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Hygiene geht vor: Bäckermeister Florian Perkmann und Verkaufsleiterin Bernadette Stocker zeigen, wie sich die Mitarbeiter am Tresen gegen eine Verbreitung des Coronavirus wappnen.

Auch sie haben Einbußen wegen Corona

„Werden manchmal vergessen“: Bäcker und Metzger appellieren an Kunden

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Supermärkte scheinen die Gewinner der Corona-Krise zu sein. Doch wie sieht es bei den kleinen Bäcker- und Metzgereien aus? Längst nicht so rosig wie mancher glauben mag.

Miesbach – Viele Unternehmer schielen dieser Tage neidvoll auf die Lebensmittelbranche. Ob Supermärkte, Bäcker oder Metzger: All diese Läden dürfen trotz des Coronavirus weiter öffnen und ihre Waren verkaufen, weil diese zur Deckung des täglichen Bedarfs dienen. Ein Selbstläufer ist das Geschäft aber noch lange nicht, sagt Florian Perkmann. Der stellvertretende Obermeister der Bäckerinnung aus Miesbach erfährt gerade am eigenen Leib, wie schwierig der Spagat zwischen Produktion, Hygieneauflagen und Umsatzeinbrüchen zu bewältigen ist.

Für Perkmann liegt der Fokus in Sachen Versorgung derzeit zu stark auf den großen Märkten. „Wir kleinen Handwerksbetriebe werden manchmal vergessen“, sagt der Bäckermeister. Viele Kunden würden ihre Einkäufe am liebsten möglichst schnell in einem einzigen Laden erledigen, um ihr persönliches Infektionsrisiko so niedrig wie möglich zu halten. Grundsätzlich eine lobenswerte Einstellung, findet Perkmann. Für kleinere Bäcker- oder Metzgereien aber ein mitunter existenzgefährdender Trend. Zumal etliche Betriebe bereits eines ihrer anderen Standbeine verloren hätten.

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Bei Bäckereien ist dies meist das zugehörige Café. Auch Perkmann hat seinen Gastro-Bereich zugesperrt, das Service-Personal nach Hause geschickt. Für seine Thekenmitarbeiter hat er Plexiglasscheiben bestellt, die in Kürze montiert werden. Auch Handschuhe und Zangen für die Ware sind im Einsatz. Kundeneigene Behältnisse für Brot, Brezen und Semmeln befüllen die Angestellten vorerst nicht mehr. Nur noch das Geld wandert über die Theke. Wohl auch relativ gefahrlos, wie der Bäckermeister in Erfahrung gebracht hat. „Angeblich halten sich die Viren da gar nicht so gut.“ Das Ziel ist klar: möglichst wenig Risiko einer Kontamination.

An die Kunden appelliert Perkmann, weiter bei den kleinen Läden einzukaufen. „Da hängen Arbeits- und Ausbildungsplätze dran.“ Die von der Staatsregierung in Aussicht gestellten Hilfen seien gut, könnten aber erst dan in Anspruch genommen werden, wenn sämtliches Vermögen aufgebraucht ist. Einen Vergleich mit der Bankenkrise möchte der Bäckermeister nicht ziehen: „Wir haben uns nicht verzockt, haften aber mit unserer Zukunft.“

Dennoch blickt Perkmann noch optimistisch nach vorn. Anders als viele Supermarktketten seien kleine Handwerksbetriebe mit örtlichen Lieferanten und Abnehmern gut vernetzt. Strukturen, die in der Krise Gold wert sind: „Je kleiner der Wagen, desto leichter ist er zu schieben.“

Metzgerei Röckenschuß profitiert von lokalen Lieferanten

Maximal zwei Kunden gleichzeitig im Laden, Sicherheitsabstand zur Theke: Auch die Metzgerei Röckenschuß in Miesbach hat ihre Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus getroffen. „Die Leute halten sich vorbildlich dran“, lobt Metzgermeister Rudolf Röckenschuß seine Kunden. Das Ladengeschäft laufe trotz Krise weiterhin gut, das Einkaufsverhalten habe sich aber schon verändert. „Die Leute kaufen bewusster ein“, sagt Röckenschuß. Vor allem gut zu lagernde Ware sei gefragt. Die Metzgerei hat ihr Angebot dementsprechend angepasst und stellt beispielsweise kleinere Würste her, die sich nach und nach anbrechen und damit über einen längeren Zeitraum verzehren lassen. 

Doch auch Röckenschuß hat Umsatzeinbrüche zu verzeichnen. So ist durch die Schul- und Kitaschließungen sowie die Veranstaltungsverbote sein Catering-Geschäft zum Erliegen gekommen. „Wir versuchen jetzt, zumindest weiterhin kostendeckend zu arbeiten“, sagt der Metzgermeister. Um die Versorgungssicherheit bräuchten sich die Kunden keine Gedanken machen. Er produziere selbst und werde als treuer Geschäftspartner weiterhin von seinen Lieferanten unterstützt. „Wir sind unabhängig von großen Lieferketten und können daher weiter frische Ware garantieren.

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