Dekan Michael Mannhardt
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Feiert in diesen Tagen alleine Gottesdienst: Dekan Michael Mannhardt zündet die Kerzen in der Miesbacher Stadtpfarrkirche an. Wegen des Coronavirus fallen derzeit alle öffentlichen Messen aus.

„Jeder Dunkelheit folgt neues Licht“

„Wir fühlen uns hilflos“: Dekan erklärt, wie auch Seelsorger unter dem Coronavirus leiden

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Sie wollen Trost spenden und Mut machen: Doch genau das können die Seelsorger im Landkreis wegen des Coronavirus nicht tun. Wie sie damit umgehen, erzählt der Dekan im Interview.

Landkreis – Das Coronavirus hat viele Menschen im Landkreis in eine Art Schockstarre versetzt. Gerade die besonders gefährdeten älteren Bürger sollen nicht mehr das Haus verlassen. Selbst die Gottesdienste in den Kirchen, die ihnen in anderen schwierigen Lebenslagen Trost spenden konnten, finden nicht mehr statt. Ein Ausnahmezustand, der auch den Seelsorgern selbst viel Kraft und Gottvertrauen abverlangt, wie Dekan Michael Mannhardt im Interview mit unserer Zeitung erklärt.

Herr Mannhardt, wie haben Sie den ersten Sonntag ohne Gottesdienst erlebt?

Michael Mannhardt: Ich habe trotzdem die heilige Messe für die Gemeinde gefeiert. Allerdings nur im ganz kleinen Kreis mit drei Personen. Ohne Orgelmusik und vor leeren Kirchenbänken. Die Türen müssen wir ja leider zusperren. Das tut schon alles narrisch weh.

Auch für erfahrene Seelsorger eine absolute Ausnahmesituation, oder?

Michael Mannhardt: Absolut. Gerade in Krisenzeiten dürsten die Menschen nach Gemeinschaft und Nähe, um sich Kraft zu geben und Mut zu machen. Selbst im Krieg konnten die Leute noch in die Kirche gehen. Durch das Coronavirus wird ihnen das nun verwehrt. Da fühlen uns auch wir Pfarrer hilflos. Wir würden gern so viel tun, können aber nur ganz wenig machen. Es fällt ja so gut wie alles aus. Nicht nur die normalen Gottesdienste, sondern auch die Sakramentspendungen wie Eheschließungen und Trauerfeiern.

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Hochzeiten lassen sich ja noch aufschieben. Aber Beerdigungen?

Michael Mannhardt: Beisetzungen finden natürlich statt. Aber ausschließlich im Freien und im ganz kleinen Personenkreis. Taufen werden nur bei lebensbedrohlichen Situationen gespendet. Das ist schon alles sehr dramatisch.

Was können Sie als Pfarrer denn überhaupt noch tun?

Michael Mannhardt: Wir versuchen, so viel wie möglich telefonisch oder schriftlich zu erledigen. Darüber hinaus arbeiten die einzelnen Pfarreien an weiteren Angeboten. Sie stellen spirituelle Texte ins Internet oder versuchen, Messen als Livestream zur Verfügung zu stellen. Dass das alles aber nicht den persönlichen Kontakt ersetzt, versteht sich von selbst.

Mit Ostern steht ja ein Fest bevor, das sich die meisten Menschen nicht ohne einen Gottesdienstbesuch vorstellen können. Meinen Sie, dass das bis dahin wieder möglich ist?

Michael Mannhardt: Stand jetzt kann ich es mir kaum vorstellen. Und noch weniger möchte ich mir ausmalen, wie dieses Osterfest dann aussehen würde. Es geht ja schon am Palmsonntag los. Viele Leute fragen mich, wie sie denn dann ihre Palmbuschen weihen lassen können. Ich kann ihnen im Moment noch keine Antwort geben. Vielleicht steige ich am Palmsonntag auf den Kirchturm und sprenge von oben das Weihwasser auf alle Häuser im Ort. Fest steht aber, dass es auf jeden Fall eine Weihe geben wird. Trotzdem ist das alles sehr surreal zur Zeit.

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Die Maßnahmen des Erzbischöflichen Ordinariats sind Ihnen also zu streng?

Michael Mannhardt: Keineswegs. Ich habe sie sogar mitforciert. Es war sehr wichtig, dass wir hier eine einheitliche und klare Entscheidung getroffen haben. Nur so besteht die Chance, dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können. Auch wenn das derzeit noch nicht absehbar ist.

Was hilft Ihnen ganz persönlich durch diese schwere Zeit?

Michael Mannhardt: Zum einen ein starkes Gottvertrauen. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass einen irgendwann eine Hand auffängt. Kraft geben mir auch die Bibeltexte zur Fastenzeit. Sie passen sehr gut zu den Entbehrungen, die wir nun zu ertragen haben. Auch wenn unsere Fastenzeit heuer wohl über Ostern hinausreichen wird: Die Botschaft ist die Gleiche. Nach der Dunkelheit kommt das neue Licht. Um die Menschen daran zu erinnern, brennen in unseren Kirchen auch weiterhin die Kerzen und jeder kann für sich zum stillen Gebet kommen.

Was raten Sie Menschen, die nicht ganz so tief im Glauben verwurzelt sind?

Michael Mannhardt: So viel wie möglich raus in die Natur! Wenn man im Wald spazieren geht und das Zwitschern der Vögel hört, ist man ganz nah dran an der Schöpfung und spürt, dass das Leben weitergeht. Das macht Mut und man hält das Alleinsein viel leichter aus.

sg

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