Verheerende Trockenheit: Immer wieder hat ein Kraftwerksbetreiber in den vergangenen Jahren den Fischen in der Alten Mangfall das Wasser abgegraben.

Der Zeuge widerspricht ihm

Er löste ein Fischsterben in der Mangfall aus - Jetzt fiel das Urteil

Das Wasserkraftwerk in Müller am Baum machte immer wieder Probleme. Zeitweise lag die Mangfall trocken, dutzende Fische starben. Nun wurde der ehemalige Geschäftsführer verurteilt.

Miesbach –Fast sieben Stunden hat die Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Emmer GbR, die ein Wasserkraftwerk in Müller am Baum betreibt, gedauert. 14 Zeugenaussagen wurden aufgenommen, um einen Vorfall aus dem Sommer 2018 aufzuarbeiten. Der 84-jährige Garmischer soll bei Reparaturarbeiten am Werk für eine zeitweise Trockenlegung des Schutzgebiets Alte Mangfall und dem damit verbundenen Fischsterben verantwortlich sein. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe.

Im August 2018 war in den Keller neben dem Kraftwerk durch ein Leck in der Kanalmauer Wasser eingedrungen. Da dort Papier im Millionen-Wert lagerte, galt es, den Schaden schnellstens zu beheben. Der Kellerbesitzer beauftragte eine Bruckmühler Firma mit den Arbeiten. Deren Inhaber informierte den Geschäftsführer des Werks, der sich aber im Urlaub befand und deshalb seinen Vater als „Autoritätsperson“ und einen Mitarbeiter auf die Baustelle schickte.

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Miesbach: Er löste ein Fischsterben in der Mangfall aus - Jetzt fiel das Urteil

Weil sich die Schadstelle am unteren Mauerrand befand und der Beton, mit dem gearbeitet wurde, Zeit zum Trocknen benötigte, genügte es laut Aussagen des Bauleiters nicht, das Wasser im Kanal nur abzusenken. Also schloss der Mitarbeiter auf Weisung des ehemaligen Geschäftsführers die Schleuse – was mehrere Zeugen aussagten, der Garmischer aber bestritt. Er habe von der Trockenlegung nichts gewusst, sei auf der Baustelle „vor vollendete Tatsachen“ gestellt worden. Eine Flutung und damit die Gefahr, dass Beton in die Mangfall gespült werden könnte, habe er nicht verantworten können.

Um 15.30 Uhr sei die Alte Mangfall komplett trocken gelegen, sagte ein Anwohner aus. Er und ein paar andere hätten versucht, die Fische in Tümpel umzusetzen, sogar in den Pool eines Nachbarn hätte man sie transportiert. Trotzdem: Etliche verendeten qualvoll. Die alarmierte Polizei habe dann das Landratsamt verständigt, das über die Maßnahme nicht in Kenntnis gesetzt worden war – obwohl das gemäß eines nur kurz vorher verschickten Bescheids notwendig gewesen wäre.

„Es gab in der Vergangenheit immer wieder Probleme“, erklärte Thomas Eichacker, Abteilungsleiter Umwelt am Landratsamt, im Zeugenstand. Deshalb habe die Behörde in dem Bescheid auch darauf hingewiesen, dass eine Trockenlegung im Falle von Revisionsmaßnahmen verhindert werden müsse. Davon habe der frühere Geschäftsführer gewusst, bestätigte neben Eichacker auch Frank Skodczinski, Fachbereichsleiter Wasser, Abfall und Bodenschutz. „Wären wir informiert gewesen, hätte man so eine Tragödie verhindern können“, versicherte Eichacker.

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Urteil wegen Fischsterben in der Mangfall: Deshalb weigerte er sich, das Wehr zu öffnen

Skodczinski hatte an besagtem Abend mit dem Garmischer telefoniert und ihn aufgefordert, das Wehr zu öffnen – doch der weigerte sich. „Aus gesundheitlichen Gründen“, beteuerte der ehemaligen Geschäftsführer. Skodczinski konnte sich daran nicht erinnern: „Er hat gemeint, er hätte so handeln müssen und könne wegen des Betons nicht fluten.“ Als letzte Option habe man die Feuerwehr hinzugezogen, doch die konnte kein Wasser abpumpen. „Um elf haben wir aufgegeben“, berichtete Eichacker.

Der jetzige Geschäftsführer der Emmer GbR will von der Dimension des Vorfalls nichts gewusst haben. Er habe „nicht genau nachgefragt“, als er aus dem Urlaub zurückgekommen war. „Soll ich Ihnen das glauben?“, fragte Richter Walter Leitner skeptisch. „Eine Kleinigkeit ist das nicht gewesen.“ Sein Vater habe ihm erzählt, die Fische hätten sich in Tümpel gerettet, rechtfertigte sich der Sohn. „Für mich war die Sache damit abgeschlossen.“

Die Schäden bewertete das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim als erheblich – aber immerhin als reversibel. Die Regeneration werde allerdings mehrere Jahre dauern. Wie viele Fische genau gestorben sind, konnte auch der Richter am Ende nicht mit Sicherheit sagen. Die Zeugenaussagen variierten zwischen 50 und 10 000 Tieren.

Staatsanwältin Gabriele Linder war überzeugt, dass der Garmischer vorsätzlich gehandelt hatte. „Jedes Kind weiß, wenn ich den Fischen Wasser nehme, sterben sie.“ Sie forderte deshalb eine Geldstrafe von 12 600 Euro. Leitner beließ es hingegen bei 4000 Euro wegen Fahrlässigkeit. Als „graue Eminenz“ der Firma sei der Rentner zwar mit den Vorschriften vertraut gewesen, das gewaltige Ausmaß sei aber nicht vorhersehbar gewesen: „Ich glaube, Sie haben gar nicht so weit gedacht.“

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