Simon Horst vor einem Rettungswagen des Bayerischen Roten Kreuzes.
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Mit ganzem Herzen beim Roten Kreuz: Simon Horst ist mit sieben Jahren zur Wasserwacht gekommen. Nun ist er der neue stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführer.

Simon Horst stellt sich vor

Er ist erst 28: Neuer Vize-Geschäftsführer erklärt, wie das BRK Helfer motivieren kann

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Über einen Schwimmkurs bei der Wasserwacht ist Simon Horst zum BRK gekommen. Jetzt ist der 28-Jährige neuer Vize-Kreisgeschäftsführer. Sein Ziel: Die Jugend zum Helfen motivieren.

Landkreis – Über einen Schwimmkurs kam Simon Horst (28) zur Wasserwacht. Sieben Jahre war der gebürtige Neuhauser alt, als er seine ersten Bahnen im Schliersee zog. Noch heute ist er gern am und auf dem Wasser. Meistens allerdings nicht (nur) zum Spaß, sondern auch, um ein wachsames Auge auf die Badegäste zu werfen – als stellvertretender technischer Leiter der Schlierseer Wasserwacht. Die „Kameradschaft und Freundschaft“ und das gute Gefühl, anderen „an einem der schönsten Seen überhaupt“ bei Notfällen zu helfen, hat Horst seit Kindesbeinen an nicht mehr losgelassen.

Zum Ehrenamt ist längst ein Hauptamt dazugekommen. Und seit Kurzem noch eine gute Portion Verantwortung. Nach dem Weggang der stellvertretenden BRK-Kreisgeschäftsführerin Isolde Besel hat der erst 28-jährige Simon Horst dieses Amt übernommen. Es ehre und freue ihn sehr, dass ihm Geschäftsführer Robert Kießling und der gesamte Kreisvorstand das Vertrauen ausgesprochen haben, schwärmt Horst. Die Zusammenarbeit funktioniere bestens. „Wir funken auf einer Wellenlänge.“ Auch Kießling ist voll des Lobes für seinen neuen Vize. Horst habe sich mit ganzem Herzen dem BRK verschrieben. „Er denkt Tag und Nacht ans Rote Kreuz“, sagt Kießling schmunzelnd.

Dass der Chef nicht übertreibt, zeigt ein Blick in Horsts Werdegang. Nach jahrelangem engagierten Ehrenamt bei der Wasserwacht entschied sich Horst, sein Lehramtsstudium zu verlassen und stattdessen sein Hobby zum Beruf zu machen. Kießling, der selbst erst 2015 zum Roten Kreuz gekommen war, gab ihm diese Chance. Horst begann seine kaufmännische Ausbildung in der BRK-Kreisgeschäftsstelle Miesbach. Zuletzt leitete er die Servicestelle Ehrenamt und organisierte die Ausbildung. Erfahrungen, die ihm in seinem neuen Aufgabenbereich zugutekommen, meint der 28-Jährige. So habe er auch Besels Leitungsfunktion für die Tafelausgaben und die Kleiderläden übernommen.

Überhaupt sei das Ehrenamt einer der spannendsten und zugleich sich am stärksten verändernden Bereiche beim Roten Kreuz, betont Horst. Obwohl im Landkreis Miesbach noch kein Mangel an Helfern und Fördermitgliedern zu beobachten sei, dürfe man sich auf dieser vermeintlich komfortablen Situation nicht ausruhen.

Die Art, wie sich gerade junge Leute heutzutage engagieren wollen, unterscheide sich stark von früher. Eine lebenslange BRK-Bindung quasi aus einer Familientradition heraus sei eher die Seltenheit. Stattdessen ließen sich die Helfer eher für zeitlich befristete Projekte motivieren, bevor sie wieder etwas anderes ausprobieren. „Darauf müssen wir reagieren und die passenden Angebote schaffen“, sagt der Vize-Geschäftsführer. Keine leichte Aufgabe, da dafür über lange Jahre gewachsene und etablierte Strukturen aufgebrochen werden müssten.

Die Grenzen alter Strukturen bekommt das Miesbacher BRK auch bei der Organisation des Rettungsdienstes zu spüren. So würden Standorte und Personalstunden nach wie vor anhand der Einwohnerzahl auf die Landkreise verteilt. Dass sich aber durch den immer weiter wachsenden Freizeitdruck tatsächlich viel mehr Menschen (beispielsweise Urlauber und Tagesausflügler) im Zuständigkeitsbereich aufhalten, werde dabei nicht berücksichtigt. Die Folge: Das BRK muss mit den bestehenden Ressourcen mehr Einsätze leisten und dabei auch noch längere Anfahrtszeiten durch überlastete Straßen auf sich nehmen.

Horst ist bewusst, dass sich dieses Problem nicht auf Kreisverbandsebene lösen lässt. Letztlich sei dies auch eine politische Frage. Zwar sei man als Träger im Rettungsdienst politisch neutral. Seine Stimme erheben dürfe man aber schon. „Schließlich wollen wir weiter die Versorgungssicherheit der Bevölkerung im Landkreis Miesbach gewährleisten können.“

An Horsts Engagement mangelt es jedenfalls nicht. Zumal auch seine Freundin und seine Eltern beim BRK sind. Es gibt sie also doch noch, die echten Rot-Kreuz-Familien.

sg

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