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Miesbach: Behindertenbeauftragte Elisabeth Neuhäusler im Interview - „Gehe mit anderen Augen durch Miesbach“

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Von: Dieter Dorby

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Für das Thema sensibilisieren: Behindertenbeauftragte Elisabeth Neuhäusler sieht in Miesbach viele gute Ansätze.
Für das Thema sensibilisieren: Behindertenbeauftragte Elisabeth Neuhäusler sieht in Miesbach viele gute Ansätze. © Thomas Plettenberg

Miesbach – Elisabeth Neuhäusler kennt man in Miesbach vor allem von der Bühne des Freien Landestheaters Bayern und als Kulturpreisträgerin der Stadt. Seit acht Monaten fungiert die 56-Jährige auch als Behindertenbeauftragte der Kreisstadt und bringt dabei als Mutter eines erwachsenen behinderten Sohnes eigene Erfahrungen ein.

Im Interview mit unserer Zeitung erzählt sie, wie ihr der Einstieg in die neue Aufgabe gelungen ist, welche Ansprüche sie hat und wie sie Miesbach sieht.

Frau Neuhäusler, Sie sind seit acht Monaten im Amt. Wie sind Sie angekommen in Ihrer neuen Aufgabe?

Bis jetzt ganz gut, obwohl ich immer noch am Anfang bin.

Wie kamen Sie zu diesem Amt?

Durch Zufall. Ich war mit meinem Sohn unterwegs. Auf dem Parkplatz habe ich Stadträtin Inge Jooß getroffen und mich mit ihr unterhalten. Als ich dann zu Hause war, kam kurz darauf ihr Anruf, ob ich nicht interessiert wäre, die Aufgabe als Behindertenbeauftragte der Stadt zu übernehmen. Ich habe mir einen Tag Bedenkzeit erbeten, aber schon nach einer Stunde war klar, dass ich das gerne übernehmen würde.

Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Das Wissen, dass es behinderte Menschen in unserer Gesellschaft immer noch sehr schwer haben. Das liegt auch daran, wie Straßen und Häuser angelegt werden. Da würde ich gerne etwas bewegen.

Problembereich Parkplätze

Worüber ärgern Sie sich am meisten?

Über Parkplätze. Wenn ich von einem öffentlichen Parkplatz mit meinem Sohn zum Arzt muss, schwitze ich Blut und Wasser. Für Behinderte sind solche Wege – gerade im Winter mit Schnee und Eis – schnell eine Katastrophe. Sie sind meist weit, und zu oft ist alles zugeparkt. Dabei sind gerade bei zentralen Parkplätzen kurze Wege wichtig. Aber ich habe festgestellt, dass sich etwas verändert. Das Bewusstsein nimmt zu – und das finde ich sehr erfreulich.

Mussten Sie in Miesbach diesbezüglich auch schon vorstellig werden?

Nein, denn die Stadt bietet mit ihrem Parkausweis seit Langem eine gute Lösung an. Generell ist es so, dass man für bestimmte Behinderungen im Behindertenausweis den Vermerk bekommt, dass man Behindertenparkplätze nutzen darf. Die Hürde ist nur, die Erlaubnis zu kriegen. Die Stadt hat ein tolles System, bei dem man ab einem bestimmten Grad einen Parkausweis bekommt. Das ist eine wirklich wertvolle Hilfe.

Als Behindertenbeauftragte vermitteln Sie zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik. Mit wem arbeiten Sie zusammen?

Wir besprechen die Themen zu dritt. Dazu gehören Karin Priller vom städtischen Sozialamt als Seniorenbeauftragte und Hedwig Schmidt, die im Stadtrat Sozialreferentin ist. Wir erörtern Anfragen und suchen vor Ort nach Lösungen.

Problembereich Infrastruktur

Was hat Sie denn zuletzt beschäftigt?

Die abgebaute Brücke über die Schlierach am Eisstadion. Die war baufällig und nicht mehr sicher. Aber für die Bewohner des nahe gelegenen Betreuten Wohnens ist das ein großes Problem, weil sich nicht nur gewohnte Wege verändern, sondern weiter werden. Für einen gesunden Menschen sind zusätzliche 50 Meter kein Problem. Aber es ist eines, wenn man sich nur eingeschränkt fortbewegen kann.

Trotz Ihrer eigenen Erfahrungen werden Sie jetzt sicher auch mit für Sie neuen Aspekten konfrontiert?

Das stimmt. Es gibt ja nicht nur Gehbehinderungen. Gerade Einschränkungen beim Hören und Sehen darf man nicht vergessen. In diese Bereiche arbeite ich mich ein und entwickle den Blick für die verschiedenen Arten von Behinderung. Ich gehe mit anderen Augen durch Miesbach.

Problembereich Straßen

Wobei Miesbach mit seiner Lage sehr speziell ist.

Ja, die drei Ebenen sind auch der Grund, warum man so wenig Menschen mit Rollator oder Rollstuhl sieht. Auch gibt es viele Pflastersteine. Allein hat man mit dem Rollator kaum eine Chance. Aber die Stadt ist sehr offen. Natürlich gibt es Grenzen, aber wir arbeiten daran, auch mit wenig Geld Umgestaltungen zu ermöglichen. Wichtig ist, dass man bei Bauvorhaben auf Details wie Hörsignale bei Ampeln und Rillenmarkierungen an Querungen achtet. Oder dass Treppengeländer gut erreichbar sind.

Bei der neuen Riviera haben Sie den barrierefreien Zugang angeregt.

Ja. Ich bin erst spät zum Arbeitskreis gestoßen. Als ich mir die Anlage ansah, war meine erste Frage: Wie soll man da runterkommen? Allein, mit Rollstuhl oder Rollator? Jetzt haben wir einen neuen Weg geplant. Denn solche Erholungsinseln müssen für jeden zugänglich sein.

Herzensprojekt Abenteuer-Inklusionsspielplatz

Mit dem Abenteuerspielplatz am Nordgraben geht die Stadt auch neue Wege.

Eine tolle Idee – ein Herzensprojekt. Der Abenteuer-Inklusionsspielplatz soll behinderten wie nicht behinderten Menschen jeden Alters schöne, gemeinsame Momente schenken und so auch für Inklusion sensibilisieren.

Ihre Aufgabe ist es ja, auf Wünsche von außen einzugehen. Haben Sie denn selbst einen Wunsch?

Ich wünsche mir mehr Austausch mit Bürgern. Mehr Infos aus erster Hand. Wer mag, erreicht mich telefonisch unter 0160 / 8309981.

ddy

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