Hagebaumarkt, Miesbach
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Einkaufsvergnügen in Corona-Zeiten: Merkur-Redakteur Sebastian Grauvogl vor dem Hagebaumarkt Miesbach.
Hagebaumarkt, Miesbach
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Nicht zu übersehen: Abstandshinweise auf dem Boden.
Hagebaumarkt, Miesbach
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Alles sauber: Die Einkaufswagen werden desinfiziert.
Hagebaumarkt, Miesbach
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Ramona Fröber: Marktleiterin.

Wiedereröffnung nach einem Monat

Von wegen Schlange: Corona-Test-Einkauf im Baumarkt verläuft überraschend

  • Sebastian Grauvogl
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Seit gestern haben die Baumärkte nach ihrer Corona-Zwangspause wieder geöffnet. Merkur-Redakteur Sebastian Grauvogl hat den Selbstversuch gemacht – und wurde überrascht.

Miesbach – Tauschhandel am offenen Kofferraum. Schauplatz: Kundenparkplatz Hagebaumarkt Miesbach. Uhrzeit: Montag, 20. April, 12.05 Uhr. Ein bisschen komisch komme ich mir schon vor, als mich zwei nette Herren mittleren Alters ansprechen, ob ich ihren Einkaufswagen haben will. Doch die Ablösesumme überzeugt mich: ein Euro. Was ein Glück, dass ich Kleingeld dabei hab. Ein Plastikchip hätte bei diesem Deal nicht gezogen. Sauber und schnell – natürlich mit Sicherheitsabstand – wickeln wir unser Geschäft ab und ich marschiere Richtung Eingang. Meine Eintrittskarte zum Markt schiebe ich stolz vor mir her. Habe ich mir so vielleicht die befürchtete Warteschlange gespart? Hab ich nicht, denn: Es gibt gar keine.

Was habe ich mir in den vergangenen Wochen nicht alles ausgemalt, wenn zu Beginn der Freiluftsaison die Baumärkte nach ihrer einmonatigen Corona-Schließung wieder öffnen dürfen: endlose Einkaufswagen-Schlangen vor dem Eingang, nur, um drinnen vor leeren Regalen zu stehen. Wer weiß, vielleicht hamstern die Deutschen neuerdings Schrauben und Blumenerde? Was ich bei meinem Besuch im Hagebaumarkt Miesbach erlebe, ist das genaue Gegenteil: ein entspannter, weil gut organisierter Bummel.

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Bevor ich zum eigentlichen Eingang komme, muss ich mich durch einen Korridor aus prall gefüllten Blumenregalen schlängeln. Clever, das macht Lust auf Garteln. Zeit zum Schauen habe ich auch, weil sich hier tatsächlich ein kurzer Stau bildet. Eine Sicherheitsdienstmitarbeiterin sprüht jeden Einkaufswagengriff mit Desinfektionsmittel ein und wischt ihn ab. Ein bisschen spät, denke ich mir, weil ich ihn schon vorher angefasst habe. Marktleiterin Ramona Fröber beruhigt mich: „Wir reinigen alles regelmäßig.“

Durch ihre gepunktete Stoffmaske über Mund und Nase klingt Fröbers Stimme gedämpft. Alle Mitarbeiter seien verpflichtet, Mund-und-Nasen-Schutz zu tragen, erklärt Fröber. Entweder ein modisches Modell aus dem eigenen Fundus, oder eine FFP2-Maske aus dem Sortiment. Schwarze Einmal-Plastikhandschuhe und Desinfektionsmittel stehen an den Tresen bereit, nur jeder zweite Platz ist besetzt.

Auch ich habe mir eine OP-Maske übergezogen. Lag zu Hause in irgendeiner Schublade, vermutlich von einem Faschingskostüm. Egal. Wie sagt Herr Söder doch? Hauptsache Mund und Nase sind bedeckt. Als Brillenträger habe ich mit den Dingern aber meine liebe Not. Immer, wenn ich ausatme, beschlagen die Gläser vor meinen Augen. Eine Mitarbeiterin und Leidensgenossin an der Information gibt mir durch die Plexiglasscheibe über ihrer Theke den entscheidenden Tipp: „Sie müssen den Nasenclip fest zusammenzwicken und die Brille auf die Maske setzen.“ Funktioniert!

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Als ich durch die Regalreihen schlendere, stelle ich fest, dass es nicht alle Kunden so streng nehmen mit dem Maskengebot. Gefühlt ein Viertel von ihnen atmet lieber frei. Zumindest noch diese Woche. Dann wird der freundliche Hinweis in ganz Bayern zur Pflicht. Die Mitarbeiter im Hagebaumarkt haben sich bis dahin wohl schon daran gewöhnt. Wobei der Schutz auch mal hinderlich sein kann. „Im Kundengespräch stört es schon“, erzählt mir einer. Noch schwerer hätten es die Kollegen in der Logistik. „Man schwitzt da ganz schön drunter.“

Ins Schwitzen komme ich bei meiner Einkaufstour nicht. Irgendwie wirkt es so, als wären alle Kunden etwas umsichtiger, rücksichtsvoller. Die Bewegungen wirken gedämpft, langsamer weniger gestresst. Alle paar Meter erinnern Aufkleber am Boden an den Mindestabstand von zwei Metern. Freundliche Durchsagen auf Bairisch weisen ebenfalls auf die Hygieneregeln hin.

Maximal 100 Kunden dürfen sich gleichzeitig im Hagebaumarkt aufhalten, erklärt mir Fröber, als ich Richtung Kasse gehe. Weniger, als der Freistaat aufgrund der Verkaufsfläche von 6500 Quadratmeter eigentlich erlaubt. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Kunden steht für uns an erster Stelle“, sagt die Marktleiterin. Und fügt dann schmunzelnd hinzu: „Wir haben auch nur 100 Einkaufswagen.“ Wie gut, dass ich gleich auf dem Parkplatz einen ergattert habe.

So ist dieSituation in Holzkirchen und so im Tegernseer Tal.

sg

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