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Immer wieder in der Kritik steht der umgestaltete Marktplatz in Miesbach. Neben dem Bücherschrank (l.), Kuh und Kälbchen sowie dem grünen Fußgängerweg werden Verkehrsführung und Zonierung moniert.

„Unkollegial - unprofessionell - peinlich“

Scharfe Worte im Marktplatz-Streit

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Der Ton in Sachen Marktplatz wird immer schärfer. Als Reaktion auf die August-Sitzung hat Markus Seemüller Bürgermeisterin Ingrid Pongratz nun heftig attackiert. 

Unter dem Tagesordnungspunkt „Unvorhergesehenes, Wünsche und Anträge“ haben Gemeinderäte die Möglichkeit, sich Dinge von der Seele zu reden. Im Miesbacher Stadtrat nutzte Markus Seemüller (FWG) nun diese Gelegenheit, um Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) öffentlich im Zuge der Umgestaltung des Marktplatzes die Meinung zu sagen – unter den Schlagworten „unkollegial, unprofessionell und peinlich“.

Als Auslöser dafür nannte er den Bericht in unserer Zeitung über die „harsche Kritik“ der Regierung von Oberbayern am Marktplatz in der August-Sitzung und den anschließenden Bericht in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens.

Scharfe Worte: Stadtrat Seemüller kritisiert die Bürgermeisterin

Als unkollegial wertete er Pongratz’ Entscheidung, trotz Einladung nicht mit dem Arbeitskreis Marktplatz, dem neben Seemüller auch die Stadträte Astrid Güldner (Grüne), Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) und Dirk Thelemann (CSU) angehören, zusammenarbeiten zu wollen (wir berichteten). „Das trifft mich sehr“, gab er zu. Unprofessionell sei es gewesen, die Evaluation in der jüngsten Bürgerversammlung fälschlicherweise als Bürgerbeteiligung angekündigt zu haben.

Lesen Sie auch den Kommentar des Autors: „Rückkehr zu sachlichem Ton“

Peinlich sei es gewesen, in der August-Sitzung eine inoffizielle Aussage der Regierung zu zitieren, von der sich diese aber – Seemüller hatte Regierungspräsidentin Maria Els angeschrieben – distanziert. Zudem sei Pongratz nicht für eine Stellungnahme im TV-Bericht zur Verfügung gestanden.

Bürgermeisterin verweist auf falsche Darstellung

Pongratz entgegnete, dass seitens der Stadt nicht gesagt worden sei, dass die Regierung einen Rückbau des Marktplatzes fordere. Genau das habe aber die Zeitung geschrieben. Ein berechtigter Einwand. In unserem damaligen Bericht hieß es fälschlicherweise, die Regierung wäre bereit, den Rückbau des Marktplatzes zu fördern. Laut Sitzungsvorlage könnten „Mittel der Städtebauförderung für eine Evaluierung unter Umständen zur Verfügung gestellt werden..., wenn dies der Änderung des derzeitigen Zustandes dient“. Allerdings hatte auch Franz Mayer (CSU) in der August-Sitzung von einer „Rückführung“ gesprochen.

Lesen Sie auch: So kam es zum neuen Marktplatz

Bauamtsleiter Lutz Breitwieser erklärte nun, wie es zu der Aussage der Regierung gekommen war. Die Verwaltung habe darauf hingewiesen, dass eine professionelle und neutrale Evaluierung erforderlich sei. Deshalb habe er sich in Absprache mit der Bürgermeisterin informiert, mit welchen Kosten dabei zu rechnen sei – verbunden mit der Nachfrage bei der Regierung, ob es Fördermöglichkeiten dafür gebe. Antwort: Ja, wenn es dazu beitrage, den gegenwärtigen Zustand zu ändern.

Lesen Sie auch: Erste Konfrontationen nach der Umgestaltung des Marktplatzes

Fertl zeigte sich dennoch verwundert, dass diese Aussagen in den Unterlagen auftauchen, obwohl es keine offizielle Äußerung gibt. Auch Güldner kritisierte die Aufnahme dieser Aussage in die Sitzungsvorlage: „Das hätte man vorab ansprechen können.“ Mit den genannten Kritikpunkten entstehe eine „Meinungsmache“.

Kritik an „Scharmützeln mit der Bürgermeisterin“

Erhard Pohl (CSU) rügte indes Seemüller für seine „Scharmützel mit der Bürgermeisterin“. Deeskalierend sei das nicht. „Man sollte jetzt einfach abwarten. Seine Optimalform hat der Marktplatz noch lange nicht erreicht.“

Nun heißt es warten auf die Evaluation. Diese findet – wie berichtet – am Mittwoch, 23. Oktober, statt. Als Teilnehmer vorgesehen sind neben Bürgermeisterin Ingrid Pongratz, den AK-Mitgliedern Güldner, Fertl, Seemüller und Thelemann auch ein Vertreter der Verwaltung, der Initiative Miesbacher Marktplatz, des Gewerbeverbands Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) sowie ein Fachplaner und Stadtplaner Otto Kurz.

ddy

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