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Stute Heidi litt sehr unter den Attacken ihres Peinigers.

In aller Öffentlichkeit

Zeugen geschockt: Mann quält dieses Pferd - und hat sichtlich Spaß dabei

Tierquälerei in Miesbach: Ein 34-Jähriger hat auf einem Reiterhof mutwillig Pferde verletzt. Vor Gericht unterstellte ihm die Staatsanwältin sogar „Freude am Quälen“.

Miesbach Er sitzt auf der Anklagebank, schreibt penibel jedes einzelne Wort mit, das ihm vorgeworfen wird, und isst seelenruhig seine trockene Semmel. Er sieht harmlos aus. So harmlos, dass er den Anschein macht, kein Wässerchen trüben zu können, wie es die Staatsanwältin ausdrückte. Doch hinter der Fassade des Mannes stößt man auf Schlimmes: Er hat Tiere gequält.

Beim knapp siebenstündigen Prozess am Miesbacher Amtsgericht gegen den 34-jährigen früheren Gmunder, der mittlerweile nach Österreich gezogen ist, ging es um das Quälen von Pferden. Er selbst bezeichnete sich im Prozess als großen Fan der anmutigen Tiere. Was er aber im März und Juni 2015 getan hat, spricht nicht dafür.

Angefangen hat alles im Mai 2011, als sich der 34-Jährige auf die Annonce einer Ärztin aus Gmund meldete. Die suchte nach einer Reitbegleitung für ihre Pferde Heidi und Dakota. „Zu Beginn hat er das gut gemacht und ist mit meinen Pferden liebevoll umgegangen“, sagte die Gmunderin vor Gericht aus. Im Jahr 2015 folgte der Sinneswandel des gebürtigen Merseburgers (Sachsen-Anhalt): Er begann, die Tiere zu quälen – in der Öffentlichkeit. Dafür gibt es Zeugen, die bei der Verhandlung gegen den Beschuldigten aussagten. Er selbst sagte: „Ich werde hier verleumdet.“

Zwei Fälle datieren vom März 2015. Beim ersten longierte der 34-Jährige am Großthaler Hof in Miesbach Heidi, auf der er ritt, in ein anderes Pferd hinein. „Er hat Heidi so angetrieben, dass sie in Selinus und mich hineingelaufen ist“, erinnerte sich die 22-jährige Haushamerin, die auf ihrem Pferd Selinus saß, das eine blutende Wunde am Fuß davontrug.

Im zweiten Vorfall trafen sich Heidi und Selinus erneut auf unangenehme Weise. Auch ein Kind kam zu Schaden – eine damals zehnjährige Haushamerin. „Er hat Heidi in Selinus und mich geritten, wobei ich mit dem Oberschenkel gegen die Bande gekracht bin und blaue Flecken hatte“, erklärte die Schülerin (13) im Zeugenstand. Selinus verletzte sich dabei schwer. „Sein Hinterfuß schwoll an und er musste Antibiotika nehmen“, beschrieb die Besitzerin.

Die dritte Tat des 34-Jährigen spielte sich bei einem Reitausflug mit der Ärztin und ihren beiden Pferden am Seehamer See ab. „Heidi wollte nicht über einen Wassergraben gehen“, erzählte die 67-Jährige, „woraufhin er ausgerastet ist und sie mindestens zehn Mal mit der Gerte geschlagen hat.“ Nach diesem Vorfall verhängte die Ärztin gegen den Angeklagten ein Kontaktverbot mit ihren Pferden. Doch nur wenige Tage später schnappte sich der 34-Jährige Heidi, trieb das Tier gewaltsam in den Galopp und ritt es gegen eine Bande im Großthaler Hof.

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Die Beweislage gegen den Angeklagten war erdrückend. So sah es auch die Staatsanwältin und sagte zum Wahl-Österreicher: „Die passendste Bezeichnung, die mir für Sie einfällt, ist der Wolf im Schafspelz.“ Bei den insgesamt acht Zeugen könne sie keinen Belastungseifer erkennen, „da die keine Best-Friends-Gruppe sind“. Alle sagten das Gleiche aus – zulasten des 34-Jährigen. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum Sie das getan haben“, fügte die Staatsanwältin hinzu, „doch Sie haben wohl Freude am Quälen der Tiere.“ Sie plädierte auf eine Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 30 Euro und ein Tierhalteverbot für fünf Jahre.

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Rechtsanwalt Hösl räumte ein, „dass die Beweisaufnahme nicht zugunsten meines Mandanten spricht“. Er bat um Milde der Strafe.

Gemildert hat Amtsrichter Walter Leitner die Forderung der Staatsanwaltschaft auch: 200 Tagessätze zu je 30 Euro. „In allen Fällen ist wohl der Gaul mit Ihnen durchgegangen, um im Jargon zu bleiben“, sagte Leitner zu dem Tierquäler.

Der 34-Jährige nahm das Urteil wortlos hin. Nochmals biss er von seiner Semmel ab und verließ den Gerichtssaal.

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Philip Hamm

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