Miesbach sieht Schulleiter Rainer Dlugosch keine Verwendung für die Schule. „Es ist schön, dass es die neue Auflage gibt, aber in Bezug auf den Unterricht wird das keine Auswirkung haben“, erklärt er. Einer der Miesbacher Geschichtslehrer sei bereits auf einer Fortbildung zu der kommentierten Ausgabe von Hitlers Werk gewesen. 

Veranstaltungen dieser Art sollen für Lehrer auch in Zukunft angeboten werden. „Sich damit nicht zu beschäftigen wäre genauso unrecht wie das Thema zu hypersensibilisieren“, sagt der Miesbacher Schulleiter. Deshalb soll im Gymnasium der Kreisstadt – falls es das Budget hergibt – zukünftig eine Ausgabe in der Bibliothek zu finden sein. 

Ob die Schüler „Mein Kampf“ überhaupt lesen wollen, ist fraglich. An den Gymnasien im Landkreis sei diesbezüglich noch kein Interesse laut geworden. „Mit 15 lese ich das freiwillig sowieso nicht“, ist sich Oberholzner sicher. Wohl auch ältere Schüler würden sich sehr selten dafür interessieren. „Mein Kampf“ wird also erst einmal keinen Zutritt zu den Klassenzimmern im Landkreis erhalten. „Wir sollen ja ohnehin erst mal abwarten, wie sich das Kultusministerium einigt“, sagt Dlugosch.

Kommentierte Version in der Buchhandlung Nachdem die Hürde des Urheberrechts gefallen ist – 70 Jahre nach dem Tod des Diktators –, wurde vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München eine kommentierte Neuauflage veröffentlicht. Unkommentierte Veröffentlichungen könnten wohl strafrechtlich verfolgt werden. „Hitler, Mein Kampf - Eine kritische Edition“ kann ab sofort jeder erwerben – meist jedoch nur auf Bestellung. 

So auch bei Buch am Markt in Miesbach. „Ich habe es selbst nicht da gehabt, weil ich nicht wusste, ob ich es brauchen werde“, erklärt Inhaberin Rixta Rausch. Die kommentierte Auflage kann dort angefordert werden – einige Bestellungen sind auch schon eingegangen. „Für unsere Buchhandlung waren es viele“, sagt Rausch. 

59 Euro kostet die knapp 2000 Seiten umfassende Edition. Bei den Personen, die sich für das Buch interessieren, glaubt Rausch eine bestimmte Gruppe zu erkennen: „Ich habe das Gefühl, sie interessiert wirklich der Kommentar.“

Von Nina Probst mit dpa

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