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Viel zu tun: Simon Horst von der Wasserwacht Schliersee hat selten so viele Einsätze erlebt wie am vergangenen Wochenende.

Die dunkle Seite der Hitzwelle

Retter schlagen Alarm: Die Hitze setzt den Menschen zu - Wir sind im Dauereinsatz

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Die Hitzewelle hat eine dunkle Seite: Wasserwacht und BRK berichten von einer Rekordzahl an Notfällen und Einsätzen. Gerade Alte und Schwache seien den Temperaturen teilweise schutzlos ausgeliefert.

Miesbach – „Dieses Wochenende war extrem“, sagt Simon Horst, stellvertretender Technischer Leiter der Wasserwacht Schliersee. Zwar ist er es gewohnt, bei schönem Wetter mehr zu tun zu haben, wegen der Hitze sei die Anzahl der Einsätze aber schon seit Wochen höher als in den vergangenen Jahren. Eine Häufung wie am vergangenen Wochenende habe er aber nur selten erlebt.

Besonders häufig hatte Horst mit Zusammenbrüchen zu tun. „Die Menschen passen sich den Temperaturen nicht ausreichend an“, erklärt er. „Sie trinken zu wenig, überanstrengen sich in der Mittagshitze oder tragen unpassende Kleidung.“ Die Folge seien vermeidbare Kreislaufschwäche. Wegen der erhöhten Anzahl an Badegästen müssten auch vermehrt Menschen aus dem Wasser gerettet werden. In Rottach-Egern und Bad Wiessee habe die Wasserwacht am Wochenende sogar Reanimierungsversuche unternommen. „Davon wurden wir hier aber zum Glück verschont.“

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Doch nicht nur den Badegästen machen die Temperaturen zu schaffen. „Die Hitze trifft vor allem die, die ohnehin hilfebedürftig sind“, berichtet Robert Kießling, Kreisgeschäftsführer beim BRK Miesbach. Die Klienten des BRK seien oft älter, können nicht alle die Wohnung verlassen. Wird es heiß, leiden sie sehr. Kießlings Mitarbeiter erzählten ihm, wie sich Menschen erbrechen oder kaum aufstehen können. Auch die Zahl der Notfälle sei gestiegen. „Wir müssen insgesamt öfter ausrücken, daran besteht kein Zweifel.“

Ähnliche Probleme betreffen auch die Bewohner im Vitanas Senioren Centrum Schlierachwinkl. „Der Sommer ist immer eine schwierige Zeit, aber dieses Jahr ist es extremer, schlimmer als sonst“, bilanziert Heimleiterin Christine Newin. Besonders für Demenzpatienten sei die Situation schwierig. Durch die zum Teil großen Temperaturunterschiede zwischen zwei Tagen bekämen sie Kopfschmerzen und Orientierungsschwierigkeiten. „Wenn es an einem Tag 20 Grad sind und am nächsten 35, verlieren manche die Orientierung.“ Nach draußen gehen alle Senioren deswegen nur bis um neun in der Früh. „Danach ist es einfach zu heiß.“

Um den Bewohnern das Leben zu erleichtern, veranstalten die Mitarbeiter Fußbäder auf dem Balkon. „Dann sitzen die Senioren im Kreis und halten ihre Füße ins kalte Wasser“, berichtet Newin. Außerdem lege man ihnen kühle Handtücher um den Hals und achte neben ausreichend Getränken auch auf eine leichte, wasserreiche Kost.

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Für die Mitarbeiter sei die Hitze eine Doppelbelastung. Zu den eigenen Problemen mit der Temperatur komme der Mehraufwand durch die leidenden Senioren. Auch wenn das die Pfleger und sie belaste, klagen nütze nichts, sagt Newin. „Wir müssen das machen. Es hängen schließlich Menschenleben daran.“

Weniger stark wirkt sich der Super-Sommer auf das Krankenhaus Agatharied aus, berichtet Chefarzt Peter Wellner. Er sagt zwar: „In der Notaufnahme häufen sich die Patienten mit Problemen, die mit der Hitze in Verbindung stehen.“ Darunter seien Sonnenstiche und Kreislaufschwächen, gerade ältere Menschen trinken außerdem zu wenig und seien daher „oft völlig ausgetrocknet“. Dennoch würde das Krankenhaus „nicht mit Patienten überflutet“. Wellner schätzt, die Zahlen bewegten sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Gerade bei Herz- und Kreislaufproblemen glaubt er nicht an eine Häufung.

Das liege auch daran, dass die meisten Miesbacher gut mit der Hitze umgehen können, meint Wellner. „Vermeiden Sie die pralle Sonne und überanstrengen Sie sich nicht in der größten Hitze“, rät er. Dann sollten Menschen mit normaler Gesundheit die Temperaturen ohne größere Probleme vertragen.

mas

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