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Lustig und bunt wie bei der Gründungsveranstaltung des FabLab-Vereins soll es später auch im FabLab selbst zugehen: (v.l.) Joseph Paul, Ingrid Wildemann (SMG), Andreas Kopp, Korbinian Kern und Tobias Zitzelsberger.

Schweres Gerät für junge Technik-Freaks

3D-Drucker & CNC-Fräse für Schüler - Das bringt das FabLab

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Brauchen Schüler einen 3D-Drucker? Ja, finden die Organisatoren des FabLab. Sie wollen technisch interessierten Jugendlichen helfen, ihre Leidenschaft zu entwickeln.

Landkreis – Ein Schüler interessiert sich für Metallbearbeitung und besucht das FabLab. Dort lernt er von einem erfahrenen Handwerker die Kniffe, trifft auch auf einen Programmierer und einen Schreiner. Zusammen entwickeln sie völlig neue Ideen, entdecken Dinge, die sie sonst nie gekannt hätten. Diese Wirkung erhoffen sich die Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach (SMG) und zahlreiche Freiwillige vom Fabrication Laboratory (englisch für Fabrikationslabor), kurz FabLab. Das soll schon bald im Landkreis unterwegs sein.

Das FabLab ist eine kleine moderne Fabrik auf Rädern, mit 3D-Drucker, CNC-Fräse und allerhand Werkzeugen. In einem Anhänger untergebracht, soll das FabLab die Schulen im Landkreis besuchen und den Schülern die Möglichkeit bieten, ihr Talent und ihren Spaß am Herstellen, Programmieren und Handwerken auszuprobieren. Alles, was man als Jugendlicher gerne einmal austesten möchte, aber eben nicht zu Hause hat, kommt so direkt in die Schule gefahren. „Das ist ideal für eine dezentrale Region wie den Landkreis“, meint Johann Holzinger von der SMG.

Das Projekt ist schon eine Weile in Planung, zuletzt gab es aber nur wenig Handfestes zu vermelden. Das hat sich inzwischen geändert. Im April wurde ein gemeinnütziger Verein gegründet, der die Mittel für das Projekt beschaffen soll. Die 45 000 Euro für die Einrichtung des FabLabs hat der Verein schon zusammen. Der jährliche Unterhalt soll 55 000 Euro kosten. Man sei „sehr optimistisch“, diesen stemmen zu können, so Holzinger. Auch staatliche Fördermittel scheinen wahrscheinlich. Selbst die EU könnte einige Euro zuschießen.

Das glaubt auch der Vorsitzende des neuen Vereins, Joseph Paul. Der 26-Jährige bringt viel Erfahrung mit, betreute bereits den Münchner Erfindergarten. Aus diesem Projekt zog er sich aber wegen Zeitmangels zurück. Jetzt, als es um ein FabLab in seiner oberbayerischen Heimat ging, war für ihn indes klar: „Da muss ich dabei sein.“ Der Softwareentwickler schraubte schon als Kind ständig an Radios, wäre über einen Ort wie das FabLab froh gewesen. Damit ist er nicht allein, da ist er sich sicher. Den jungen Schraubern von heute will er eine Heimat bieten.

Derzeit absolviert Paul die einjährige Fab Academy des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort beschäftigte er sich auch schon mit dem nächsten Schritt für den Landkreis. „Wir wollen ein festes FabLab einrichten.“ Das soll in einem Raum an einem zentralen Ort allen Mitgliedern des Vereins offen stehen und so einen Treffpunkt für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten bilden. „Uns ist der Community-Gedanke sehr wichtig“, sagt Paul. „Statt im heimischen Keller vor sich hin zu werkeln, können die Mitglieder bei uns gemeinsam etwas bauen.“

Die genaue Ausrichtung des FabLabs hängt stets von den Fähigkeiten der Beteiligten ab. „Jedes FabLab entwickelt durch die daran beteiligten Menschen seinen eigenen Charakter“, erklärt Paul. Handwerk, Hacking, Kunst, Bildung, Robotik, Repair Café, Open Source – alles ist möglich. An diesem Punkt suchen die Organisatoren noch nach Unterstützung. „Wer fördern, helfen oder Räumlichkeiten anbieten will, kann sich gerne melden“, sagt Veronika Müller, Projektmanagerin Innovation bei der SMG. Paul betont: „FabLabs nützen Unternehmen und Menschen, weil sie gut ausgebildete Fachkräfte hervorbringen, die ihre Jobs lieben.“ Davon profitierten am Ende alle.

Jetzt schon basteln

Wer sein handwerkliches Geschick testen will, kann bereits immer am zweiten Montag im Monat zum Makers Monday der FabLab-Organisatoren kommen. Informationen, Termine und Orte gibt es unter www.facebook.com/FablabOberland.

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