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Freudiger Moment: (Foto oben v.l.) Michael Pelzer, Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) von Leader, Leader-Manager Simon Kortus, Pfarrer Erwin Sergel, Tanja Brügmann (Mitglied des Bauausschusses der Kirchengemeinde), Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser, Architekt Johannes Wegmann und Vertrauensfrau Betty Mehrer mit dem Förderbescheid.

Erweiterung des Gemeindehauses

Geldsegen für evangelische Kirchengemeinde: 258.500 Euro für Bauvorhaben

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Große Freude bei der evangelischen Kirchengemeinde Miesbach. Die Leader-Förderstelle hat einen Zuschuss in Höhe von 258 500 Euro für die Erweiterung des Gemeindehauses zugesagt.

Miesbach – Göttliche Fügung wirkt konfessionsübergreifend. So kam es, dass der Miesbacher Pfarrer Erwin Sergel ausgerechnet in einer Moschee eine folgenreiche Begegnung haben sollte – und die evangelische Kirchengemeinde der Modernisierung und Erweiterung ihres Gemeindezentrums dadurch einen großen Schritt näherbringen sollte. Bei einer Veranstaltung im muslimischen Gotteshaus in der Kreisstadt kam Sergel mit Michael Pelzer ins Gespräch. Da der Weyarner Altbürgermeister bekanntlich Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe des EU-Förderprogramms Leader ist, fragte der evangelische Priester nach, ob sich denn nicht auch das Projekt der örtlichen Kirchengemeinde für einen Zuschuss eignen würde. „Da haben wir gemerkt“, erzählt Sergel, „dass wir gut zusammenpassen.“

Mittlerweile hat sich diese Begegnung in Zahlen niedergeschlagen. Gut 258 500 Euro hat die Leader-Förderstelle der evangelischen Gemeinde zugesichert. Es ist das bislang höchstdotierte Leader-Projekt im Landkreis, betont Pelzer. Und noch mehr: „Das ist ein herausragendes, sinnstiftendes Vorhaben mitten im Schnittpunkt Miesbachs“, schwärmt der LAG-Kreisvorsitzende. „Ihr habt Zäune eingerissen und seid zu einem Aushängeschild geworden.“

Die Begeisterung der Leader-Experten speist sich vor allem aus dem Weg, den die evangelische Gemeinde in der Planungsphase ihres Bauprojekts beschritten hat. Nicht umsonst wird das Gemeindehaus auf dem Förderbescheid als „Offenes Begegnungs- und Bildungszentrum“ bezeichnet. Wie berichtet, arbeiten nicht nur Pfarrer und Kirchenvorstand, sondern die gesamte Gemeinde an der Neugestaltung des evangelischen Lebens in Miesbach. Sogar ein eigener Bauausschuss wurde gegründet. In Umfragen und vielen Gesprächen hätten sich zwei Nutzungsschwerpunkte für das neue Gemeindezentrum herausgebildet, berichtet Sergel: die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Musik.

Der Entwurf von Architekt Johannes Wegmann.

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Wie sich diese Bedürfnisse baulich umsetzen lassen, damit beschäftigte sich der Schlierseer Architekt Johannes Wegmann. Sein Entwurf greift das Ensemble zwischen Innenstadt und Schlierach auf und erweitert es um zwei integrierende Baukörper: ein multifunktionales Atrium zwischen Kirche und Gemeindesaal und ein eingeschossiger Holzbau am Wohnhaus des Pfarrers. Kirchlichen Gebäuden käme im Ortsbild eine besondere Bedeutung zu, erklärt Wegmann seine Vision. „Sie dürfen deshalb auch anders aussehen als Wohnhäuser.“

Atrium als zentrales Element

Ins Schwärmen gerät der Architekt, wenn er über das Atrium spricht. Ein offener Bau mit Glaswänden, die eine Durchsicht Richtung Stadt eröffnen und auch die Kirchenfenster integrieren. Die Holzbänke im Inneren erhöhen die Aufenthaltsqualität. „Sie erinnern fast an ein Chorgestühl“, meint Wegmann. Sogar eine kleine Bühne für Konzerte oder Lesungen hat er eingeplant. Auch für Live-Übertragungen aus dem Kirchenraum soll sich das Atrium eignen. „Damit können auch Familien mit kleinen Kindern, die nicht die ganze Zeit still sitzen können, den Gottesdienst mitfeiern“, schwärmt Vertrauensfrau Betty Mehrer. Eine direkte Anbindung von Küche und Sakristei unterstreicht die Bedeutung des Raumes noch weiter. „Ein echter Alleskönner“, findet Sergel.

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Schlichter fällt laut Wegmann hingegen der eingeschossige Anbau ans Pfarrhaus aus. Er füge sich in die Parklandschaft an der Schlierach ein und soll unter anderem Büro und Besprechungsraum beherbergen. Maßnahmen für Barrierefreiheit sowie – auf Initiative der Jugend – eine klimafreundliche Pelletsheizung sollen den Bestand aufwerten.

Mit dem Leader-Zuschuss ist die Kirchengemeinde der Finanzierung der Gesamtkosten von rund 2,1 Millionen Euro ein gutes Stück näher gerückt. Einen großzügigen Betrag von 750 000 Euro habe die Landeskirche zugesagt, 450 000 Euro bringe die Miesbacher Kirche an Eigenmitteln ein. Zusammen mit Leader sind die geplanten Zuschüsse zu 52 Prozent erreicht, das Fundraising hat bislang 253 000 Euro (63 Prozent) eingespielt. Der Baubeginn ist für den Frühsommer avisiert, die Fertigstellung noch vor Weihnachten.

Offen sein soll das neue Gemeindezentrum übrigens für sämtliche Konfessionen. Welch gute Ideen daraus entstehen können, hat sich kürzlich in der Moschee gezeigt.

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