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Der Miesbacher Bauausschuss versagte Friseur Wolf an der Südseite seines Hauses einen Quergiebel. Er passe nicht in das geschützte Erscheinungsbild der Marktplatz-Umgebung.

Ensembleschutz als höchstes Gut

Trotz Urteil: Bauausschuss lässt Friseur Wolf weiter abblitzen

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Miesbach - Eine Immobilie am Marktplatz ist eine schöne Sache – auf den ersten Blick. Doch die Fassade ist wichtiger als der Wohnraum - wie ein Miesbacher nun bitter lernen musste.

Hans Wolf hat mit seinem Quergiebel wohl kein Glück. Auch im zweiten Anlauf droht dem Friseur die Versagung der Genehmigung für den Ausbau, den er im Dachgeschoss seines nicht denkmalgeschützten klassizistischen Hauses im Biedermeier-Stil am Miesbacher Marktplatz plant. Der Bauausschuss der Kreisstadt verweigerte nun im Rahmen des Genehmigungsverfahrens am Landratsamt einstimmig das gemeindliche Einvernehmen. Die Begründung: Der beantragte Quergiebel auf der Südseite sei mit Blick auf das geschützte Erscheinungsbild des Marktplatzes nicht zu vertreten.

Es ist bereits das zweite Mal, dass Wolf der Ensembleschutz den Weg versperrt. Vor einigen Monaten war er bereits damit gescheitert, die Erlaubnis für zwei Quergiebel – je einen an der Nord- und Südseite – zu bekommen. Das Landratsamt hatte die Genehmigung versagt, auch hier mit Blick auf Denkmal- und Ensembleschutz. Wolf klagte vor dem Verwaltungsgericht und errang im Juli einen Teilerfolg.

Das Gericht hatte beanstandet, dass das Landratsamt die Genehmigung pauschal abgelehnt hatte, ohne von seinem pflichtgemäßen Ermessen Gebrauch zu machen. Denn Denkmal hin, Ensemble her: Auch das freie Verfügen über Eigentum und die Schaffung von Wohnraum seien gewichtige Anliegen. Sie müssten beachtet und gegeneinander abgewogen werden.

Zudem seien die beiden Ansichten des Wolf’schen Anwesens unterschiedlich zu bewerten: Während auf der vom Marktplatz bestens einzusehenden und deshalb prägenden Nordseite definitiv kein Quergiebel zulässig sei, müsse auf der zum Marktwinkel gewandten Südseite abgewogen werden. An dieser Maßgabe orientiert sich auch Wolfs aktueller Antrag.

An diese Vorgaben des Gerichts erinnerte auch Miesbachs Bauamtsleiter Lutz Breitwieser eingangs die Ausschussmitglieder – allerdings ohne großen Erfolg. Das Gremium kam umgehend zu dem Schluss, dass Quergiebel generell nicht passen. „Der Ensembleschutz ist eine klare Geschichte“, stellte Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) klar und erhielt Zuspruch vom Zweiten Bürgermeister Paul Fertl (SPD). Auch Franz Mayer (CSU) lehnte Zugeständnisse ab: „Man sieht das Dach ja von beiden Seiten.“ Und Markus Baumgartner (CSU) stellte fest: „Man würde sonst ein Biedermeier-Haus zu Tode umbauen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Wolf’sche Baustil den Unmut des Gremiums erregt. So firmieren die kleinen Fenster-Markisen im Gremium schon seit Längerem unter der abfälligen Bezeichnung Dunstabzugshauben, und das Säuleneingangsportal mit aufgesetztem Balkon bezeichnete Kreisbaumeister Werner Pawlovsky beim Ortstermin des Verwaltungsgerichts ungeniert als „offens Hosntürl“ (s. Kasten). Auch im Zuge des Ausbaus des ersten Obergeschoßes zu Büroräumen – eine Anwaltskanzlei zog ein – stellte sich der Ausschuss wegen der Stellplätze quer. Regelmäßig hatte Wolf das Baurecht auf seiner Seite. Diesmal ist es aber schwerer.

Zumal der Bauausschuss – anders in anderen Fällen – keine Bereitschaft zeigte, dem Bauwerber eine Brücke zu bauen. Denn es muss ja kein Quergiebel sein, wie Vorsitzende Richterin Cornelia Dürig-Friedl vor Ort betont hatte. Mit den Worten „Dachgauben finde ich charmant“ hatte sie sogar einen möglichen Kompromiss aufgezeigt. Denn Gauben gebe es in der Umgebung, und auch der Denkmalschutz könne damit leben. Entscheiden muss aber letztlich das Landratsamt.

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