Reger Austausch in Sachen Kultur: Die Miesbacher SPD hatte eine Online-Runde mit zahlreichen Kulturschaffenden der Region organisiert. Screenshot: Andi Kempf
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Reger Austausch in Sachen Kultur: Die Miesbacher SPD hatte eine Online-Runde mit zahlreichen Kulturschaffenden der Region organisiert. Screenshot: Andi Kempf

Kämpfen statt klagen

Kulturschaffende fordern mehr Sicherheit – SPD Miesbach startet Petition

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Die Kulturbranche leidet enorm unter der Corona-Krise. Daher will die Miesbacher SPD Kultur im Landkreis deutlich stärker fördern.

Miesbach – So viel war klar: Das Online-Kamingespräch „Corona – Kultur in Miesbach“ der SPD Miesbach sollte kein Klagegedicht sein. Vielmehr sollte es inspirieren, motivieren und neue Kulturprojekte auf den Weg bringen. Was es auch tat: Die SPD will eine Petition zur Förderung der Kultur und den Antrag zur Etablierung einer Kulturreferentenstelle auf den Weg bringen.

Den Ruf danach formulierten während des rund einstündigen Gesprächs etliche bekannte Kulturschaffende des Landkreises, die überdies von ihren neuen, teils noch in der Corona-Warteschleife steckenden Projekten berichteten. Kulturmanagerin Micol Krause machte nachdrücklich auf die prekäre Situation der Kulturschaffenden aufmerksam, konnte aber auch von vielen neuen Ideen, Kooperationen und Formaten berichten. Beispielsweise von ihrer neuen Online-Galerie „Pushing Artists“, mit der regionale Künstler beworben werden sollen. Oder von einer Open-Air-Initiative für den Sommer, innerhalb derer verschiedene Veranstalter aus den Bereichen Film und Konzerte gemeinsam Kulturevents organisieren wollen. „Wir brauchen eine offizielle, keine ehrenamtliche Anlaufstelle, die Kulturprojekte koordiniert und auch Förderungen erwirken kann. Kultur ist ein Wirtschaftsfaktor, und wir brauchen mehr Wertschätzung und Unterstützung – auch von der Politik“, forderte die Zweite Vorsitzendes des Bayrischzeller Vereins Kultursprung.

Miesbach: Kulturschaffende fordern mehr Sicherheit – SPD startet Petition

Auch Klaus Beer, Vorsitzender des Trachtenvereins Miesbach, hatte Neuigkeiten: Der Traditionsverein hat die Corona-Zeit genutzt, um die Homepage neu zu gestalten und das Trachtenheim zu renovieren. Musiklehrer, Musiker und Kabarettist Erich Kogler forderte als Künstler von der Politik planbare Perspektiven. Als Musiklehrer wünscht er sich klare Vorgaben für die Musikschulen, damit gemeinsames Proben über den Online-Einzelunterricht hinaus möglich werde.

Unterdessen rief Kabarettistin Christine Eixenberger die Branche dazu auf, sich zu vernetzen. „Wir sind eine extrem starke und systemrelevante Branche, und es ist ungut, wenn man uns behandelt wie Ehrenamtler“, betonte sie. Die Kulturschaffenden seien schlecht organisiert, bedauert die Schlierseerin. „Das fällt uns jetzt in der Pandemie auf die Füße. Viele von uns haben keine Absicherung und wissen nicht, wie es beruflich und finanziell weitergehen soll.“ Die Politik müsse sich was einfallen lassen, dass auch die Solo-Selbstständigen und jene Dienstleister, die an den Künstlern dranhängen – wie Techniker, Visagisten und Kameraleute – abgesichert werden.

Miesbach: SPD will neue Ideen für Kulturschaffende vorantreiben

Während SPD-Kreisrätin Christine Negele den Kulturschaffenden ans Herz legte, sich zu organisieren und dann Förderanträge beim Kreiskämmerer zu stellen, forderte Alexander Schmid von der SMG die Kulturschaffenden auf, neue Ideen anzuschieben. In dem Projekt „Euregio“, das der Landkreis Miesbach zusammen mit dem Tölzer Nachbarlandkreis sowie Schwaz in Tirol aufsetzte, stünden Fördersätze von bis zu 70 Prozent für Projekte unter 100 000 Euro zu Verfügung. „Kommen Sie noch dieses Jahr auf mich zu!“, forderte Schmid.

„Ein super Signal“, beschied Lisa Hilbich, die das Kamingespräch gemeinsam mit Leon Walther moderierte und es mit der Ankündigung schloss, dass die SPD Miesbach eine Petition an die Staatsregierung starten werde. Der Titel: „New Deal Kultur – Wertschätzung und soziale Absicherung für alle, die Kultur möglich machen“.

Auch die Grünen im Landkreis haben sich das Thema „Kulturschaffende in der Coronakrise“ auf die Fahnen geschrieben

Sie luden zum Online-Talk. Unter den rund 25 Gästen waren viele Kulturschaffende aus dem Landkreis, immerhin war auch der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Erhard Grundl, per Go-To-Meeting zugeschaltet, um mit ihnen über die Situation der Kreativwirtschaft während der Pandemie zu sprechen.

„Das im Moment viel verwendete Etikett ‚systemrelevant‘ passt auf den Kulturbereich nicht in diesem engen Sinn, denn Kultur ist mehr: Sie prägt und verbindet uns zu unserer Gesellschaft“, erklärte Georg Kammholz, Vorsitzender des Grünen-Kreisverbands, in seiner Begrüßung. Bundestagskandidat Karl Bär, der die Veranstaltung moderierte, sagte: „Viele Kreative und Kulturschaffende stehen vor dem existenziellen Aus. Wir brauchen also ein politisches Konzept zur Rettung der Branche.“

Dass die Nöte der Kultur vor allem am Anfang der Krise nicht gesehen wurden, liegt nach Einschätzung Grundls an der hohen Vielfalt dieses Bereichs: „Obwohl ich vor Antritt meines Bundestagsmandats 25 Jahre als Solo-Selbstständiger im Musikbereich gearbeitet habe, gab es noch mal einen hohen Lern-Input im letzten Jahr durch viele Einzelgespräche, die ich mit Betroffenen geführt habe. Daraus ist dann der Grüne 10-Punkte-Plan zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft entstanden.“

Entscheidend ist für Grundl, die Betroffenen aus der Kreativwirtschaft wirtschaftlich durch die Krise zu bekommen. Der Grüne 10-Punkte Plan schlägt ein Überbrückungsprogramm für die Veranstaltungsbranche sowie ein Existenzgeld für Solo-Selbstständige in der Veranstaltungswirtschaft vor. „Es ist nicht damit getan, betroffene Künstlerinnen und Künstler in Hartz IV drängen zu wollen“, machte der Bundestagsabgeordnete zur teilweisen Strategie von Bundes- und Länderregierungen deutlich. „Schließlich sind sie nicht arbeitslos – sie können ihre Arbeit wegen Corona aktuell nur nicht ausüben.“

Insgesamt wünscht Grundl sich eine politische Stärkung der Kreativwirtschaft: „Kultur wird vor allem auf kommunaler Ebene gefördert. Diese Förderung sollte zur kommunalen Pflichtaufgabe gemacht werden.“

von Alexandra Korimorth

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