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Gefährlich: Die vielen Bohrlöcher der Larven, hier am Miesbacher Ahorn, töten selbst gesunde Bäume

Es drohen vier Jahre Quarantäne

Miesbach: Gefährlicher Schädling bedroht Bäume - Das passiert jetzt

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Der Asiatische Laubholzbockkäfer, einer der gefährlichsten Laubbaumschädlinge der Welt, ist in Miesbach nachgewiesen worden. Klar ist: Es müssen Bäume gefällt werden.

Miesbach – Es war ein einziger Baum, an dem in Miesbach der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) entdeckt wurde. Doch nicht nur Paul Fertl (SPD) sieht darin „eine ernsthafte Bedrohung der Baumlandschaft der Stadt“. Miesbachs Zweiter Bürgermeister, der derzeit Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) vertritt, hat einen Sonderstab eingerichtet. Auch bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen (AELF), ist der Käfer Thema. Wir haben mit den Beteiligten gesprochen und beantworten die wichtigsten Fragen.

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Erkennungsmerkmale: Wer den Käfer oder seine Löcher sieht, soll die Behörden benachrichtigen.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer: Einer der gefährlichsten Schädlinge der Welt bedroht Miesbacher Bäume

Warum ist der ALB so gefährlich?

Weil seine Larven groß sind und sich durch gesunde Bäume fressen, sagt Elke Zahner-Meike, Pressesprecherin der LfL. Die Kombination sei tödlich: Weil meist mehrere Larven einen Baum befallen, schaffen sie viele breite Gänge, in denen Pilze wachsen und in die Wasser eindringt. Das könne selbst für Bäume, denen sonst nichts fehle, zu viel werden. Sie sterben ab.

Wo wurde der ALB gefunden – und wo nicht?

Die Käfer seien an einem Ahorn am Miesbacher Finanzamt an der Carl-Fohr-Straße sicher nachgewiesen worden, sagt Fertl. Er ergänzt: „Der betroffene Baum wird nicht der einzige bleiben.“ Für Waldbauern gibt es dennoch eine gute Nachricht: In den Wäldern sind laut Christian Webert, Stellvertreter und Bereichsleiter Forsten am AELF, noch keine Funde bekannt. Entwarnung will er aber nicht geben: „Wie die Betroffenheiten ausschauen und wie intensiv sie sind, ist derzeit nicht sagbar.“ Weil die Käfer groß und deswegen träge seien, gebe es aber meist ein konzentriertes Zentrum des Befalls, erklärt Fertl. Es bestehe also Hoffnung, dass sie noch nicht in die Wälder vorgedrungen sind.

Wie geht es jetzt weiter?

Noch prüfen LfL und AELF die Lage. Ein Team der LfL untersucht Bäume im Raum Miesbach. Ausgehend davon wolle die Landesanstalt Maßnahmen planen, sagt Zahner-Meike. Auch Webert will sich zunächst einen Überblick verschaffen. Dann will er schnellstmöglich eventuell geschädigte Waldbesitzer benachrichtigen. Ergebnisse gibt es wohl frühestens Anfang kommender Woche.

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Miesbach: Wie kann sich die Stadt vor dem Asiatischen Laubholzbockkäfer schützen?

Welche Bäume befällt der ALB?

Der ALB bevorzuge Ahornbäume, sagt Zahner-Meike. Deren Lage spiele keine Rolle. Auf ihrer Internetseite führt die LfL außerdem eine Liste mit insgesamt 16 Bäume, die der Käfer in Europa bereits befallen hat. Darauf stehen auch Rosskastanie, Birke und Hasel sowie Buche, Esche und Linde. Eine erweiterte Liste zählt 29 Baumarten, in denen der Käfer weltweit nachgewiesen wurde.

Wie wird der ALB bekämpft?

Der ALB hat in Europa keine natürlichen Feinde. Deswegen fordert eine EU-Richtlinie, seine Bruträume zu bekämpfen, sagt Webert: Betroffene Bäume werden gefällt, zerhäckselt und verbrannt. Gleiches gilt für alle Bäume der 16 bekannten Wirtssorten in einer 100-Meter-Zone um den Befall. Diese dürfen dort auch nicht mehr angepflanzt werden. Das wird auch in Miesbach so kommen. Innerhalb der 100-Meter-Zone um den befallenen Baum liegt ein Teil der Riviera, nicht allerdings der Waitzinger Park. Ebenfalls kommen wird eine Zone, in der im Umkreis von zwei Kilometer um das Gebiet die 29 bekannten Wirtspflanzen überprüft werden, erklärt Webert. Zudem seien die Waldbesitzer verpflichtet, ihr Holz zu kontrollieren und gegebenenfalls zu vernichten. Die genauen Grenzen der Zonen werden erst nach dem Abschluss der Untersuchungen feststehen. Tritt in vier Jahren kein neuer Fall auf, wird die Quarantäne aufgehoben.

Ground Zero: In diesem Ahorn vor dem Finanzamt in Miesbach wurde der Käfer entdeckt.

Sind die Gegenmaßnahmen effektiv?

Ja, meint Webert. Derzeit gibt es fünf Quarantänezonen in Bayern, unter anderem im Landkreis München, in Murnau am Staffelsee (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) und Ziemetshausen, Ortsteil Schönebach (Landkreis Günzburg). Nach den ursprünglichen Gegenmaßnahmen wurden in keinem der Gebiete mehr ALB gefunden. Die Zonen laufen alle 2019 oder 2020 aus.

Wie kommt der ALB in den Landkreis?

Diese Frage könne niemand seriös beantworten, sagt Zahner-Meike. Wegen seiner Größe sei der Käfer zu träge, um sich selbst über lange Strecken auszubreiten. Er nutze aber die Bewegung des Menschen. An Paletten könne er sogar aus China nach Miesbach kommen.

Wie erkenne ich einen befallenen Baum?

Zum einen durch das Entdecken des Käfers. Bevor dieser schlüpft, verraten sich die Larven durch besonders dicke Spähne, die sie aus dem Stamm drücken. Sie findet sich am Fuß des Baumes oder in Astgabeln. Auch die etwa einen Zentimeter großen Bohrlöcher sind verräterisch: „Sie sehen aus, wie mit einer Bohrmaschine gemacht“, sagt Zahner-Meike.

Was sollen Bürger tun, die einen Befall erkennen?

Wer einen ALB entdeckt, solle diesen in ein Marmeladenglas einfangen sowie den Ort und die Zeit notieren und sich bei der LfL melden, sagt Zahner-Meike. Betroffene Bäume sollen Zeugen ebenfalls der LfL melden. Dieses werde die Anzeichen überprüfen. Auf keinen Fall sollten die Menschen selbst Bäume fällen. Außerdem bitten alle Behörden die Menschen um Unterstützung – durch eigene Überprüfungen und indem sie den Kontrolleuren ihre Grundstücke öffnen.

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Stadt plant Infoabend

Weitere Infos über den Käfer gibt es auf www.lfl.bayern.de/alb. Außerdem plant die Stadt Miesbach eine Informationsveranstaltung.

mas

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