Miesbach/Asiatischer Laubholzbockkäfer: Neun weitere Bäume gefällt
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Vielbeachteter Schnitt: Der erste Baum, der vor dem Seniorenheim gefällt wurde, zog auch Vertreter des Fernsehens an. Das LfL bedankte sich derweil bei der Stadt für die hervorragende Zusammenarbeit.
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Tödlich: Die Larven des ALB bilden Höhlen.
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Herr der Lage: Frank Nüßer, Leiter der Arbeitsgruppe ALB der LfL, erklärt die Symptome eines Befalls.
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Spürhund: Alois fand den ALB mehrfach im Baum.
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„Ich dachte, mich tritt ein Pferd“

Miesbach/Asiatischer Laubholzbockkäfer (ALB): Neun weitere Bäume gefällt

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Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) hat weitere Opfer gefordert. Vor dem Miesbacher Finanzamt und dem Seniorenheim wurden neun Bäume gefällt. Weitere werden folgen.

Miesbach – Frank Nüßer steht vor einem Feldahorn am Miesbacher Seniorenheim und zeigt auf ein rotes Band. Es umschlingt den Stamm, darauf steht schwarz eine Neun geschrieben. Das Band markiert das Todesurteil des Baumes – genau wie die Bänder an den acht Stämmen, die vor diesem nummeriert wurden. Nüßer, Leiter der Arbeitsgruppe Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), erklärt: „Der Baum zeigt alle Befallsmerkmale des ALB.“ In den Astgabeln sammelt sich Späne, die Spitzen färben sich braun, der Stamm ist mit Löchern von der Größe einer Ein-Euro-Münze übersäht. Für Nüßer ist klar: Der Baum muss weg, um anderen das gleiche Schicksal zu ersparen.

Rote Bänder umschlingen an diesem Vormittag insgesamt neun Bäume: sieben am Parkplatz vor dem Finanzamt und zwei zwischen Seniorenheim und B 472. In ihnen wurde der ALB nachgewiesen. Sie alle werden entnommen. Die Bäume dazwischen, vor dem Seniorenheim an der Carl-Fohr-Straße, hat der Käfer nach derzeitigem Stand übersprungen.

Mehr zum ALB in Miesbach: 30 Bäume befallen, zehn gefällt - Diese Zone ist jetzt gefährdet

ALB/Miesbach: Gefahr: Morsche Äste können abbrechen

Nüßer tritt einen Schritt vom Feldahorn weg. Ein Mitarbeiter des Miesbacher Bauhofs kommt heran. Er trägt orangene Schutzkleidung, Helm und Ohrschützer, hat eine Motorsäge dabei. Die setzt er an den Fuß des Baumes. Er räumt einige kleine Äste aus dem Weg, schneidet in den Stamm. Der Ahorn fällt in Richtung Seniorenheim auf den Gehweg.

Ähnlich wird es vielen Miesbacher Bäumen und Gewächsen gehen. Wie berichtet, verlangt eine EU-Verordnung, alle 16 bekannten Wirtssorten in einer 100-Meter-Zone um vom ALB befallene Bäume zu fällen – dazu gehören unter anderem Rosskastanie, Birke und Hasel sowie Buche, Esche und Linde. Ahorne sowieso, sie sind die Lieblingsheimat des ALB. Die Zone wird auf den Meter genau um den Befall ermittelt. Es wird also keinen Kreis, sondern eher „eine Wolke“, sagt Elke Zahner-Meike, Pressesprecherin der LfL.

Warum die LfL so konsequent vorgeht, zeigt ein Blick auf den gefällten Baum. Der Bauhof-Mitarbeiter sägt den Stamm in mehrere etwa 40 Zentimeter lange Stücke. Nüßer setzt das Beil auf die Schnittfläche, ein Mitarbeiter schlägt mit dem Hammer darauf. Der Stamm spaltet sich der Länge nach. Zum Vorschein kommen mehrere faulig braune Kanäle.

