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Angst vor einem neuen Hochwasser: Im Ortsteil Kleinthal können der Talerbach (vorne) und der verrohrte Floigerbach gemeinsam eine enorm zerstörerische Wirkung entfalten. Entsprechend skeptisch sind die Anwohner.

Angst vor dem Floigerbach

Hochwasserschutz in Kleinthal: Bürgermeisterin stellt Vertrauensfrage

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Mit einer Unterschriftenliste wehren sich mehrere Anwohner aus Kleinthal gegen die Pläne, mit denen die Stadt Miesbach den Hochwasserschutz gewährleisten will. Dabei attackierte der betroffene FDP-Stadtrat Claus Fahrer sogar den Planer.

Eigentlich schien alles geklärt und unproblematisch zu sein. Bei der Sondersitzung des Miesbacher Stadtrats zum Hochwasserschutz in Kleinthal wurde im Juli 2017 beschlossen, die Maßnahmen für ein Hochwasser mit 100-jähriger Wahrscheinlichkeit (HQ100) planreif zu machen (s. Kasten). Als der Stadtrat nun das drei Millionen Euro teure Vorhaben ins Planfeststellungsverfahren schicken wollte, war von klaren Verhältnissen nur wenig zu spüren – nicht zuletzt dank Claus Fahrer.

Der einzige FDP-Vertreter im Miesbacher Stadtrat ist keiner, der durch wortreiche Äußerungen auffällt. Doch in der jüngsten Sitzung war das anders. Beim Thema Hochwasserschutz für Kleinthal platzte dem Mediziner nämlich der Kragen.

Streitpunkt ist der Floigerbach, der von Osten her verrohrt in die Siedlung fließt. Bei Hochwasserereignissen trifft er auf den von Süden kommenden Talerbach, und gemeinsam fluten sie den bebauten Bereich. Die Planung des Ingenieurbüros SKI, die Ingenieur Frank Kleist nun im Stadtrat vorstellte, sieht daher vor, den Talerbach mit einem Damm und einem Rückhaltebecken gewissermaßen in die Warteschleife zu stellen, damit der Floigerbach Vorfahrt haben kann. So könnte dessen Wassermenge schadlos abfließen, doch dafür muss zusätzlich seine Verrohrung durch das Stadtgebiet ertüchtigt werden.

FDP-Stadtrat attackiert Planer

Was Fahrer dabei stört, ist die Reihenfolge der Baumaßnahmen. Laut Planung soll zuerst der Talerbach gesichert werden, dann erst der Floigerbach. „Wir haben eine Gefährdung Kleinthals durch Floigerbach und Oberflächenwasser“, betonte Fahrer. „Die Planung zum Floigerbach muss auf jeden Fall parallel erfolgen. Nicht dass am Ende festgestellt wird, dass manches nicht geht.“

Konkret befürchtet er unter anderem, dass der Floigerbach nicht komplett abgeleitet werden kann. Dann wären die Schutzmaßnahmen, die die Stadt für viel Geld umsetze, umsonst ausgegeben. Dabei stellte Fahrer das gesamte Konzept infrage. „Wären Einzelmaßnahmen am Ende nicht sinnvoller?“, fragte er Kleist. SKI entwerfe immer Lösungen mit großem Aufwand, stellte er fest und fragte den Planer direkt: „Wie viel verdienen Sie daran?“

Bürgermeisterin stellt die Vertrauensfrage

Kleist reagierte gefasst, aber unmissverständlich. „Wichtig ist, dass der Stadtrat dem Planer vertraut“, entgegnete er. Wenn dem nicht so sei, gebe er das Mandat gerne ab. Wobei er hervorhob, dass man hier über eine bereits vom Stadtrat abgesegnete Planung spreche.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) ergriff Partei für Kleist. „Das ist nur die Meinung von Einzelpersonen“, versuchte sie zu beschwichtigen. „Wir arbeiten schon lange mit Ihnen zusammen, und die überwiegende Mehrheit hat Vertrauen.“ Dennoch wollte sie diesen Punkt per Beschluss bestätigen lassen. „Denn durch solche Äußerungen entstehen Verletzungen.“

Lesen Sie auch: So sieht der Hochwasserschutz für Bergham aus

In der Sache versuchte Paul Fertl (SPD) einzulenken. „Vielleicht lassen wir uns mit Kleinthal etwas Zeit“, regte der Zweite Bürgermeister an, „um möglichst viele Menschen mitzunehmen.“ Der Stadtrat solle dem Diskussionsbedarf entgegenkommen, ergänzte Fertl mit Blick auf eine Unterschriftenliste, auf der sich 15 Anwohner gegen das geplante Vorgehen wehren. Pongratz pflichtete ihrem Stellvertreter bei: „Ich halte eine Infoveranstaltung für sinnvoll. Wir wollen nichts übers Knie brechen.“

Manfred Burger (Grüne) konnte dies jedoch nicht nachvollziehen: „Wir haben im Juli 2017 beschlossen, so ins Verfahren zu gehen. Wo ist der neue Gesichtspunkt?“ Pongratz gab ihm recht: „Das Konzept ist so beschlossen, ja, aber eine Infoveranstaltung ist trotzdem nicht verkehrt.“

Große Angst vor dem Floigerbach

Warum dem Floigerbach eine solch zentrale Rolle beigemessen wird, erklärte Markus Seemüller (FWG): „Die Leute verstehen nicht, warum die Verrohrung des Floigerbachs separat erfolgen soll.“ der Hintergrund: Kleist hatte sich dafür ausgesprochen, den Floigerbach im Rahmen eines normalen Genehmigungsverfahrens zu ertüchtigen. Damit wäre das Verfahren nicht zuletzt durch die geringere Zahl an Betroffenen einfacher. Wesentlich ist dabei, wie Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erklärte, dass der Floigerbach nicht vor dem Talerbach realisiert werden dürfe, weil sonst eine gesetzwidrige zusätzliche Gefährdung der Unterlieger entstehen würde. Den Floigerbach ins Planfeststellungsverfahren mit einzubeziehen, sei eine psychologische Frage, stellte er fest. „Tatsächlich bringt es nichts.“

Der Stadtrat beschloss daraufhin einstimmig, zeitnah eine Bürgerinfo durchzuführen und bekräftigte zugleich, dass es kein Gesamtkonzept ohne den Floigerbach geben werde. Große Zustimmung gab es auch beim zweiten Beschluss, der Kleist das Vertrauen des Stadtrats attestierte. Lediglich Fahrer stimmte nicht mit.

ddy

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