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Container mit heimeliger Holzfassade: Vier solcher Gebäude-Einheiten sollen für etwa drei Jahre auf der Waitzinger Wiese aufgestellt werden, wo bislang die Flüchtlinge untergebracht waren.

Miesbacher Stadtrat reagiert auf fehlende Betreuungsplätze

Ja zu Containern als Kita-Notlösung

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Die Stadt Miesbach stellt auf der Waitzinger Wiese vier Container auf, um auf die fehlenden Plätze bei der Kinderbetreuung zu reagieren. Den Betrieb soll die Diakonie übernehmen.

Wie sehr die Eltern das Thema Kinderbetreuung bewegt, zeigte am Donnerstagabend ein Blick in den Sitzungssaal des Miesbacher Rathauses: Der Zuhörerbereich im Stadtrat war voll mit Müttern, Vätern und Kleinkindern. Das Signal war deutlich: Die jungen Familien wollen eine Lösung.

Denn es fehlen laut Warteliste für das kommende Kita-Jahr in der Kreisstadt Betreuungsplätze in allen Bereichen: 35 in der Krippe, 39 im Kindergarten, 13 bei den Spielgruppen und 20 im Hort – insgesamt also 107, inklusive der katholischen Kindergärten. Erfahrungsgemäß, so berichtete Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU), verringere sich der gemeldete Bedarf, dennoch müsse die Stadt handeln.

Container als schnellste Alternative

Eine weitere Waldkindergartengruppe im Stadtwald ist laut Pongratz eine prüfenswerte Alternative, der Waitzinger Bräu könne Platz bieten, der städtische Montessori-Kindergarten könnte erweitert werden. Aber die zentrale Lösung seien vier neue Container auf der Waitzinger Wiese, die die bisherigen Flüchtlingscontainer ablösen würden – zwei für den Kindergarten, zwei für den Hort. Wenn man jetzt grünes Licht gebe, seien die Container bis November/Dezember bezugsfertig.

Eine „Interims-Lösung“ (Pongratz), die nicht ganz billig ist. 400 000 bis 450 000 Euro Mietkosten fallen über drei Jahre an, abzüglich eines kleinen Zuschusses seitens der Regierung. Geld, das die Stadt nicht hat, aber ausgeben muss. Pongratz sprach sich deshalb für diese Lösung aus: „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Vize-Bürgermeister sieht Ursache fürs Dilemma beim Stadtrat

Dem stimmte Paul Fertl (SPD) zwar zu, doch wollte der Zweite Bürgermeister nicht ohne Blick auf die Ursachen der Misere abnicken. „Die Problematik tritt nicht urplötzlich auf“, betonte er. „Urplötzlich ist, dass sich etwas rührt.“ So habe er als Vertreter für die Mitte 2017 erkrankte Bürgermeisterin im Klosterareal Pläne für einen neuen Anbau mit vier Gruppen gegenüber der Krippe vorgelegt. Kosten: 1,4 Millionen, und auch das Landratsamt hätte zugestimmt, sagt Fertl. Doch dann habe die Mehrheit im Stadtrat sich für „die schlechtere Lösung“, das Kinderhaus im Kloster, entschieden. Dabei wäre der Anbau zum September wohl betriebsbereit gewesen.

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Dem widersprach CSU-Fraktionssprecher Franz Mayer: „Der Anbau wäre nie bis dahin fertig, weil wir europaweit ausschreiben müssten.“ Mit Glück wäre es Mitte/Ende 2020, wenn nicht gar Anfang 2021 geworden.

Jooß sieht keine Überraschung bei Bedarfszahlen

Inge Jooß (SPD) verteidigte die Notwendigkeit der Kitaplätze: „Ohne diese können junge Familien nicht arbeiten.“ Und es müssten beide arbeiten für eine Wohnung und eine „bei uns übliche Lebensweise“. Außerdem seien die Frauen gut ausgebildet. Dass der Bedarf nicht erkannt wurde, kann Jooß nicht verstehen: „Wir haben doch Anmeldungen und Wartelisten für die Krippe – das setzt sich doch fort bis zum Hort. Die Leute hören ja nicht zum Arbeiten auf, wenn die Kinder in die Schule kommen.“

Seemüller: „Freistaat verschärft die Situation“

Doch mit den Containern ist das Problem nicht gelöst – das war allen klar. Denn es braucht auch Personal, und das ist schwer zu finden. „Und Wohnungen für Mitarbeiter hat die Stadt ja leider nicht“, merkte Fertl süffisant an. Die Verwaltung zeigte sich aber zuversichtlich, bis Herbst auf den bisherigen Kanälen Leute zu finden. Für Markus Seemüller (FWG) ist der Personalengpass hausgemacht von der Staatsregierung: „Statt die Kostenfreiheit für die Eltern auszudehnen und Nachfrage zu schaffen, wäre es besser gewesen, das Geld für eine bessere Bezahlung des Personals zu verwenden.“

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Der Stadtrat beauftragte Pongratz einstimmig, die Container zu beschaffen, Gespräche mit der Diakonie als Träger zu führen und eine zweite Waldgruppe zu prüfen, nachdem die erste in Parsberg angesiedelt wurde. Glücklich waren dennoch nicht alle. So sei es laut Astrid Güldner (Grüne) schade, dass ein Teil der höheren Förderung für den Umbau des Klosters in eine Kita nun für die Container draufgehe: „Es ist fraglich, wie viel wir am Ende damit sparen.“

ddy

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