Alle wichtigen Fragen und Antworten zum ALB in Miesbach gibt es hier: Gefährlicher Schädling bedroht Bäume - Das passiert jetzt

Der ALB lebt seit mehr als zwei Jahren in Miesbach

In einer Höhle liegt eine etwa fünf Zentimeter lange Larve. Nüßer packt sie mit der Pinzette, legt sie in einen Glasbehälter. Er erklärt: „Die Larve bohrt sich in den Stamm, macht einen Haken nach oben und bildet eine Höhle, in der sie sich zum Käfer entwickelt. Ist der fertig, bohrt er sich nach außen.“ Zwei Jahre dauert der Prozess – und zerstört dabei das Leitungssystem des Baumes. Die Folge: Die Äste am Gipfel sterben zuerst, werden morsch und brechen ab – eine Gefahr für Fußgänger.

Ein Mitarbeiter kniet sich vor den faulen Stamm. Er schreibt die Baum-Nummer, das Datum und den Fällungsort auf das Holz. Dann legt er es in eine Metallkiste und schließt den Deckel. Ein Transporter bringt das Holz zur weiteren Analyse ins Labor nach Freising.

Besonders genau werden sich die Experten die Austrittslöcher der Larven ansehen. Sie verraten, wie lange der ALB schon in Miesbach lebt. Zwei Jahre müssen es mindestens sein, weil einige Larven die Entwicklung zum Käfer beendet haben. „Der Baum will sich heilen“, erklärt Nüßer. Daher verschließe er die Löcher nach dem Austritt des Käfers. Anhand der Ringe können die Experten erkennen, wie viele Jahre seitdem vergangen sind. Es könnten schon mehrere sein.

Erfahrungsbericht zum ALB: In Feldkirchen wurden ganz Wälder gefällt, das Ortsbild verändert

Miesbach will Fällungen wegen des ALB verhandeln

Kein schöner Gedanke, findet Paul Fertl. Der Zweite Miesbacher Bürgermeister, der während des Urlaubs von Bürgermeisterin Ingrid Pongratz das Rathaus führt, hat die Fällung vor Ort verfolgt, zusammen mit Geschäftsleiter Gerhard Führer. Seine Stimmung sei „sehr bescheiden“, sagt Fertl. „Als ich zum ersten Mal von den Fällungen gehört habe, dachte ich, mich tritt ein Pferd.“ Die Bäume um das Finanzamt könne er noch verschmerzen. „Wenn Sie ringsum schauen, wissen Sie, wo unsere Probleme liegen: Fritz-Freund-Park, Riviera, Waitzinger Park.“ Wie berichtet, ist schon jetzt sicher: Teile der beiden Letztgenannten liegen in der 100-Meter-Zone, in der gefällt werden muss. Fertl hofft deswegen, verhandeln zu können. Im Falle des Waitzinger Parks könnte die Stadt beispielsweise monatlich einen Kontrolleur auf die Bäume schicken, statt diese zu fällen, schlägt er vor.

Nüßer macht den Miesbachern aber wenig Hoffnung. In Neukirchen, dem Ort des ersten Auftretens des ALB im Freistaat, habe die Bekämpfung fast zehn Jahre gedauert. Weil damals und nur beschädigte Bäume gefällt wurden, breitete sich der Käfer immer wieder aus. Seit die Fällungen aber konsequent umgesetzt werden, habe sich der Käfer in keinem Gebiet erneut gezeigt. Deswegen wolle er auch in Miesbach an der Methode festhalten.

Die gute Nachricht für die Menschen innerhalb der Zone: Zusätzliche Kosten kommen auf sie wohl nicht zu. Die Stadt übernehme die Entsorgung der Bäume, sagt Nüßer. Wie das funktioniert, will er auf einer Infoveranstaltung erklären, die nach der Aufnahme der Schäden stattfinden soll. Er verspricht: „Wir holen die Leute ab und nehmen sie mit.“

Der Stand vom Donnerstag: Asiatischer Laubholzbockkäfer in Miesbach: Mehr befallene Bäume gefunden

Infostand

Vertreter der Behörden beantworten an diesem Mittwoch von 8 bis 12 Uhr an einem Infostand am Grünen Markt Fragen zum ALB.

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