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Gefährliche Begegnung? Wanderer und Kühe am Rosskopf (Spitzingsee).

Almbauern verunsichert

Wegen Kuh-Konflikt in Tirol: Werden auch im Landkreis Miesbach Wanderwege gesperrt?

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Gesperrte Wege, damit sich Kühe und Wanderer nicht mehr gefährlich nahe kommen? In Tirol könnte das bald wahr werden. Im Landkreis warnt man aber vor Panik - und setzt auf Dialog.

Landkreis – Die Verunsicherung aus Tirol ist über die Landesgrenze geschwappt. „Wir sind stark sensibilisiert“, sagt Harald Gmeiner, Vorstand des Tourismus-Kommunalunternehmens Alpenregion Tegernsee-Schliersee (ATS). Kein Wunder, könnte sich doch ein Urteil aus Österreich im schlimmsten Fall als Stolperstein für die Wanderer im Landkreis erweisen.

Der Ausgangspunkt könnte tragischer kaum sein. Vor fünf Jahren wurde eine 45-jährige Urlauberin aus Rheinland-Pfalz im Stubaital von einer Kuh totgetrampelt. Das Tier hatte sich durch ihren Hund erschreckt und wollte seine Kälber verteidigen. Nun hat das Landgericht Innsbruck den Bauern, dem die Almwiese gehört, zu knapp einer halben Million Euro Schadensersatz verurteilt. Begründung: Der Bauer habe unzureichend vor den Gefahren einer Kuhherde mit Kälbern gewarnt.

Die Reaktion der Almwirtschaft ließ nicht lange auf sich warten. Binnen weniger Tage nach Bekanntwerden des Richterspruchs kündigten die ersten Landwirte an, Wanderwege auf ihren Wiesen zu sperren, um sich künftig keinem Haftungsrisiko mehr auszusetzen.

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Im Landkreis Miesbach ist es noch nicht dazu gekommen, teilt Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) mit Sitz in Holzkirchen, auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir werden uns auch nicht so weit treiben lassen.“ Überdies sei das Betretungsrecht in der freien Landschaft im Naturschutzgesetz verankert, eine Sperrung daher also gar nicht ohne weiteres möglich. Mair rät den Almbauern, einen kühlen Kopf zu bewahren und lieber an die Vernunft der Wanderer zu appellieren.

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Erste Schritte hat der AVO bereits nach dem Unfall im Stubaital eingeleitet. Der Verein ließ eine Broschüre mit dem Titel „Almen und Alpen sind kein Streichelzoo“ drucken, die seitdem in vielen Hütten ausliegt. Nach dem Gerichtsurteil werde man nun in Absprache mit den Partnervereinen im Allgäu und in Tirol weitere Vorsorgemaßnahmen besprechen, erklärt Mair. Auch juristisch werde sich der AVO beraten lassen. Sollte es nötig sein, werde man Warnschilder anfertigen, die die Almbauern auf ihren Weiden aufstellen können. Mair hofft aber, dass es nicht so weit kommt. „Es wäre besser, wenn sich das wieder beruhigt.“

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Die Wogen glätten will auch die ATS. Und zwar mit Dialog und Aufklärung, sagt Gmeiner. Noch vor Beginn der Wandersaison werde man Landwirte, Förster und andere Grundeigentümer zu einem Kommunalforum zum Thema Wegerecht einladen. Ziel sei es, die Rechtslage für alle Beteiligten zu klären.

Mit der Modellregion Naturtourismus hat die ATS bereits die passende Plattform, Besucherlenkungsmaßnahmen in der Praxis zu erproben. Der Startschuss fällt heuer im Rotwandgebiet, teilt ATS-Geschäftsleiter Thorsten Schär mit. Mit Flyern in Hütten und Bergbahnstationen, Videos im Internet und Hinweistafeln an den Ausgangspunkten für Wanderungen wolle man die Regeln für den Umgang mit der Natur – und damit auch mit Kühen – kommunizieren. An besonders besucherstarken Tagen sei auch der Einsatz von so genannten Rangern denkbar.

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„Der Tourismus kann ohne Almwirtschaft nicht leben“, sagt Schär. Die Region aber auch nicht ohne den Tourismus, fügt Gmeiner hinzu. „Wenn wir Wege sperren, schneiden wir uns den Ast ab, auf dem wir sitzen.“

In Österreich ist es im August unterdessen zu einer weiteren Kuh-Attacke mit schlimmen Konsequenzen gekommen.

Der bei einer Kuhattacke ums Leben gekommenen deutschen Wanderin wurde von einem Gericht eine Mitschuld an dem Unglück gegeben. Das hat finanzielle Konsequenzen für die Hinterbliebenen.

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