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Einmischen für den Frieden in der Welt: Beim Ostermarsch in Miesbach sind viele verschiedene Vereine und Gruppierungen vertreten. „Wir wollen auf verschiedene Bedrohungen hinweisen“, sagt Christine Negele (vorne 2.v.r.).

Kundgebung am Karsamstag

Ostermarsch in Miesbach: „Waffeln statt Waffen“

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Vor dem Fest wird demonstriert: Seit 2016 findet in Miesbach der Ostermarsch statt. Der Protestmarsch zum Rathaus steht unter dem Motto „Waffeln statt Waffen“. 

Als der Ostermarsch 2016 in Miesbach wiederbelebt wurde, waren die Initiatoren überwiegend Demo-Veteranen. Heute ist das anders, wie SPD-Kreisrätin und Unterbezirksbeisitzerin Christine Negele bestätigt: „Bei den Organisatoren sind deutlich Jüngere dabei.“ Vor vier Jahren sei das noch anders gewesen. „Damals waren es hauptsächlich Leute, die schon bei der Friedensbewegung in den 1980er-Jahren aktiv waren und gegen die Sicherheitskonferenzen mitdemonstriert haben.“

Große Sorge wegen Trumps INF-Vertragskündigung

Anlass zur Sorge um den Frieden in der Welt gibt es laut Negele genug. Als Slogan habe man sich für „Waffeln statt Waffen“ entschieden. Grund ist die Kündigung des INF-Vertrags, der – 1987 von US-Präsident Ronald Reagan und dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow unterzeichnet – alle Mittelstreckenraketen von europäischem Boden verbannte, das Wettrüsten beendete und damit den Kalten Krieg entschärfte. Der Vertrag wurde am 1. Februar 2019 durch die USA mit der vorgesehenen sechsmonatigen Frist aufgekündigt. Laut Negele droht nun ein Rückfall in überwunden geglaubte Denkmuster: „Wir wollen in Europa keine Bewaffnung mit Mittelstreckenraketen.“

Waffen waren es auch, die 2016 den Mitte der 1990er-Jahre eingeschlafenen Ostermarsch wiedererweckt hatten. „Wir haben bei der SPD festgestellt, dass im Zuge der Großen Koalition Rüstungsexporte zugenommen haben“, erklärt Negele rückblickend. „Im Kampf gegen den Islamischen Staat wurden Waffen an die Kurden geliefert, wobei klar war, dass dieses Erstarken die Türkei als Bedrohung auffassen würde.“ Ein fatales Szenario: Am Ende würde die Türken mit deutschen Waffen schießen und die Kurden mit deutschen Waffen zurückschießen.

Kundgebung am Karsamstag in Miesbach

Bei der Kundgebung am Karsamstag – Beginn 10 Uhr an der Rudolf-Pikola-Schule in Miesbach – stehen dafür sinnbildlich Waffeln parat. Es gibt sie gratis bei der Schlusskundgebung am Rathaus. Musikalisch untermalen werden die Veranstaltung Sambavaria und Mike Hill. Als Redner sind Vertreter der teilnehmenden Organisationen vorgesehen. Bei gutem Wetter rechnen die Veranstalter mit 400 Teilnehmern, bei sehr schlechtem Wetter steht eine Verlegung in den Haindlkeller im Raum.

Negele freut sich darüber, dass die Bedeutung von Demos nun auch bei der Jugend stärker wahrgenommen wird. „Ich finde Friday For Future super“, sagt die 61-Jährige, die mit 13 Jahren an ihrer ersten Demonstration teilgenommen hat. „Das war in München die Demo ,Mein Bauch gehört mir‘ gegen den Abtreibungsparagrafen 218. Die Aussage hat mir gefallen, also bin ich mitgegangen.“

Heute andere Wahrnehmung von Demonstrierenden 

Seitdem habe sich sehr viel geändert. „Demonstrierende werden heute ganz anders wahrgenommen.“ Dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Friday-Organisatoren einladen will, zeige den veränderten Stellenwert. „Es bleibt nur zu hoffen, dass auch etwas umgesetzt wird“, sagt Negele. „Denn wenn sich so viele menschen einbringen und nichts passiert, wird das der politischen kultur in diesem Land nicht helfen.“

ddy

Die Initiatoren

beim Ostermarsch 2019 sind folgende Organisationen: Amnesty International, Arbeiterwohlfahrt, Bund der Deutschen Katholischen Jugend, Bund Naturschutz, Bündnis 90/Die Grünen, Deutscher Gewerkschaftsbund, Die Linke, der Motorradclub Edelweiß-Piraten, Evangelische Jugend im Dekanat Bad Tölz, Evangelische Kirchengemeinde Miesbach, Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen, die Gewerkschaften Verdi und NGG, Jusos, Katholischer Pfarrgemeinderat Miesbach, Katholische Jugend Miesbach, Miesbacher Flüchtlingshelfer und die SPD.

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