Die jungen Diebe und ihre Beute: Die Burschen und Mädl um Sebastian Wieland (2.v.l.) mit dem geklauten Miesbacher Maibaum.
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Die jungen Diebe und ihre Beute: Die Burschen und Mädl um Sebastian Wieland (2.v.l.) mit dem geklauten Miesbacher Maibaum.

So groß, dass er nicht mal ins Versteck passte

Bei der Premiere: Maibaum-Diebe landen in Miesbach Riesen-Coup

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Er war noch nicht mal richtig, da war er schon wieder weg. Kurz nach der Anlieferung haben junge Diebe den Miesbacher Maibaum geklaut. Und dann passte er nicht mal ins Versteck.

Miesbach – Auf dem Heimweg von der Arbeit entdeckte Sebastian Wieland (16) das Objekt der Begierde. Durch Zufall beobachtete er, wie die Bauhofmitarbeiter mit einem riesigen Baumstamm herumhantierten. Wieland wusste sofort, was es geschlagen hatte: Der Miesbacher Maibaum war gerade angeliefert worden. Der Pienzenauer zögerte nicht und verständigte einen Spezl. Zu zweit kundschafteten sie den Lagerplatz aus und entschieden, dass die Zeit für ihren ersten Maibaum-Klau gekommen war. „Weil wir so früh dran waren, gab es noch keine Bewachung“, erzählt Wieland mit diebischer Freude.

Verräterisches Bild: Der 33 Meter lange Stamm ragte aus dem Fenster seines Verstecks.

Rathausmitarbeiterin Sandra Bauer gibt unumwunden zu, dass die neun Burschen und Mädl aus Pienzenau und Warngau die Miesbacher eiskalt erwischt haben. „Damit hat keiner gerechnet“, sagt Bauer schmunzelnd. Auch deshalb nicht, weil der 33 Meter lange Stamm noch unbearbeitet und damit auch unhandlich war. Offenbar keine Hürde für die frisch gebackenen Maibaum-Diebe. „Die haben wirklich sehr sauber gearbeitet und nichts kaputtgemacht“, lobt Bauer.

Tatsächlich hatten sich Wieland und seine Freunde gut vorbereitet. Schon im Sommer tüftelten sie an einer Transportlösung und bauten schließlich zwei „Maibaumwagerl“ für ihren Traktor. Beide lassen sich separat lenken und bremsen, erklärt Wieland. Bei einem Baum in dieser Größenordnung sei dies auch unbedingt notwendig. Ruhig und unaufgeregt hievten die Diebe ihre Beute auf den Auflieger und transportierten ihn in Richtung Pienzenau.

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Dort fuhren sie den Maibaum in den Stadel eines Bauernhofs. Da folgte ein kurzer Schreck: Das Ungetüm passte wegen seiner riesigen Ausmaße nicht in die Scheune hinein. Doch auch diese Hürde umschifften die angehenden Profis elegant. „Wir haben einfach ein Stallfenster aufgemacht“, erzählt Wieland und lacht. So schaute die Spitze des Stamms ein paar Meter aus dem Haus heraus.

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Aber nicht lange. Zwei Tage später führten die Diebe bereits ihre Auslöseverhandlung mit Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Sie einigten sich auf 100 Liter Bier und eine üppige Brotzeit, so Wieland. Dann brachten sie den Maibaum wohlbehalten in sein Versteck zurück. Dort wird er nun gut bewacht, betont Bauer. „Wir brauchen ihn, weil wir sonst mit dem Herrichten nicht fertig werden.“ Wieland und seine Freunde bereiten sich hingegen schon auf ihren nächsten Coup vor. Nach ihrer geglückten Premiere wollen sie heuer  gleich ein zweites Mal zuschlagen, sagt der 16-Jährige. „Wir rücken noch mal aus.“

Ein anderer Maibaum-Diebstahl sorgt derzeit für Aufsehen: Die Burschen aus Prittlbach haben in Indersdorf im Landkreis Dachau einen Maibaum geklaut. Doch nicht irgendeinen, wie sie dann merkten.

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