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Mut machen: Allen Unwägbarkeiten zum Trotz, lud der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch zuletzt zu einem Treffen, bei dem er gelungene Integrationsarbeit darstellte. 80 Gäste waren ins Miesbacher Pfarrheim gekommen und lauschten den Worten des Miesbacher Flüchtlings- und Integrationsberaters Eddy Biyogho (r.) und weiterer in der Flüchtlingshilfe engagierter Personen.

Existenzängste bei Migrationshelfern

Deshalb machen sich Migrationshelfer Sorgen um die Zukunft

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Bei den Migrationshelfern im Landkreis sind Personal und Geld knapp. „Wenn es so weiter geht, müssen wir Projekte einstellen“, sagt die AWO.

Miesbach – Migranten wird in Zukunft bei der Integration weniger geholfen. Zu wenig, finden Vertreter der drei mit Integration beauftragten Organisationen AWO, Caritas und der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch. Aktueller Anlass für die Klagen der Hilfsorganisationen sind die Änderungen bei der Vergabe der Fördermittel für Migrationsprojekte. Bisher war die AWO vom Bund gefördert worden, Caritas und Hilfe von Mensch zu Mensch auf zwei Kanälen durch den Freistaat. Der Kreis stockte die Mittel auf. Nun werden die Asyl- und Migrationsberatung des Landes zur Flüchtlings- und Integrationsberatung zusammengelegt – und dabei auch die Mittel für die Organisationen im Landkreis gekürzt.

Birgit Landthaler von der Caritas erklärt: „Früher wurde eine Sozialarbeiterstelle pro 150 Migranten gefördert. Jetzt gibt es einen Schlüssel, der Städte bevorzugt und Flächenlandkreise benachteiligt. In München kommt eine Stelle auf grob 100 Migranten, im Landkreis sind es eher 200.“ Der neue Schlüssel berechnet sich nach dem Anteil von Migranten an der Gesamtbevölkerung – und der ist in Städten höher.

„Dabei ist die Integration auf dem Land viel schwieriger, weil hier die Infrastruktur fehlt“, gibt AWO-Kreisvorsitzender Walter Sedlmayer zu bedenken. Landthaler ergänzt: „Nur weil man uns die Stellen kürzt, haben wir hier ja nicht weniger Migranten.“ Sadija Klepo, Gründerin und Geschäftsführerin von Hilfe von Mensch zu Mensch, fügt an: „Jetzt, wo Geflüchtete in ihre Heimat zurückgeschickt werden, wird alles viel schwieriger.“ Viele Betroffene hätten Angst und wüssten nicht, was auf sie zukommt. „Damit umzugehen erfordert mehr Einsatz, nicht weniger“, bekräftigt Klepo.

Die Caritas und der Verein Hilfe von Mensch zu Mensch müssen dennoch Stellen kürzen. Verzeichneten beide Organisationen Anfang 2018 noch 5,33 Vollzeitstellen, dürfen es 2019 nur noch 3,94 sein – grob ein Viertel weniger. Hilfe von Mensch zu Mensch hat seine Wochenarbeitsstunden schon um fast ein Drittel reduziert, die Caritas eine bereits bewilligte Stelle nicht umgesetzt. Aber das reicht noch nicht. Hinzu kommt, dass der Landkreis nur Stellen fördert, die auch vom Bund oder Land gefördert werden. Die sinkenden Fördermittel ziehen also weitere Kürzungen nach sich.

Durch freiwillige Unterstützer können die Hilfsorganisationen den Personalschwund nicht auffangen. Landthaler: „Die meisten ehrenamtlichen Helfer engagieren sich seit 2015 oder 2016. Nach jahrelangem Einsatz sind viele von ihnen ausgebrannt. Weil weniger neue nachkommen, wird auch hier die Personaldecke dünn.“ Die Kürzungen würden diesen Effekt noch verstärken, befürchtet Klepo: „Die Integration wird schwieriger.“

Als weiteres Problem nennt Sedlmayer die Finanzierung der Einzelprojekte. „Der Landkreis fördert einzelne Projekte effektiv nur zu etwa 65 Prozent. Dadurch machen wir ständig 35 Prozent Verluste. Inzwischen beträgt unsere Lücke 40 000 Euro.“ Landthaler stimmt zu: „Es bleibt immer ein erheblicher Eigenanteil. So viele Spenden kann man gar nicht akquirieren. Das bringt uns in große Schwierigkeiten.“ „Bei uns geht es um die Existenz“, sagt auch Klepo.

Damit die Migrationshilfe trotz der Mittelkürzungen nicht zum Erliegen kommt, planen die drei Träger eine Zuständigkeits- und Kooperationsvereinbarung. Darin sollen Aufgaben zugewiesen, die Zusammenarbeit bestimmt und die geförderten Stellen aufgeteilt werden. „Das könnte heißen:Einer macht Schulen, einer macht Rückführungen“, erklärt Klepo. „Wir stehen alle voll hinter der Zusammenarbeit. Ich bin mir sicher, dass wir eine gute Lösung finden“, sagt Landthaler. „Wir können es nur gemeinsam schaffen.“ Details dazu gibt es aber noch nicht.

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