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Miesbach: Corona-Strategie der Stadt in der Kritik

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Von: Dieter Dorby

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Erinnerung an unbeschwerte Zeiten: Der Bolzplatz Am Gschwendt ist derzeit coronabedingt gesperrt. Die Stadt sieht sich im Rahmen der Vorschriften dazu gezwungen und erntet dafür Unverständnis.
Erinnerung an unbeschwerte Zeiten: Der Bolzplatz Am Gschwendt ist derzeit coronabedingt gesperrt. Die Stadt sieht sich im Rahmen der Vorschriften dazu gezwungen und erntet dafür Unverständnis. © Thomas Plettenberg

In Miesbach macht sich im Zuge von Corona Unmut breit: Geschlossene Bolzplätze, und im Warmfreibad werden die Sitzbänke abgebaut. Im Stadtentwicklungsausschuss forderte Markus Seemüller nun ein Aufheben dieser Einschränkungen. Der Bürgermeister will das prüfen.

Die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie strapazieren die Gemüter – und in Miesbach offenbar mehr als notwendig. „Es brodelt in der Bevölkerung“, stellte Markus Seemüller am Donnerstagabend im Saal des Waitzinger Kellers fest, wo der Stadtentwicklungsausschuss nach dreijähriger Pause wieder zusammenkam. Das Stadtratsmitglied der Freien Wähler appellierte beim Tagesordnungspunkt „Anfragen“ eindringlich an die Verwaltung, mehr zuzulassen – so wie es andere Gemeinden bereits vormachen.

Sitzbänke im Freibad abmontiert

Konkret kritisierte Seemüller, dass im Warmfreibad sämtliche Sitzgelegenheiten abmontiert wurden, um Ansammlungen zu vermeiden (wir berichteten). Auch ist wegen Corona die Rutsche gesperrt. In anderen Freibädern wie in Fischbachau und Rottach-Egern sei das hingegen nicht der Fall.

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Zudem forderte Seemüller eine klare, einheitliche Linie bei den Spiel- und Bolzplätzen. Denn während Erstere mittlerweile wieder geöffnet sind, bleiben in Miesbach Letztere geschlossen. „Wir sollten da konsequent sein“, mahnte Seemüller. „Entweder machen wir beides auf oder beides zu. Wir brauchen eine Lösung, die die Menschen draußen verstehen.“

Bürgermeister beruft sich auf Vorschriften

Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) verwies darauf, dass es im Bad am Personal fehle, um ausreichend zu desinfizieren. Und beim Bolzplatz sei die Betreiberhaftung der Stadt das Problem. „Wir können das nicht kontrollieren“, erklärte der Rathauschef. Seemüllers Einwand, dass es „gesunden Menschenverstand“ brauche, denn anderswo gehe es ja auch, wies Braunmiller zurück: „Die Vorschriften sind so.“ Auch Seemüllers Hinweis, wonach laut Landratsamt die Kommunen entscheiden dürften, brachte keinen gemeinsamen Nenner. „Unsere Anfrage beim Landratsamt läuft“, sagte Braunmiller. Man warte auf die Antwort.

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Unterstützung bekam Braunmiller von Franz Mayer (CSU). Der Dritte Bürgermeister verwies auf die schwierige Personalsituation im Bad. Auch würde es „extrem Geld kosten“, Bolzplätze zu kontrollieren. „Man ist immer in der Haftung.“

Seit Wochen kein Hygienekonzept

Unverständnis äußerte dagegen Sportreferentin Aline Brunner (FWG). Sie habe bereits im Mai im Ordnungsamt nachgefragt, wie es mit einer Öffnung des Funcourts neben dem Bad aussehe; auch Familienreferentin Malin Friese (Grüne) habe diesbezüglich nachgehakt. „Was ist mit dem Hygienekonzept dazu?“, wollte Brunner wissen. Braunmiller will der Sache nachgehen: „Ich werde das prüfen.“

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Verena Assum (CSU) hielt eine Öffnung des Funcourts parallel zum Badbetrieb für machbar, denn die Bad-Security könne ein Auge darauf haben, dass sich dort keine Ansammlungen bilden. Zudem riet sie, die Stadt solle bei anderen Kommunen nachfragen, wie die das Thema handhaben.

In den Freibädern Rottach-Egern und Fischbachau, die als Gegenbeispiel dienen, werden ebenfalls alle Vorschriften konsequent umgesetzt, lediglich der Ermessensspielraum wird im Sinne der Bürger ausgeschöpft. „Das funktioniert sehr gut“, sagt Rottachs Geschäftsleiter Gerhard Hofmann. auf Nachfrage unserer Zeitung. Das Bad sei auf 475 Besucher, die Karte auf drei Stunden begrenzt, die Namen der Besucher werden notiert. In Fischbachau hat man freiwillig die Besucherzahl auf 300 begrenzt – die große Rutsche ist offen. „Es gibt bislang keine Probleme“, sagt Geschäftsleiter Johann Neundlinger. Ein Abbauen von Bänken war bei beiden kein Thema.

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