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Jedes Jahr aufs Neue ein Publikumsmagnet: der Kulinarische Abend in Miesbach.

Übernimmt die Stadt?

Ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen: GWM sucht Veranstalter für Kuli und Licherglanz

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Zwei Miesbacher Großveranstaltungen befinden sich am Scheideweg: Weil die GWM die Organisation nicht mehr alleine stemmen kann, stehen Kuli und 1000 Lichterglanz auf der Kippe.

Miesbach – Hätte Max Kalup noch einen Titel für seine Visitenkarte gebraucht, wäre ihm die Wahl wohl nicht schwer gefallen: „Eventmanager im Ehrenamt“ hätte sich der Schriftführer der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) selbstbewusst nennen können. Und das, ohne rot zu werden. Rund 500 Stunden hat Kalup jedes Jahr in die Organisation des Kulinarischen Abend und des 1000 Lichterglanz in der Kreisstadt investiert. Wohlgemerkt zusätzlich zu seines als stellvertretender Kulturamtsleiter schon hauptberuflich gut gefüllten Kalenders.

Was sich anfangs aufgrund seiner guten Vernetzung noch als Vorteil erwies, hat mittlerweile auch seine Schattenseiten offenbart: die kaum zu vollziehende Trennung zwischen Haupt- und Ehrenamt. „Die Leute unterscheiden nicht“, sagt Kalup. Kein Wunder, gibt es doch starke inhaltliche Überschneidungen. So hätten ihn die am Kuli oder Lichterglanz Beteiligten nicht selten auch zu seinen Bürozeiten im Waitzinger Keller angerufen oder seien sogar direkt vorbeigekommen. Obwohl Kalup seine GWM-Funktion mit viel Herzblut ausgeübt hat: „Mein Job wurde leider zu sehr eingeschränkt“, sagt er. „Irgendwann kollidiert das Haupt- mit dem Ehrenamt.“ Also habe er eine Entscheidung treffen müssen. Ergebnis: Er tritt bei den Vorstandsneuwahlen im Juli nicht mehr an.

Zum selben Entschluss ist die zweite für die beiden Großveranstaltungen maßgebliche Person gekommen: GWM-Beisitzerin Aline Brunner. Auch sie begründet ihren Rückzug mit dem großen Arbeitspensum, das sie angesichts ihrer beiden Lokale nicht mehr leisten könne. „Die Zeit, die dafür draufgeht, kann man nicht mehr so einfach auffangen“, sagt Brunner. In der Praxis habe sie sich für die Zeit ihrer Abwesenheit zusätzliches Personal im Lokal einstellen müssen – und das kostet. Ein weiterer Grund für Brunners Ausscheiden aus dem Vorstand ist ihre Stadtratskandidatur. Sollte es mit einem Mandat klappen, wolle sie sich voll darauf konzentrieren können.

Kuli und Lichterglanz auf der Kippe?

Heißt im Klartext, dass Kuli und Lichterglanz aktuell ohne Organisator dastehen. „Die Veranstaltungen haben mittlerweile eine Größenordnung erreicht, die nicht mehr allein von einzelnen Personen ehrenamtlich aus unseren Reihen bewältigt werden kann“, sagt GWM-Vorsitzender Florian Brunner. Auch die große Verantwortung für die Sicherheit spiele dabei eine Rolle.

Um den Fortbestand der beiden Veranstaltungen dennoch nicht zu gefährden, haben sich die Mitglieder kürzlich in einer Versammlung Gedanken gemacht, wie sich Kuli und Lichterglanz künftig durchführen lassen. Dabei sei man übereingekommen, so Brunner, für heuer zunächst nach einem externen Veranstalter Ausschau zu halten. „Das ist letztlich aber eine Frage des Budgets“, sagt der Vorsitzende. Noch im Februar soll die Entscheidung fallen. Klarer Wunsch sei aber, eine unfreiwillige Pause zu vermeiden.

Was die mittel- bis langfristige Planung angeht, plädieren die GWM-Mitglieder mehrheitlich für eine Ansiedlung von Kuli und Lichterglanz im städtischen Kulturamt. Letztlich hätten die Veranstaltungen eine große Bedeutung für das Stadtmarketing. „Sie sind unser Seefest“, schwärmt Brunner. Wie in anderen Städten und Gemeinden längst üblich sollte damit auch die Organisation in kommunaler und/oder touristischer Hand liegen. Brunner hofft, bis zur GWM-Hauptversammlung mit Neuwahl im Juli Klarheit zu haben. Eine Entlastung an dieser Stelle könnte auch bewirken, dass sich wieder mehr Kandidaten für ein Amt im Vorstand finden.

Wunsch ist Ansiedlung bei der Stadt

Auch für Kalup ist eine Ansiedlung von Kuli und Lichterglanz im Kulturamt „absolut naheliegend“. Er selbst würde auch weiterhin als Bindeglied zwischen GWM und Stadt fungieren. Um das zusätzliche Pensum leisten zu können, brauche es aber eine personelle Aufstockung. Dies sei letztlich eine politische Entscheidung, der er nicht vorgreifen wolle, sagt Kalup. Trotzdem macht er kein Geheimnis daraus, dass er eine Übernahme der Veranstaltungen durch die Stadt begrüßen würde. „Da gehören sie hin.“

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