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Zwei-Protagonisten-Theater unter freiem Himmel: „Kiki van Beethoven“ feierte im Garten des Culinaria eine ebenso gelungene Premiere wie der Veranstaltungsort selbst.

Heftiger Applaus

Miesbach: „Kiki van Beethoven“ feiert Premiere am Culinaria

Besser geht es kaum: Sommertheater im Freien und das Wetter passt. Auch Inszenierung und Schauspieler ließen die Premiere von „Kiki van Beethoven“ zum Erlebnis werden.

Miesbach – Sommertheater im Freien – da muss das Wetter passen. Und das hat es: Nicht nur die äußeren Umstände waren makellos, die Qualität von Inszenierung und schauspielerischer Leistung bei der Premiere des Stückes „Kiki van Beethoven“ ließen den Theaterabend zu einem besonderen Erlebnis werden. Der Garten des Bistros Culinaria am Waitzinger Keller feierte als Freiluftspielstätte über den Dächern von Miesbach dabei eine ebenso gelungene Feuertaufe.

Der Elsässer Éric-Emmauel „Kiki van Beethoven“, ist dafür bekannt, mit leichter Hand Tiefsinn und Amüsement zusammenzubringen. Steffi Baier aus Wall, die überregional bekannte Regisseurin, die schon für das Bayerische Staatsschauspiel oder die Luisenburg Festspiele inszenierte, entwickelte aus dem Stück – auch aus persönlich-musikalischer Nähe dazu – eine Theaterproduktion, die das Publikum auf den ausverkauften Rängen in gleichem Maße unterhielt, wie zum Nachdenken anregte.

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Miesbach: „Kiki van Beethoven“ feiert Premiere am Culinaria

Eine Parkbank. Eine Frau in den Sechzigern, zynisch und verbittert. Aus ihrem Ghettoblaster, den sie liebevoll „Rudi“ nennt, ertönt laute Musik. Es erscheint ein Mann um die Zwanzig, irritiert von der Heftigkeit der Szene: „Was ist das überhaupt für eine Kirchenmusik?“, fragt er. „Du Blödmann, das ist die 6. Sinfonie von Beethoven.“ So beginnt die Geschichte der Beethoven-Liebhaberin Kiki (Theresia Benda-Pelzer) und des jungen Hip-Hoppers Otto (Andreas Nirschl). Die Treffen häufen sich. Nach anfänglichen Reibereien – schließlich treffen hier zwei Welten aufeinander – will Otto immer mehr von Kiki wissen. 

Das führt dazu, dass einige Erlebnisse aus ihrer Jugend und verschüttete Geheimnisse aus ihrem weiteren Leben zutage treten. Durch den jugendlichen Einfluss Ottos wird Kiki ihr Leben und ihren Blick auf die Welt überdenken und sich ändern. Es beginnt eine schmerzvolle, berührende, aber auch amüsante Reise ins eigene Ich, die auch eine Geschichte über den Generationenkonflikt ist sowie eine über die heilende und verbindende Kraft der Musik. Eine gewichtige Rolle spielen dabei Kikis Freundinnen in der Seniorenwohnanlage „Residenz im Fliederbusch“, Kikis Sohn Hannes und Schwiegertochter Elli, die aber alle nicht körperlich erscheinen. Beethoven, seine ominöse Maske und seine Musik, ist dabei das verbindende Element.

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In der ebenso tiefsinnigen wie heiteren Geschichte zeigt sich Benda-Pelzer als erfahrene Akteurin, für die eine riesige Textmenge ebenso wenig ein Problem darstellt wie das Schlüpfen in die verschiedensten Charaktere. Von aufbrausend-schrill über nachdenklich-weinerlich bis exaltiert-überschwänglich deckt sie alles mühelos und glaubhaft ab. Klar, dass dazu in einem Zwei-Personen-Stück ein starkes Pendant nötig ist. Trotz oder gerade wegen seiner Jugend erfüllt Andreas Nirschl diesen Anspruch überzeugend, begegnet Benda auf Augenhöhe und agiert stark, frisch und facettenreich. In weiteren kleinen Rollen zwischen den zentralen Parkbank-Szenen sind Susi Gschwendtner und Miriam Maß zu sehen. Neben Beethoven kommt auch Ottos Hip-Hop zu seinem Recht: Isabella Pelzer und Rahel Zelenkowits sorgen mit ihrer Choreografie für eine achtköpfige Tanzgruppe, die eine temperamentvolle Performance hinlegt, für ein optisches und tänzerisches Highlight. Vor der Parkbank zwischen zwei alten Linden und als jugendliches Gegengewicht zu Beethoven – mit heftigem Applaus bedacht.

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von Reinhold Schmid

Weitere Vorstellungen

Für die Zusatzvorstellungen am Samstag, 3. August, Sonntag, 4. August, sowie Freitag, 9. August, gibt es noch Tickets. Beginn ist jeweils um 20 Uhr. Einlass bei schönem Wetter im Biergarten ist ab 17.30 Uhr; bei schlechtem Wetter finden die Aufführung im Gewölbe des Waitzinger Keller statt, Einlass dann ab 19.30 Uhr. Karten zu 18 Euro (zuzüglich Gebühren) gibt es im Waitzinger Keller unter Telefon 0 80 25 / 7 00 00 und bei München Ticket.

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