Enrique Rosner mit Mitgliedern seiner Pfarrei in Tababela in Ecuador.
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Der Padre und seine „Familie“: Enrique Rosner mit Mitgliedern seiner Pfarrei in Tababela.

60.000 Euro sind zusammengekommen

„Muchas Gracias, Miesbach!“: Padre Enrique Rosner dankt Spendern für Ecuador-Hilfe

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Der Padre ist zurück in der Heimat. Seinen Urlaub in Miesbach möchte Enrique Rosner dazu nutzen, sich für die vielen Spendern für seine Arbeit in Ecuador zu bedanken. 

  • Padre Enrique Rosner ist aus Ecuador zurück.
  • Er bedankt sich bei den Miesbachern für eine Spendensumme von rund 60.000 Euro.
  • Seinen Rückflug nach Südamerika hat er schon gebucht.

Miesbach/Tababela – Seine Waorani lässt der Padre nicht im Stich. Mit einer in Windeseile konstruierten Seilbahn schickte Enrique Rosner dem von ihm entdeckten Indianerstamm im Regenwald Ecuadors Hilfspakete über einen breiten Fluss. Auf persönliche Besuche verzichtet der 82-jährige Miesbacher derzeit lieber. Wegen der Infektionsgefahr. Aber nicht etwa, weil er Angst hätte, sich bei den Waorani mit Corona anzustecken. Im Gegenteil: Rosner will vermeiden, das Virus unwissentlich ins Dorf einzuschleppen. Da die 36 Bewohner durch ihr Leben fernab der Zivilisation kaum Abwehrkräfte hätten, wäre ein Corona-Ausbruch tödlich für sie, erklärt Rosner. Einmal wäre es fast so weit gekommen. Zwei Schulkinder hätten die Krankheit importiert. Der Padre nutzte seine Kontakte und organisierte binnen 15 Minuten ein Rotkreuzflugzeug, das die Kinder ausflog. Keine große Sache, meint Rosner. „Wir sind alle eine große Familie.“

Und die ist nicht auf Ecuador beschränkt. Auch auf seine „deutschen Freunde jenseits der Anden“ kann sich der Padre, der seit ... Jahren als Missionar in der Flughafenpfarrei Tababela nahe der Hauptstadt Quito tätig ist, in dieser schweren Zeit verlassen. Zwei Artikel in der Heimatzeitung und ein Brief Rosners an seinen treuen Unterstützerkreis genügten, um binnen weniger Wochen einen Spendenstand von rund 60 000 Euro zustandezubringen. Dabei habe er selbst gar nichts von der Aktion gewusst, berichtet der Padre schmunzelnd.

Tatsächlich kam die Initiative von der Schriftführerin des Miesbacher Pfarrgemeinderats, Inge Jooß. „In der Corona-Zeit hat man so seine Ideen“, sagt Jooß und lacht. Als sie in der Zeitung einen kleinen Artikel über die Corona-Lage in Ecuador gelesen hatte, dachte sie sofort an den Padre aus Miesbach. Also schlug sie der Pfarrei und – ganz im ökumenischen Sinne – der evangelischen Kirchengemeinde einen Spendenaufruf vor. „Wir hätten es aber nicht für möglich gehalten, dass da so viel zusammenkommt“, sagt Jooß.

In Pappkartons werden die verstorbenen Corona-Patienten in die Grabvorrichtungen geschoben.

Einen Anteil daran hatte auch die Tochter des Miesbacher Pfarrer-Ehepaars Sergel, Fanny Sergel. Die 16-Jährige nähte aus dem Stoff der Schals des evangelischen Kirchentags 2019 stolze 72 Gesichtsmasken und verkaufte sie gegen Spende in den Gottesdiensten. 420 Euro kamen dabei für die Ecuador-Hilfe von Padre Enrique zusammen, berichtet Sergel.

