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Einsame Traumkulisse: Das Café Winkerlstüberl in Fischbachau bietet traumhafte Ausblicke. Trotzdem schließt Junior-Chefin Mairhofer schon um 18 Uhr zu.

Stornierungen im Winter-Wunder-Land

Miesbach: Hotels und Gastronomie trotzen dem Schnee - gerade so

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Miesbach: Aus Angst vor dem Schnee stornieren viele Hotel und Gastro-Gäste ihre Buchungen. Die Betriebe haben das meist so noch nicht erlebt. Doch sie sind optimistisch.

Landkreis – Wer einen Platz im Fischbachauer Café Winklstüberl möchte, hat derzeit leichtes Spiel. „Bei uns ist seit einer Woche gar nichts los“, berichtet Junior-Chefin Sophia Mairhofer. Gerade mal zehn Gäste bewirtete sie in dieser Zeit. Das sonst heiß begehrte Café sperrt derzeit meist um 18 Uhr zu, das Personal baut Urlaub und Überstunden ab. Mairhofer: „So etwas haben wir in zehn Jahren nicht erlebt.“

Miesbach: Hotels und Gastronomie trotzen dem Winter - gerade so

Der Schnee trifft nicht nur das Winklstüberl. Überall im Landkreis laufen Gastronomie und Hotels derzeit ein wenig anders – meist schlechter. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Ein Beispiel: Den Voitlhof zum Zotzn in Rottach-Egern treffen vor allem Stornierungen. „Das Problem ist weniger der Schnee, sondern die Hysterie“, sagt Inhaber Josef Bogner jun. „In Davos liegen auch zwei Meter Schnee, aber da ist es ein Winter-Wunder-Land. Bei uns ist es ein Chaos.“ Dabei hätte der Landkreis endlich den Wunschwinter, auf den er seit Langem warte.

Dieses Problem kennt auch Hans Vogl, Inhaber des Landgasthof Altwirt in Großhartpenning. Er muss Gäste besänftigen, die vom Katastrophenfall gelesen haben und ihre Buchungen stornieren wollen – wenn sie überhaupt vorher nachfragen.

Von Hysterie will Vogl aber nicht sprechen. Er hat in den letzten drei Tagen 320 Euro in Diesel für den Bulldog investiert, mit dem er Schnee räumt. Von einer normalen Situation will er daher nicht sprechen. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er wegfährt.“ Wichtig sei, dass niemand verletzt werde.

Miesbach: Schneechaos führt zu Stornierungen - Trotzdem Verständnis bei Gastronomen

Ähnlich wie Vogl sieht es auch Klaus Glöckl, Inhaber der Osteria im Himmisepp in Miesbach. Am Donnerstagabend kam bei ihm gar kein Gast, auch das Abholgeschäft ging massiv zurück. Insgesamt brechen ihm zwei Drittel des Umsatzes weg – das habe er in 30 Jahren noch nicht erlebt. Dennoch sagt er: „Ich war auch mal beim BRK. Das Erklären des K-Falls hilft den Rettungskräften enorm.“ Auch Vogl meint: „Den Rettungskräften gehört unser Dank.“

Dankbar sind alle Gastronomen auch für ihre Zulieferer. Die kämpfen sich tapfer durch den Schnee – so weit es geht. In der Einfahrt des Café Winklstüberl hing am Donnerstag ein LKW fünf Stunden lang in der Einfahrt fest. Andere Lieferanten scheitern schon an der Anfahrt. Trotzdem sei die Versorgung nicht gefährdet, sagen alle Gastronomen.

Miesbach: Nicht alle Gastronomen leiden unter dem Schnee

Ohnehin: Nicht alle Gastronomiebetriebe leiden unter dem Schnee. Das Café Bistro Papst im Holzkirchner Atrium verkauft so viel wie immer – allerdings an andere Gäste. „Viele Leute sitzen im Ort fest, weil Bus und Bahn nicht fahren. Die haben Zeit und kommen zu uns“, sagt Mitinhaberin Claudia Papst. Andere wollten aus Fischbachau oder Bayrischzell nach München, kommen aber nicht weiter. Auch sie kehren bei Papst ein. Das Café liegt in der Nähe des Bahnhofs.

Für die anderen Gastronomen bleibt der Blick nach vorn. Diese Woche sei zwar ein wenig tumultig gewesen, aber das könne schon nächste Woche anders werden, meint Vogl. Dem stimmt auch Bogner zu. „Wer jetzt nicht hier her kommt, ist selber Schuld. So eine schöne Schneelandschaft gibt es nicht jedes Jahr.“ Auch Mairhofer findet, die Landschaft sehe wunderschön aus. „Trotzdem könnte es langsam aufhören zu schneien.“

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