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Zwei Beamte verletzt: Großfamilie will Angehörigen von Polizei freipressen - dann eskaliert die Situation

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Von: Sebastian Grauvogl

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Polizeieinsatz auf der Waitzinger Wiese.
Polizeieinsatz auf der Waitzinger Wiese. © THOMAS PLETTENBERG

Ein Großeinsatz hat sich gestern Mittag über der Waitzinger Wiese in Miesbach abgespielt. Eine Großfamilie, wollte einen festgenommenen Angehörigen freipressen.

Miesbach – Immer wieder hallen wütende Schreie vom Hang an der Waitzinger Wiese in Miesbach. Polizisten mit schwerer Schutzausrüstung, Schusswaffen und Schlagstöcken haben die Gruppe – darunter auch Frauen und kleine Kinder – eingekreist und beobachten die Geschehnisse. Bereit, einzuschreiten, wenn es notwendig wird. Im Hintergrund rauschen immer mehr Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn heran. Polizeiautos, Zivilfahrzeuge, Motorräder. Ein Hubschrauber kreist über Miesbach, Hundeführer leinen ihre Tiere an. Der Rettungsdienst des BRK fährt mit 30Kräften samt Einsatzleitung und Krisenintervention am Waitzinger Keller vor. Der Parkplatz und die umliegenden Straßen werden abgesperrt. Insgesamt 135 Polizisten sind vor Ort – ein Großeinsatz.

Den Ticker zum Großeinsatz in Miesbach vom 10. August lesen Sie hier bei Merkur.de.

Großeinsatz in Miesbach: Großfamilie aus Rumänien will Landsmann freipressen

Die eigentliche Eskalation erfolgte bereits am frühen Vormittag, teilt Martin Emig, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, unserer Zeitung mit. Gegen 9.30 Uhr seien plötzlich rund 25 Angehörige einer durch Deutschland reisenden rumänischen Großfamilie vor der Miesbacher Polizeidienststelle aufmarschiert. Als die Beamten ihnen den Zutritt verwehrten, hätte die Gruppe das Gebäude mit Steinen und Schuhen beworfen und die Eingangstüre stark beschädigt, berichtet Emig. Die Polizisten hätten versucht, deeskalierend auf die Gruppe einzuwirken, doch die Stimmung habe sich weiter aufgeheizt.

Verdacht auf sexuellen Missbrauch: Polizei nimm Mann in Miesbach fest - Angehörige randalieren

Als dann in einer „hochdynamischen Situation“ ein Polizeibeamter attackiert und verletzt worden sei, hätten sich die Einsatzkräfte mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Angreifer gewehrt und sie in Richtung der Waitzinger Wiese gedrängt. Dort wurden sie mit Verstärkung durch Kräfte aus dem gesamten Landkreis, der Polizeipräsidien Rosenheim und München sowie eines Unterstützungskommandos (USK) der Bundespolizei am angrenzenden Hang festgesetzt. Insgesamt wurden bei dem Einsatz zwei Beamte leicht verletzt.

Der Auslöser des Angriffs hatte sich laut Emig am Vorabend ereignet. Da sei der Polizei ein sexueller Missbrauch an einem Kind im Vorschulalter an einer öffentlichen Toilette in Hausham gemeldet worden. Der Tatverdächtige, ein 22-jähriger Rumäne, der mit dem Kind in einer verwandtschaftlichen Beziehung stehe, sei daraufhin festgenommen und in die Polizeidienststelle nach Miesbach gebracht worden, wo er auch die Nacht verbrachte.

Großeinsatz wegen randalierender Großfamilie: Polizei in Miesbach fährt schweres Geschütz auf

Am Morgen hätte die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen und mit Zeugenbefragungen begonnen. Doch plötzlich herrschte Radau vor der Tür. Mitglieder der Großfamilie hätten versucht, ihren Angehörigen gewaltsam freizupressen. Dies gelang den Angreifern nicht. Im Laufe des mehrere Stunden dauernden Einsatzes führten die Polizisten einen nach dem anderen ab, um in einer im Innenhof der Polizeidienststelle eingerichteten „Bearbeitungsstraße“ ihre Personalien zu erfassen und die bei drei von ihnen durch die Abwehrmaßnahmen verursachten leichten Verletzungen ärztlich versorgen zu lassen. Eine Person wurde ambulant im Krankenhaus behandelt.

Vier Rädelsführer nach Großeinsatz in Miesbach festgenommen - keine Gefahr für die Bevölkerung

Gegen vier Rädelsführer prüft die Staatsanwaltschaft laut Pressesprecher Stefan Sonntag nun Haftanträge wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Der festgenommene 22-Jährige blieb vorerst in Polizeigewahrsam. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft besteht dringender Tatverdacht. Der Mann wurde am Dienstagnachmittag dem Ermittlungsrichter vorgeführt, welcher Haftbefehl erlassen hat.

Die schwere Schutzausrüstung der Polizisten – einige trugen sogar Kettenhemden und -hosen sowie lange Stöcke – und das große Aufgebot an Einsatzkräften begründet Emig mit der notwendigen Eigensicherung der Beamten. Man habe nicht ausschließen können, dass Teilnehmer der Gruppe beispielsweise mit Messern bewaffnet seien. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe aber zu keiner Zeit bestanden.

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