Für den Ernstfall gerüstet: Bei Übungen wie diesen trainieren die Mitarbeiter im Rettungsdienst die Abläufe. Im Ernstfall zählt jede Minute.
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Für den Ernstfall gerüstet: Bei Übungen wie diesen trainieren die Mitarbeiter im Rettungsdienst die Abläufe. Im Ernstfall zählt jede Minute.

Interview-Serie zum Jubiläum

100 Jahre DRK: Bereitschaftsleiter über „verrückte Dinge“ in der Corona-Pandemie

  • Luisa Billmayer
    VonLuisa Billmayer
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Landkreis – Um die 700 Ehrenamtliche engagieren sich im Kreisverband Miesbach in den Bereitschaften des Bayerischen Roten Kreuzes. Kreisbereitschaftsleiter Benedikt Dörder (35) gibt einen Überblick über die zahlreichen Aufgaben der Gemeinschaft und die besonderen Herausforderungen in der Corona-Pandemie.

Herr Dörder, wie sind Sie zum Roten Kreuz gekommen?

Schon mein Vater war ehrenamtlich aktiv. Weil ich als Zeitsoldat im Sanitätsdienst der Bundeswehr gearbeitet habe, war es naheliegend, nebenbei beim Rettungsdienst vom Roten Kreuz zu helfen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich die Ausbildung zum Rettungsassistenten gemacht habe. Seit 2010 bin ich hauptberuflich im Rettungsdienst, seit vier Jahren bin ich ehrenamtlicher Kreisbereitschaftsleiter.

Welche Aufgaben haben die Bereitschaften?

Wir unterstützen den Rettungsdienst, geben Erste-Hilfe-Kurse, machen Sanitätsdienste auf Veranstaltungen. Bei größeren Katastrophen kümmern wir uns auch um die Unterbringung und Verpflegung von anderen Hilfskräften. Die Fachdienste sind auf viele Einsätze vorbereitet. Weil der Aufgabenbereich so breit gefächert ist, sind wir eine tragende Säule im BRK.

Welche Herausforderungen kamen durch die Corona-Krise dazu?

Wir waren mit vielen Situationen konfrontiert, die wir so noch nie hatten. Wir haben bei Ausbrüchen in Senioren- oder Flüchtlingseinrichtungen mobile Teststationen betrieben. Bei einem großen Ausbruch in einer Einrichtung ist das Küchenpersonal ausgefallen. Da ist unser Verpflegungsdienst zusammen mit der Bundeswehr eingesprungen. Neben den neuen vielen Aufgaben, war für uns besonders schwer, dass Aus- und Fortbildungen nicht stattfinden konnten.

Können Sie auch etwas Positives aus der Pandemie ziehen?

Die Motivation und Hilfsbereitschaft der Ehrenamtlichen waren enorm hoch. Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit ich jemanden angerufen habe, haben meine Leute gesagt: „Jawohl, da helfen wir.“ Im Rückblick haben wir wirklich verrückte Dinge gemacht.

Benedikt Dörder (35) leitet die Miesbacher Kreisbereitschaft.

Was für verrückte Dinge?

Ganz am Anfang der Pandemie hatten wir einen Reisebus, der aus dem Hotspot Südtirol zurückkam. Weil einige der Reisenden positiv getestet wurden, konnte der Bus nicht an einer Raststätte halten. Aber diese Menschen mussten ja auf die Toilette und auch etwas essen. Der Bus war auf dem Weg nach Mitteldeutschland und hatte noch einiges an Strecke vor sich. An diesem Tag kam das Gesundheitsamt auf uns zu und hat gesagt: „Die müssen versorgt werden. Ihr habt zwei Stunden Zeit.“

Was haben Sie dann gemacht?

Wir haben ihnen Lunch-Pakete gepackt und organisiert, dass die Reisenden die Toiletten im Trachtenheim in Irschenberg nutzen können. Die Aufenthaltsräume sowie die Sanitäranlagen haben wir danach gereinigt und desinfiziert.

Haben die Leute durch die Pandemie mehr Lust zu helfen?

Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Menschen wieder mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Vielleicht wurde einigen bewusst, dass Gesundheit zentral ist und das Miteinander wichtiger als Selbstverwirklichung. Auch viele junge Menschen engagieren sich bei uns im Jugendrotkreuz oder in den Bereitschaftsjugenden. Das freut mich wirklich sehr.

Haben Sie schon vergleichbare Krisen wie die Corona-Pandemie erlebt?

Vergleichbar nicht. Klar, es gab Unglücke, Unwetter wie Hochwasser und die Schneekatastrophe. Aber der Schnee ist irgendwann mal weg, der Brand gelöscht, die Verletzten abtransportiert. Aber diese lange Dauer der Pandemie ist schon etwas anderes. Hinzu kommt noch, dass die Helfenden auch selbst von der Krise betroffen sind. Sie müssen ihre sozialen Kontakte reduzieren und haben teilweise wirtschaftliche Einbußen. Dabei sind die Ehrenamtlichen auch noch einem Risiko ausgesetzt, sich bei Patienten anzustecken.

Das Gespräch führte Luisa Billmayer.

Zu dieser Serie

Das Deutsche Rote Kreuz feiert sein 100-jähriges Bestehen. Daher stellen wir die fünf ehrenamtlichen Gemeinschaften im BRK-Kreisverband vor: die Bereitschaften, die Wasserwacht, die Bergwacht, das Jugendrotkreuz und die Wohlfahrt- und Sozialarbeit.

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