Zwei Ehrenamtliche der BRK-Bereitschaft Holzkirchen stehen vor ihrem Rettungsfahrzeug. Das Foto ist in den späten 60er Jahren entstanden.
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Zwei Ehrenamtliche der BRK-Bereitschaft Holzkirchen stehen vor ihrem Rettungsfahrzeug. Das Foto ist in den späten 60er Jahren entstanden.

100 Jahre DRK

Die Pandemie fordert den Miesbacher Kreisverband besonders: „Wir haben alle Hände voll zu tun“

  • Luisa Billmayer
    vonLuisa Billmayer
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Am Samstag, 8. Mai feiert das Deutsche Rote Kreuz sein 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass stellen wir die fünf ehrenamtlichen Gemeinschaften des Miesbacher Kreisverbands in einer Serie vor. Durch die Corona-Krise mussten sich alle Helferinnen und Helfer umstellen und zum Teil neue Aufgaben meistern.

Landkreis – Schon um 1900 haben sich Ehrenamtliche im Landkreis Miesbach zusammen getan, um Kranken und Verletzten oder Bergsteigern zu helfen. Die ersten Initiativen gab es in Schliersee. „Bei der Bereitschaft und der Bergwacht ist es ein ständiges Hin und Her, wer wirklich der erste war“, erklärt stellvertretender Kreisgeschäftsführer Simon Horst.

Laut der Chronik der Schlierseer Bergwacht soll es erste Rettungsstellen ausgehend vom Alpenverein um 1900 gegeben haben. 1907 schlossen sich diese dem Deutschen Roten Kreuz an. Die sogenannte „Erste skifahrende Sanitätskolonne Schliersee“ entstand 1911. Damals waren Bergwacht und Sanitätsdienst noch eins. In die klare Verbandsstruktur des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und deren ehrenamtliche Gemeinschaften fügten sich die Gruppen erst später. Den bayerischen Verband gründeten die Besatzungsmächte 1945 nach dem zweiten Weltkrieg.

In der Krise gewinnt der Zusammenhalt: Kreisgeschäftsführer Robert Kießling (r.) und sein Stellvertreter Simon Horst ziehen auch Positives aus der Pandemie. foto: tp

Heute helfen die Miesbacher Haupt- und Ehrenamtliche bei den Bereitschaften, dem Jugendrotkreuz, in den Kleiderläden, der Tafel, der Wasserrettung oder wie schon um 1900 in der Bergwacht. So unterschiedlich die Tätigkeiten der Bereiche auch sein mögen, eint sie eines. „Wir leben gerade in einer Phase, in der wir alle Hände voll zu tun haben“, stellt Kreisgeschäftsführer Robert Kießling fest. Die Corona-Pandemie hat alle Aktiven besonders gefordert. Zum einen sind mit der Pandemie zahlreiche neue Aufgaben dazu gekommen. So unterstützt das BRK das Impfzentrum in Hausham und das Testzentrum in Miesbach mit Personal. Die drei Testzentren in Bad Wiessee, Holzkirchen und Schliersee betreibt der Kreisverband selbst.

Die Pandemie fordert den Miesbacher Kreisverband besonders: „Wir haben alle Hände voll zu tun“

Doch auch die sonstigen Arbeitsbereiche, die es schon vor der Pandemie gab, sind aktuell stark eingeschränkt: Die BRK-Kleiderläden haben je nach Sieben-Tages-Inzidenz geschlossen, bei Essen auf Rädern verhindern strenge Regeln Nähe, die Einsatzwagen müssen nach dem Transport von bestätigten oder Corona-Verdachtsfällen gründlich gereinigt werden. Durch die vielen Schutzmaßnahmen hat laut Horst vor allem das Zwischenmenschliche gelitten. „Die vielen Gespräche und der Austausch mit den Menschen konnten nicht wie gewohnt stattfinden“, stellt der 29-Jährige, der schon seit 1999 beim BRK aktiv ist, fest. „Unsere Dienste sind deutlich unpersönlicher, wenn Gesichter hinter Masken verborgen sind.“

Unter den Helfenden selbst hat sich glücklicherweise bisher niemand mit dem Virus infiziert. „Bei den vielen Kontakten, die die 200 Mitarbeiter und zahlreichen Ehrenamtlichen haben, hatte und habe ich permanent Angst, dass es uns erwischt“, sagt Kreisgeschäftsführer Kießling.

BRK Miesbach: „Zusammenhalt ist der Schlüssel für die Bekämpfung dieser Pandemie“

Der Kreisverband kann aber auch Positives aus der Corona-Pandemie ziehen. Die Aktiven haben laut Horst vor allem bei den Impfzentren gezeigt, was sie leisten können. „Wir haben innerhalb von Wochen im Prinzip ein mittelständisches Unternehmen aufgebaut.“ Bei den ehren- und hauptamtlichen Helfern sei die Motivation mit anzupacken und sich einzubringen enorm gewesen. „Wie hoch dabei die Dankbarkeit der Bevölkerung ist, ist kaum in Worte zu fassen“, stellt der 29-Jährige fest. „Ich denke, der Zusammenhalt ist der Schlüssel für die Bekämpfung dieser Pandemie.“

Das Deutsche Rote Kreuz veranstaltet am Samstag, dem Weltrotkreuztag, von 10.30 bis 12.00 Uhr einen digitalen Festakt in Bamberg. Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Ministerpräsident Markus Söder sprechen anlässlich des 100-jährigen Jubiläums. Das Event kann online auf drk.de verfolgt werden.

Der BRK-Kreisverband in Zahlen

Rund 200 Hauptamtliche arbeiten aktuell für das Miesbacher Rote Kreuz. Zudem sind um die 50 feste Mitarbeitende im Corona-Impfzentrum in Hausham aktiv. Über 3000 Menschen helfen im Ehrenamt, also neben ihrem Beruf, in den verschiedenen Bereichen. Die größte Gruppe ist der Rettungsdienst mit rund 65 festen und 50 ehrenamtlichen Mitgliedern. Dem Rettungsdienst stehen im Landkreis Miesbach 20 Fahrzeuge zur Verfügung. Die 50 Hauptamtlichen des Fahrdienstes bringen mit 30 Fahrzeugen beeinträchtigte Kinder in die Schule oder ältere Menschen zum Arzt. Die zehn Mitarbeitenden von Essen auf Rädern liefen mit drei Autos warme und kalte Speisen aus. 50 Pflegekräfte unterstützen mit 13 Fahrzeugen Bedürftige in ihrem Alltag. Zudem bildet der Kreisverband aktuell 15 Lehrlinge für den Rettungsdienst, die Pflege und die Verwaltung aus. Rund 10 000 Menschen unterstützen die Arbeit des Miesbacher Kreisverbands als Fördermitglieder.

Von Luisa Billmayer

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