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Kein Weiterkommen am Bahnhof: Situationen wie diese in Holzkirchen gab es im vergangenen Winter zuhauf. BOB und DB Netz arbeiten jetzt an ihrem Notfallmanagement.

„Die Herren haben sich wirklich Gedanken gemacht“

Nach Totalausfall im Januar: Kreisräte bewerten Krisenkonzepte von BOB und DB

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Der Totalausfall auf der Schiene im Januar soll sich nicht wiederholen. Das versicherten BOB und DB Netz AG im Kreistag. Sie stellten umfassende Krisenkonzepte vor. 

Landkreis – Angesichts der frühlingshaften Temperaturen sind die eindrücklichen Tage im Januar, als der Schnee über den Landkreis herein- und das Schienennetz zusammenbrach, fast schon wieder vergessen. Aber eben nur fast. Im Kreistag waren die Vertreter der BOB, die für den Fahrbetrieb zuständig ist, und der DB Netz AG, die sich um die Infrastruktur kümmert, jetzt aufgefordert, ihre Maßnahmenpakete vorzustellen. Die einzelnen Konzepte und Notfallpläne hatten sie zuvor bereits in Gesprächsrunden mit den Bürgermeistern erläutert (wir berichteten). „Die Herren haben sich wirklich Gedanken gemacht“, stellte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) klar und bat um eine nach vorne gerichtete Debatte. „Die Kritik ist angekommen. Die Frage ist jetzt, wie wir weiterkommen.“

Tatsächlich hielten sich die Kreisräte mit Kritik weitgehend zurück und beschränkten ihre Wortmeldungen auf Fragen. Nur an zwei Stellen platzte Zuhörern der Kragen. Als Dietmar Kaiser von der DB Station & Service in Rosenheim, die für die Bahnhöfe im Landkreis zuständig ist, anregte, die Bauhöfe könnten bei der Schneeräumung unterstützen, konnte Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder (CSU) nicht mehr an sich halten. „Unser Angebot auf Zusammenarbeit war da und wurde aus versicherungstechnischen Gründen abgelehnt“, berichtete er bebend. Und sein Fischbachauer Amtskollege Josef Lechner (CSU) stellte klar: „Der Bauhof ist nicht Ihr Dienstleister, aber im Notfall natürlich bereit zu helfen.“

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Von ähnlichen Erfahrungen mit der Bahn berichtete Anton Riblinger (CSU), der als Kreisbrandrat während des Katastrophenfalls Örtlicher Einsatzleiter war. „Wir hatten Hilfe angeboten, als es darum ging, Bäume aus dem Gleisbereich zu entfernen, aber von der Bahn nichts mehr gehört“, sagte Riblinger und kritisierte deren Notfallmanagement: „Wir haben Katastrophenpläne im Landkreis, die vermissen wir bei der Bahn.“ Das Angebot und den Wunsch der Bahnunternehmen, künftig im Krisenstab am Landratsamt vertreten zu sein, begrüßte er, knüpfte daran aber Bedingungen: „Wir brauchen einen Ansprechpartner, der für alle spricht. Derzeit weiß man nicht, wer für was zuständig ist.“

Ein allgemeines Problem, wie Paul Fertl (SPD) ergänzte: „Die ganze Teilprivatisierung der Bahn ist eine einzige Katastrophe.“ Auch Robert Wiechmann (Grüne) erkannte ein „Strukturproblem“ und forderte in diesem Zusammenhang, dass die DB Netz im Kern wieder für die Sicherheit entlang der Bahnstrecken zuständig sein sollte. Derzeit werde die Verantwortung, so der Förster, auf die Anlieger wie beispielsweise Waldbesitzer abgewälzt.

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Wie immer derartige Probleme künftig auch gelöst werden – der Krisenfall hatte augenscheinlich zumindest dahingehend ein Gutes, als die beteiligten Bahnunternehmen enger zusammengerückt sind. „Die Kooperation ist sehr gut, wir begrüßen das Maßnahmenpaket der DB Netz ausdrücklich“, betonte BOB-Geschäftsführer Fabian Amini, wenngleich er anmerkte: „Auch wenn bei der Verbesserung der Infrastruktur erste Schritte erkennbar sind, wird doch deutlich mehr notwendig sein.“ Zumindest von Betreiberseite her habe man seine Hausaufgaben gemacht. So fahre die BOB ab Mitte 2020 mit einer komplett einheitlichen Flotte, die winterstabil sei und in jeglicher Hinsicht einen besseren Komfort biete.

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Die Gesprächsrunden von Bürgermeistern und Bahnvertretern sollen mit „open end“ (Bürgermeistersprecher Olaf von Löwis) fortgesetzt werden, das nächste Treffen ist für Juli geplant. Gesprächsstoff dürfte es für Jahre geben. Denn es sei auch wichtig, betonte Bürgermeister Lechner, dass die Erfahrungen der vergangenen Monate mit in die Neuausschreibung des Schienennetzes genommen werden. Gleichzeitig sprach er sich für Akku-Hybrid-Züge statt einer Elektrifizierung aus. Herbert Scheller von der DB Netz pflichtete dem im Grundsatz bei: „Sturm und Oberleitung mögen sich nicht, da tut man sich keinen Gefallen.“

sh

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