Die Lücke zeigen und bewusst machen: Im Waitzinger Park will Lisa Mayerhofer mit einer begehbaren Installation den ALB-bedingten Verlust der vielen Bäume thematisieren, den Miesbach erlitten hat.
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Die Lücke zeigen und bewusst machen: Im Waitzinger Park will Lisa Mayerhofer mit einer begehbaren Installation den ALB-bedingten Verlust der vielen Bäume thematisieren, den Miesbach erlitten hat.

Installation im Waitzinger Park

Miesbach: Kunstprojekt soll an ALB-Bäume erinnern

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Der Asiatische Laubholzbockkäfer hat Miesbach verändert. Viele Bäume wurden gefällt, und das hat Lücken hinterlassen. Diesen Verlust will Bildhauerin Lisa Mayerhofer mit einer Installation aufarbeiten unter dem Titel „ALB-Träume“ – im Waitzinger Park, wo die Baumentnahmen mit am schmerzlichsten waren.

Der Anblick hat sich verändert. Bis zu 200 Jahre alte gesunde Bäume wurden im Waitzinger Park von Miesbach gefällt als Vorsichtsmaßnahme, um dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) keine Brutstätten mehr zu bieten. Dieser von der EU vorgeschriebene Maßnahmenkatalog hat Spuren hinterlassen, und die will Lisa Mayerhofer zum Ausdruck bringen.

„ALB-Träume“ sollen Verlust deutlich machen

„ALB-Träume“ nennt sie ihr Projekt, das die Bildhauerin am Montagabend im Kulturausschuss der Kreisstadt vorgestellt hat und mit dem sie verdeutlichen will: „Es ist etwas passiert. Wir haben etwas verloren.“

Das will sie zum Ausdruck bringen mit einer „begehbaren Installation baumartiger Gebilde“. Errichten will sie die aus Kantholz, Jute, Mullbinden und Gips. Als Standort ist die kleine Anhöhe vorgesehen, über die man von der Susanna-Waitzinger-Straße aus die Trachtenhütte ansteuern kann.

Baumfällungen gingen zu Herzen

Ein Ort mit Symbolkraft und viel persönlichem Bezug. „Es gibt zwei Orte in der Stadt, die sich dazu eignen“, sagt die 52-Jährige. „Die Riviera und der Waitzinger Park.“ Zu Letzterem hat sie einen besonderen Bezug. Wenige Meter davon entfernt arbeitet sie als Verwaltungskraft im Kulturbetrieb Waitzinger Keller. „Außerdem wohne ich gleich in der Nähe. Ich gehe dort immer zur Arbeit. Dieser Ort ist mir wichtig.“ Die Fällungen der teils bis zu 200 Jahre alten Bäume mitzuerleben sei ihr sehr zu Herzen gegangen.

Deshalb ist ihr dieses Kunstprojekt auch eine Herzensangelegenheit. „Ich glaube, dass es vielen Miesbachern so geht wie mir“, erklärt die Künstlerin, die mit 16 Jahren ihren Heimatort Bayrischzell verlassen hat und erst vor neun Jahren zurückgekommen ist und seitdem in Miesbach wohnt.

Dazwischen hat sie in mehreren Ländern Europas gelebt. Mit 27 entdeckte sie die Kunst für sich, studierte Bildhauerei in Southampton/England und legte in Berlin an der Universität der Künste ein MA-Aufbaustudium nach.

Über die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit der Natur

Was sie besonders reizt, sind mehrere Meter große Installationen. So eine will sie auch in Miesbach errichten. Dabei setzt sie auf einfaches Material. Mit Kantholz, weil der Käfer vermutlich über Billig-Transportholz aus China eingeschleppt wurde. „Bei mir entstehen die Dinge organisch“, sagt sie. Feste Pläne gebe es deshalb nicht, lediglich Vorstellungen. Vieles entsteht erst beim Entstehen.

Das Werk soll dann den Menschen einen Anlass bieten, über den Verlust ihrer Bäume nachzudenken. Über die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit der Natur. Deshalb will sie ihr Werk auch nicht groß erklären. „Viel interessanter finde ich es, herauszufinden, was sich die Betrachter dabei denken und empfinden.“

Dafür bleibt aber nicht viel Zeit, denn die Installation soll nur wenige Wochen zu sehen sein. Dann verschwindet sie wie die gefällten Bäume. „Es soll ein Zeichen bleiben und nicht in den Alltag übergehen.“ Geplant ist, mit den Arbeiten Mitte Juli zu starten und Ende Juli damit fertig zu sein. Genaue Daten gibt es nicht, weil auch das Wetter mit hineinspiele.

Im Kulturausschuss kam Lisa Mayerhofers Idee sehr gut an. Zumal auch die Kosten dafür überschaubar sind. Die Künstlerin hat lediglich um 200 Euro gebeten für die Materialkosten. Für ihre Arbeit verlangt sie nichts. „Es ist mir, wie gesagt, eine Herzensangelegenheit“, erklärt sie. „Die Stadt hat derzeit mit ALB, Corona und Haushalt andere Sorgen, als Künstler zu bezahlen. Ich sehe es als Geschenk an sie.“ Und außerdem habe man nicht oft die Gelegenheit, eine Großinstallation zu machen.

ddy

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