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Abschied vom Umbau: Das Warmfreibad in Miesbach soll nun so bleiben, wie es ist. Lediglich Beckenfolie und Technik sollen erneuert werden. 

Stadtrat Miesbach steigt auf die Bremse

Kasse leer: Nur noch „Sanierung light“ im Warmbad

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Die Sanierung des Warmfreibads in Miesbach ist vom Tisch. Wie es heißt, ist eine einfache Reparatur möglich. Die Planung beginnt wieder bei Null.

Miesbach – Es klang wie ein kleines Wunder, von dem Miesbachs Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) im Stadtrat berichtete: Auf einmal ist die umfassende Sanierung des Warmfreibads, die mindestens 3,5 Millionen Euro kosten würde, nicht mehr nötig. Ein Gespräch mit dem Landratsamt habe ergeben, dass ein einfacher Austausch der maroden Teile – laut Pongratz eine „Sanierung light“ – ausreiche und keinen Eingriff ins Becken darstelle. Neue Folie drauf, veraltete Technik austauschen – fertig. Der Bestandsschutz bleibe so erhalten, eine Generalsanierung sei nicht mehr notwendig.

Kosten für notwendige Reparaturen im Miesbach deutlich geringer als Sanierung

Das würde das finanzielle Mammut-Projekt spürbar eindampfen. Schätzungsweise eine Million Euro würde an Kosten übrig bleiben. Sogar ein neues Kinderbecken wäre da noch drin. Angesichts der angespannten Haushaltslage stimmte der Stadtrat geschlossen zu. Zuvor hatten Bürgermeisterin und Kämmerer appelliert, für die nächsten Jahre massiv auf die Ausgabenbremse zu treten.

Es ist eine unerwartete Wendung angesichts des Aufwands, den Stadt und Förderverein des Bads seit 2015 betrieben haben, um eine Sanierung auf den Weg zu bringen. Ab 2017 wurden auf landespolitischer Bühne alle Hebel und Mandatsträger in Bewegung gesetzt, um ein Förderprogramm für Freibäder zu starten. Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hatte sich dafür mit Erfolg eingesetzt.

Das Förderprogramm liegt nun vor, Miesbach war schon bereit einzusteigen, doch mit der Sanierung light geht die Stadt zurück auf Los – die Planung muss neu gemacht werden. Damit ist der Fördertopf für 2019 wohl geschlossen. Zuvor hatte Miesbach bei seiner Bewerbung beim Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen 2018“ eine Absage erhalten.

Immerhin: Reparaturen sollen „zeitnah“ erfolgen

Wie Badreferent Erhard Pohl (CSU) in der Sitzung erläuterte, „bekommen wir nun das, was wir wollen. Die Miesbacher wollen ihr Bad so behalten, wie es ist.“ Alle Fachplaner hätten der Stadt stets vermittelt, man verliere den Bestandsschutz, wenn man Reparaturen vornehme – deshalb sei es ja erst zur großen Lösung gekommen, berichtete Pohl, der sonst immer den zeitgemäßen Umbau propagiert hatte. Nun sollen die Reparaturen „zeitnah in Angriff“ genommen werden.

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Die Aussagen von geänderten Stellungnahmen zum Bestandsschutz lassen sich aber nicht belegen. Weder das Landratsamt noch die Regierung von Oberbayern bestätigen auf Anfrage unserer Zeitung eine veränderte Beurteilung. Wie berichtet, wurde das Bad zuletzt 1975 renoviert. Seit 1984 gibt es DIN-Vorgaben, die in Miesbach – Stichwort Bestandsschutz – nicht umgesetzt wurden. Dabei ging es bislang nicht nur um den Ersatz der Beckenfolie und den Austausch der Heizanlage, die keinen Eingriff ins Becken darstellen, sondern auch um eine Wiederverwendung des Wassers, das über den Überlauf austritt. Bislang wird dieses samt Chemie und Energie über den Kanal abgeleitet. Ein Zustand, der durch den zeitgemäßen Umbau beendet werden sollte. Doch dies ist ein Eingriff in den Beckenbestand.

Regierung von Oberbayern und Landratsamt staunen über Miesbach

Wie Regierungssprecherin Verena Gros bestätigt, sind Instandhaltungsarbeiten baurechtlich verfahrensfrei und lassen den Bestandsschutz unberührt. Gesetzliche Änderungen habe es dazu in den vergangenen vier Jahren aber nicht gegeben. „Zu den Instandhaltungsarbeiten gehört auch der Austausch der Folie und der Technik, sofern damit nicht der Neubau oder die Erweiterung bestehender baulicher Anlagen einhergeht“, erläutert Gros. „Das Landratsamt hat die Stadt in einer Besprechung im Mai dieses Jahres hierzu beraten. Wie die Stadt davor zu einer abweichenden Auffassung gelangt ist, ist weder der Regierung von Oberbayern noch dem Landratsamt bekannt.“

Lesen Sie zum Thema auch: Miesbach:Förderverein Warmbad Miesbach ist fast am Ziel

Markus Seemüller (FWG) zeigte sich skeptisch angesichts der unbestimmten „Sanierung light“: „Was verstehen Fachplaner darunter?“ Man sollte erst die Pläne sichten und dann beschließen. Pongratz reagierte ungehalten: „Wir brauchen für Folie und Technik einen Planer. Es geht um eine Entwurfsplanung mit Kostenschätzung. Dann stimmen Sie halt dagegen.“ Aber auch Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) hätte gerne gewusst, wie viel so eine neue Folie kostet: „Es geht ja nur darum, keinen Blankoscheck auszustellen.“

Der dann doch einstimmig erfolgte Beschluss ermächtigt die Bürgermeisterin, ein Architektur- sowie Ingenieurbüro zu beauftragen. Dann soll die Planung ins Förderprogramm eingereicht werden.

ddy

Passend dazu: Warmfreibad-Sanierung: Initiatoren optimistisch für Einstieg in die Förderung

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