Rosner ist überwältigt von so viel Unterstützung aus seiner Heimat und überbringt den Dank aus Südamerika mit einem herzlichen „Muchas Gracias – Vergelt’s Gott!“. In den vergangenen Wochen konnte er mit dem Geld schon viel bewegen. 300 arme Familien bekommen monatlich ein Lebensmittelpaket, erzählt der Miesbacher. Immerhin elf Arbeitsplätze habe man schaffen können, nachdem durch den wegen Corona verbotenen Straßenmarkt und ruhenden Flughafen die Hälfte aller Jobs weggebrochen waren.

Auf einem gepachteten Acker bauen die Mitglieder seiner Pfarrei Früchte an. Die Frauen errichteten kurzerhand einen eigenen Gemüseladen und müssen daher nicht mehr zu überteuerten Preisen in den Supermärkten oder bei Zwischenhändlern einkaufen. Obendrein erwarb der Padre Öfen und Maschinen einer insolventen Bäckerei. „Jetzt backen wir das Brot für unser großes Dorf selbst.“ Einer verarmten Abfallsammlerin hätten die Männer einen Stall für eine kleine Hühnerzucht gebaut. Seitdem gebe es in Tababela Bio-Eier. Für die „bittere Zukunft“ habe man ferner ein Lager mit Lebensmitteln, Medikamenten und Sauerstoffflaschen angelegt – gesichert von vergitterten Fenstern, drei Schlössern und einem Wachhund.

Aktuell kümmert sich Rosners Nachbarpfarrer in Tababela, Pater Max Estupinian Geisbauer, um diese Aufgaben. Er habe in Deutschland und Ecuador studiert, könne also „deutsch planen und ecuadorianisch fühlen“, meint der Padre schmunzelnd. Er selbst weilt mittlerweile in Miesbach. Weil lange Zeit keine Flüge nach München möglich waren, konnte er seinen Sommerurlaub erst verspätet antreten. Nach Zwischenlandungen in Amsterdam und Berlin sowie einer fünftägigen Quarantäne bis zum Vorliegen des negativen Corona-Tests ist Rosner nun aber gut angekommen. Seinen Rückflug hat er bereits gebucht: Am 12. Oktober geht es zurück nach Ecuador.

Sogar auf den Gehsteigen erliegen die Menschen dem Virus. Das Bild hat Rosner selbst aufgenommen.

Obwohl ihm seine anstrengende Tätigkeit mit zunehmendem Alter immer schwerer fällt, denkt Rosner längst nicht an den Ruhestand in Miesbach. Selbst wenn Corona überstanden sei, gebe es viel zu tun für ihn in Ecuador. So gelte es etwa, chinesische Großkonzernen von Erdölbohrungen im Regenwald abzuhalten und so das Klima vor weiteren Schäden zu bewahren. Der Erhalt von Schöpfung und Menschlichkeit sei die eigentliche Aufgabe der Kirche, sagt der Padre. „Solange Gott will, dass ich weiter mitwurschtle, höre ich nicht auf.“

Wer Rosner kennt, der weiß, dass er damit nicht nur warme Worte im Gottesdienst meint. Vielmehr geht der 82-Jährige, der hierzulande locker als Teil der Corona-Risikogruppe zählen würde, in die Intensivstationen der Krankenhäuser, spendet den Covid 19-Patienten die Sterbesakramente oder vermittelt ein letztes Telefonat mit den Angehörigen, die sie selbst nicht besuchen dürfen. Auf Wunsch bringe er den Witwen auch den Ehering des Verstorbenen mit, erzählt Rosner. „Wenn ich ins Krankenhaus gehe, kehrt der Heilige Frieden ein.“ Die wahren Helden seien in diesen Tagen aber die Ärzte und Krankenschwestern, betont der Miesbacher. „Das sind die Heiligen unserer Zeit.“ Wer könnte das besser beurteilen als Padre Enrique?

Das Spendenkonto

Das Missionskonto von Padre Enrique Rosner bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat die IBAN DE 94 7115 2570 0000 4023 96. Spender werden gebeten, Name und Adresse anzugeben, dann erhalten sie eine Quittung.

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