Verjüngter Kernvorstand: Die Führungsriege des CSU-Kreisverbands mit (v.l.) Konstantin Berghausen, Maria Dießl, Johannes Loth, Florian Zeindl, Alexander Radwan, Max Greinwald, Georg Kittenrainer, Martina Ettstaller und Verena Schlier.
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Verjüngter Kernvorstand: Die Führungsriege des CSU-Kreisverbands mit (v.l.) Konstantin Berghausen, Maria Dießl, Johannes Loth, Florian Zeindl, Alexander Radwan, Max Greinwald, Georg Kittenrainer, Martina Ettstaller und Verena Schlier.

Auch Umfragewerte Thema

Miesbach: CSU will Distanz auf den letzten Metern reduzieren - Neuwahlen im Kreisverband

  • VonDaniel Krehl
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CSU-Versammlungen sind dieser Tage keine rauschenden Feste. Nun traf sich der Miesbacher Kreisverband. Die Katerstimmung hielt sich in Grenzen, dafür gab’s interessante Neuwahlen.

Miesbach – Ein bisschen wirkt die CSU wie aus dem eigenen Habitat vertrieben. Vereinzelt und mit Corona-Abstand sitzen die 110 Delegierten der Ortsverbände in der weitläufigen Miesbacher Oberlandhalle. Kein Ambiente, in dem die Wucht der Masse, die die Volkspartei sonst trägt, zur Geltung kommt.

Bundestagswahl 2021 in Miesbach: CSU spricht über Umfrage-Tief - Neuwahlen im Kreisverband

Nun ist es kein Wahlkampftermin, sondern Hauptversammlung des Kreisverbands mit Neuwahl. Die Umfragewerte der Unions-Parteien können aber nicht außen vor bleiben. Und sowohl der wiedergewählte Kreisvorsitzende Alexander Radwan als auch Landtagspräsidentin und Wahlleiterin Ilse Aigner sowie Landrat Olaf von Löwis rufen die Parteimitglieder auf, in den letzten Wochen vor der Wahl noch einmal alles zu geben. „Bitte nicht den Kopf in den Sand stecken. Jetzt heißt es: rausgehen und mit den Leuten reden“, appelliert zum Beispiel Aigner.

Die Distanz zum Wähler reduzieren, das soll helfen, das Ruder für die CSU noch rumzureißen. Eine gewisse Distanz hat sich der Kreisverband im Wahlkampf gezwungenermaßen selbst auferlegt. Größere Veranstaltungen oder Diskussionen könne man nicht wie gewohnt durchziehen, sagt Radwan. Umso mehr gelte es, auf das seiner Ansicht nach erste Mittel der Wahl zurückzugreifen: das persönliche Gespräch. Das Ziel ist klar: „Gegen die CDU/CSU darf keine Regierung gebildet werden können.“

CSU Miesbach: Laschet ist nur ein Randthema vor der Bundestagswahl

Kanzlerkandidat Armin Laschet kommt an diesem Abend nur einmal vor. Aigner erinnert daran, dass er gezeigt habe, dass er mit knappest möglicher Mehrheit „ein Land wie NRW vier Jahre lang geräuschlos führen kann“. Wer dies schaffe, könne auch Kanzler. Spitzen gegen die SPD („die Sozis können nicht mit Geld umgehen“), die FDP („Großstadtpartei, kein Sensus für den ländlichen Raum“) und Freie Wähler („verlorene Stimme“) bleiben nicht aus.

Bundestags-Direktkandidat Radwan: „Umfragen sind ernst zu nehmen, aber sie sind noch nicht die Wahl“

Auch von Löwis mahnt die Rückbesinnung auf alte Partei-Tugenden an: „Es kann doch nicht sein, dass wir uns von Personaldiskussionen abbringen lassen von unserer Geschlossenheit.“ Radwan eröffnet dann den Wahlkampf-Endspurt: „Umfragen sind ernst zu nehmen, aber sie sind noch nicht die Wahl.“ Das nüchterne Umfeld – die Oberlandhalle blieb unbewirtet – verhindert, dass irgendeine Art Funken übersprang. Kein Wahlkampftermin eben, sondern eine Versammlung mit Regularien und Tagesordnung.

Neuwahlen im Kreisverband der CSU Miesbach: Kandidaten wohl auch für Kommunalwahlen wichtig

Und diese Tagesordnung sieht die Neuwahl des Vorstands vor. Rein von den Ergebnissen her sind die eine Formsache – alle Vorschläge des Vorstands gehen mit großer Mehrheit durch. Die Namen der Kandidaten selbst sind aber von einigem Interesse. Der Kreisvorstand habe eine weiblichere und jüngere Vorstandsriege haben wollen, sag Radwan. Dies explizit mit Blick auf die Kommunalwahl in viereinhalb Jahren. Der Vorsitzende nimmt auch das Wort „Bürgermeister-Kandidaten“ in den Mund. Insofern hat sich da eine interessante Riege an Stellvertretern zusammengefunden. Es sind dies Maria Dießl (60) aus Otterfing, Martina Ettstaller (52) aus Gmund, Max Greinwald (32) aus Hausham, Georg Kittenrainer (39) aus Bayrischzell und Florian Zeindl (39) aus Schliersee. Über kurz oder lang könnten einige dieser Namen – oder auch Leute aus dem Kreis der Beisitzer – Ambitionen auf Chefsessel in Rathäusern anmelden, vielleicht auch im Landratsamt.

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Letzteres hatte die CSU vergangenes Jahr ja in Person von Olaf von Löwis zurückerobert. „Ein großer Erfolg“, wie Radwan sagte. Ebenso das Plus von einem Kreistagsmandat und die Quote von immerhin einem Drittel Frauen in der Fraktion. Den Verlust zweier Rathäuser (Otterfing und Fischbachau) ließ er derweil unerwähnt, allerdings auch die Eroberung des Bürgermeisterpostens in Irschenberg ein paar Monate vor der Kommunalwahl.

Der Vorsitzende selbst, der den Führungsstab nach der Kreidl-Affäre übernahm und die Kreis-CSU mit ihren heute 1500 Mitgliedern in ruhigeres Fahrwasser schipperte, wurde nahezu einstimmig wiedergewählt. „Ein guter und notwendiger Rückenwind“, wie er nach der Wahl sagte. Und wohl auch ein Zeichen der Geschlossenheit, wie es die CSU in diesen Zeiten gut brauchen kann.

CSU-Kreisverband Miesbach: Weitere Vorstandsmitglieder gewählt

Kassier: Johannes Loth (Holzkirchen), Schriftführerin: Verena Schlier (Miesbach), Digitalbeauftragter: Konstantin Berghausen (Miesbach); Gewählte Beisitzer: Anian Bichlmaier (Warngau), Gabriele Dorby (Irschenberg), Jakob Eglseder (Otterfing), Christina Greinwald (Hausham), Sebastian Kölbl (Rottach-Egern), Josef Lechner (Fischbachau), Klaus Meixner (Irschenberg), Alfred Mittermaier (Miesbach), Leonhard Obermüller (Warngau), Regina Resch (Gmund), Sibylle von Löwis (Holzkirchen), Michael Wohlschläger (Holzkirchen), Georg von Preysing (Gmund) und Johanna Wunderle (Schliersee).

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