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Murad schreibt: Franziska Maier ist eine von insgesamt 23 Kinderpflegerinnen, die Asylbewerbern helfen.

Kinderpflegerinnen kümmern sich um kleine Asylbewerber

Warum von diesem Flüchtlings-Projekt alle etwas haben

Miesbach - Schülerinnen der Miesbacher Kinderpflegeschule besuchen Flüchtlingsfamilien, spielen, basteln und singen mit den Kindern. Für die angehenden Pädagoginnen eine wertvolle Erfahrung - und für die Kinder eine riesen Gaudi.

Rakiya, sechs Jahre alt, steht schon in der Eingangstüre, als die fünf jungen Frauen von der Kinderpflegeschule bei der Gemeinschaftsunterkunft am Dirnbergerweg in Miesbach ankommen. Das Mädchen mit den schwarzen Zöpfen grinst über das ganze Gesicht, ihre Freude ist nicht zu übersehen.

Lehrreiche Bastelstunde: In der Gemeinschaftsunterkunft am Dirnbergerweg spielen, basteln und singen Schülerinnen der Kinderpflegeschule mit den jungen Bewohnern. Dabei lernen beide Seiten etwas.

Zum zweiten Mal sind die angehenden Kinderpflegerinnen vom Berufsschulzentrum heute hier, um mit den Kleinen in der Unterkunft zu basteln, zu singen und zu spielen. Begleitet werden sie von Kathrin Stöger, Lehrerin und Initiatorin des Projekts. Wie sie auf die Idee kam? „Unsere Schülerinnen arbeiten im Unterricht regelmäßig pädagogische Angebote für Kinder aus“, erzählt sie. „Also habe ich mir überlegt, dass man das doch hier mal anbieten könnte.“ Bei den Schülerinnen stieß sie mit ihrem Vorschlag auf offene Ohren, obwohl die Besuche bei den Flüchtlingen in die Freizeit der jungen Frauen fallen.

„Das fällt aber nicht schwer, es macht so viel Spaß hier“, sagt dazu Alexandra Vogl. „Und so können wir uns für die Asylbewerber engagieren.“ Die 18-Jährige ist eine von 23 Schülerinnen, die nun regelmäßig die Gemeinschaftsunterkunft und auch Familien besuchen, die in Privatwohnungen leben. Inge Jooß, Integrationsbeauftragte der Stadt Miesbach, hat die Kontakte vermittelt.

Auch die Kleinsten sind willkommen: Andrea Cosic mit der eineinhalbjährigen Jana.

Lehrerin Stöger hat inzwischen die kleine Rakiya an die Hand genommen. „Wollen wir die anderen Kinder holen?“, fragt sie. Rakiya nickt begeistert, und die beiden machen sich auf den Weg durch das Haus. Fünf Minuten später sind im Gemeinschaftsraum im Keller vier Kinder eingetrudelt. Die Kleinste, Jana, ist gerade eineinhalb Jahre alt. Dann sind da noch ihr Bruder Prince (3), der vierjährige Murad und eben Rakiya.

Im Stuhlkreis zeigt sich schnell, dass die Kinder zu wenig verstehen, um mitsingen zu können. Aber sie sitzen mit großen Augen da und hören aufmerksam zu. So ist es auch später beim Basteln und Spielen. Nur einzelne Wörter kommen den Kindern – mittlerweile sind ein paar weitere dazugekommen – über die Lippen, aber man merkt, dass ihnen die Beschäftigung trotzdem Freude macht. „Für die Kinder ist das auch nicht leicht, dass sie uns nicht verstehen“, erklärt Jana Geiger (21). „Aber für uns gehört es ja zum Beruf, dass wir mit solchen Schwierigkeiten umgehen lernen. Es ist auf alle Fälle eine interessante Erfahrung.“

Und die angehenden Kinderpflegerinnen meistern die Sprachbarriere mit viel Einfühlungsvermögen. Murad hat einen Riesenspaß, weil Franziska Maier (18) Stifte hinter ihrem Rücken versteckt und immer wieder hervorzieht. Die kleine Jana sitzt schon vertrauensvoll auf dem Schoß von Andrea Cosic (17) und malt auf ein buntes Tonpapier. Prince hat einen Papierflieger gebastelt, den er mit Magdalena Weiß (17) durch den Raum wirft.

Zwei Stunden werden die angehenden Kinderpflegerinnen in der Unterkunft bleiben. Zwei Stunden, in denen die Buben und Mädchen ein paar neue deutsche Wörter lernen und den Umgang mit Schere und Stiften, und in denen die Eltern mal Zeit für sich haben. „Später haben wir noch ein Geschenk für die Kinder“, verrät Alexandra Vogl. „Wir haben ihnen Malbücher gekauft.“ Und dann ist sie schon wieder fort – zum Händeklatschspiel mit Rakiya – das geht auch, wenn man nicht die gleiche Sprache spricht.

Von Christine Merk

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