+
Grüße aus der Quarantäne: Im Hotel „Best Western Blue“ in Bremerhaven wurden Laura Schmidt (vorne) und die weiteren Mitglieder der Expedition einquartiert. Abgeschottet von der Außenwelt wurden sie so vor dem Coronavirus geschützt. Nun geht es auf zwei Schiffen in die Arktis.

Mosaic-Expedition im Polarmeer

Das Packeis-Abenteuer startet – trotz Corona

  • schließen

Endlich geht es los: Laura Schmidt verlässt Deutschland, um auf dem Expeditionsschiff „Polarstern“ drei Monate durch das Packeis der Arktis zu driften. Hinter ihr liegt eine wochenlange Hängepartie, denn das Corona-Virus hätte beinahe ihre Teilnahme zunichte gemacht. Doch vor der Isolation am Nordpol stand die Quarantäne.

Für diesen Trip sind Nerven gefragt. Dass Laura Schmidt diese hat, musste sie schon im Vorfeld der Reise beweisen. Wie berichtet, nimmt die 33-Jährige aus Miesbach am Mosaic-Projekt teil – die größte Polarexpedition in der Geschichte der Menschheit. Für die Geografin und Glaziologin, die als Eisbärenwächterin die Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen auf dem Eis schützen soll, ist die Teilnahme beruflich ein wichtiger Schritt. Doch fast wäre alles geplatzt.

Lesen Sie auch die Vorgeschichte: Miesbacherin zieht für mehrere Monate ins Packeis

Das Coronavirus hat – wie überall – auch bei diesem internationalen Projekt alle Planungen über den Haufen geworfen. Eigentlich sollte Schmidt im April einen Vorbereitungslehrgang in Norwegen absolvieren und anschließend an Bord der „Polarstern“ gehen. Seit September 2019 driftet der deutsche Forschungseisbrecher durch das Nordpolarmeer, eingeschlossen im Eis, wo Forscher aus 20 Nationen wichtige Erkenntnisse über den Klimawandel gewinnen wollen. Geplant wurde die Mission vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Massive Erschwernisse durch die Corona-Pandemie

Doch Corona hat den Nachschub an Personal massiv erschwert und verkompliziert. Kein Wunder: Die Gefahr, dass das Virus auf das Schiff eingeschleust wird, ist groß. Eine Epidemie an Bord wäre kaum zu lösen – das würde wohl das Ende der millionenschweren Forschungsmission bedeuten. Erst stand sogar ein Streichen des vorgesehenen Personalwechsels im Raum, weil Norwegen dicht gemacht hatte.

Dann wurde doch noch eine Lösung gefunden: Die neuen Mosaic-Mitglieder mussten sich vorab in strenge Quarantäne begeben, getestet werden, unter Quarantäne aufs Schiff, das sie ins Polarmeer bringt, und dann direkt auf die „Polarstern“. Der vorgesehene Landgang in Spitzbergen wurde gestrichen.

Strikte Isolation als Vorbereitung 

Schmidt musste sich deshalb am 1. Mai zusammen mit den anderen Mitgliedern in Bremerhaven einfinden. Dort wurde die 150-köpfige Gruppe – knapp 100 Personen für den Austausch von Crew und Mitarbeitern auf der „Polarstern“ plus die Mannschaften der beiden Transport- und Versorgungsschiffe „Merian“ und „Sonne“ – isoliert und drei Mal auf Corona getestet. Jedes Mal negativ. Damit konnte die Vorbereitung für den Austausch weitergehen. Die Versorgungsschiffe legen am heutigen Montag in Richtung Norwegen ab.

Hier erfahren Sie mehr über die Mosaic-Expedition

Die 33-Jährige ist erleichtert. „Eine Absage wäre für mich wirtschaftlich eine Katastrophe gewesen“, sagt sie. Die Freiberuflerin hatte das gesamte Jahr auf diese zweieinhalb bis drei Monate dauernde Reise plus Vorbereitung ausgerichtet und den betreffenden Zeitraum für andere Termine und Aufträge geblockt. Doch mit dem Strategiewechsel haben sich diese Probleme nun gelöst.

Bereit für drei Monate im Packeis

Die Zeit in Bremerhaven hat bereits einen Vorgeschmack auf die Isolation im Eis geboten. „Die erste Woche waren wir nur allein in Einzelzimmern untergebracht“, erzählt sie. Vor die Tür durfte man nicht. Das Essen wurde verpackt vor der Zimmertür abgestellt – der Kontakt mit anderen Menschen sollte unter allen Umständen vermieden werden. Lockerungen wie diese, das Zimmer zu verlassen oder in bestimmten Zeitfenstern Sport im Fitnessraum zu machen, waren erst möglich, als der zweite Test vorlag.

Vor Laura Schmidt liegen nun ungefähr drei Monate im Packeis – je nach Verlauf. „Wir sind bei dieser Expedition auch immer sehr abhängig vom Wetter. Aktuell herrscht starker Sturm. Die Messstationen wurden zum Teil zerstört und müssen wieder neu aufgebaut werden. Teils driften sogar die Eisschollen auseinander.“ Dass aber auch andere Zwischenfälle möglich sind, hat das Coronavirus gezeigt. Immerhin: In der Isolation am Nordpol sollte das Team vor der Pandemie gut geschützt sein.

Das ist das Mosaic-Projekt

Eine Gemeinschaft aus 20 Nationen – Deutschland, Belgien, China, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, Korea, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Russland, Schweden, Schweiz, Spanien und USA – will am Nordpol den Klimawandel erforschen – mit 500 Personen. 140 Millionen Euro kostet das Jahr im Eis, gut zehn Jahre dauerte die Vorbereitung. Im September 2019 ging es los. Von Tromsø, Norwegen, aus stach die „Polarstern“ in See, um bis etwa September 2020 durch den arktischen Ozean zu driften – eingeschlossen im Eis. Die Mission heißt Mosaic: „Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate“ – multidisziplinäre Drift-Observation zur Erforschung des Klimas in der Arktis.

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hallen bleiben für Sportler geschlossen
Die Sporthallen im Kreis Miesbach bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Die nötigen Hygienemaßnahmen können nicht garantiert werden.
Hallen bleiben für Sportler geschlossen
Corona-Krise: Landkreis will sich Geld von Heimbetreibern zurückholen
Der Kreisausschuss hat weitere 500.000 Euro an Corona-Geldern freigegeben. Die Ausgaben, die in den Heimen in Schliersee angefallen sind, will sich der Landkreis …
Corona-Krise: Landkreis will sich Geld von Heimbetreibern zurückholen
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Acht Tage ohne Infektionen - Nur noch drei Fälle
Die Corona-Pandemie hat den Landkreis Miesbach bayernweit anfangs mit am stärksten getroffen. Alle News hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis Miesbach: Acht Tage ohne Infektionen - Nur noch drei Fälle
Hangrutsche am Westerberg: Schliersee stehen teure Kanalsanierungen bevor
Auch unter der Erde lauern Kostenfallen. So stehen den Schlierseern in den kommenden Jahren einige Kanalsanierungen bevor. Besonders kritisch ist die Lage am Westerberg.
Hangrutsche am Westerberg: Schliersee stehen teure Kanalsanierungen bevor

Kommentare