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Kein Schmerzmittel: Cannabis

Er kiffte auf dem Tegernsee

„Schmerztherapie“ nicht glaubhaft: Verurteilung wegen Marihuana

200 Gramm Marihuana, angeblich zur Schmerztherapie: Das glaubte der Miesbacher Richter nicht. Er meinte, dass der Angeklagte mit den Drogen andere Sachen vor hatte.

Tegernsee – Eine, wie er selbst sagt, „dumme Entscheidung“ hat einem Münchner (31) eine Haftstrafe auf Bewährung eingebracht. Der Mann musste sich am Schöffengericht in Miesbach wegen des unerlaubten Besitzes und Handels mit 200 Gramm Marihuana verantworten. Den Stoff soll der Angeklagte von einem inzwischen verurteilten 23-jährigen Bekannten gekauft haben. Der hat seinen Kundenstamm preisgegeben – und dabei die Justiz auf die Spur des 31-Jährigen gebracht.

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Miesbach: „Schmerztherapie“ nicht glaubhaft: Verurteilung wegen Marihuana

Den Erwerb und Besitz des Marihuanas gab der 31-Jährige, der zur Tatzeit im Dezember 2017 in Tegernsee wohnte, über seinen Anwalt Frank Zahnert zu. Der Münchner will die Drogen aber nicht für den Handel, sondern zur Schmerztherapie nach einem Achillessehnenriss beim Sport gekauft haben. Davor habe er nur „gelegentlich“ Joints seines Bekannten geraucht, aber nie dafür bezahlen müssen.

Von dem 23-Jährigen – beide waren in der Gastronomie tätig – sei auch das Angebot zum Kauf der beachtlichen Menge im Wert von 1500 Euro ausgegangen. Als der Münchner von dessen Verhaftung erfahren hatte, habe er den Rest des Marihuanas vernichtet.

Der verurteilte Bekannte mit einschlägiger Drogenkarriere, der inzwischen in der Klinik für Forensische Psychiatrie in Gabersee sitzt, wurde als Zeuge von zwei Polizisten ins Gericht geleitet und sagte: „Ich will einen Neuanfang, deshalb muss ich jetzt reinen Tisch machen.“

Somit traf es auch den Münchner. „Ich habe ihm einmalig 200 Gramm zu einem Freundschaftspreis verkauft“, sagte der 23-Jährige. Er sei überzeugt, dass der 31-Jährige mit dem Marihuana Profit habe machen wollen: „Wir haben das durchgerechnet, mit Zahlen jongliert, wie viel er damit verdienen könnte.“ Und: „Ich hab ihm sogar eine Feinwaage geliehen.“ Allerdings konnten weder Waage noch Drogen bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden werden, erklärte ein Zollinspektor. Für abwegig hielt der 23-jährige Zeuge die Begründung des Angeklagten, das Marihuana zur Schmerzlinderung genutzt zu haben: „Wir haben im Sommer alle zusammen bei Bootsfahrten auf dem Tegernsee gekifft.“ Leiden sehe anders aus.

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Marihuana: Miesbacher verurteilt - Staatsanwalt fordert Gefängnis

Staatsanwalt Leonhard Büscher teilte dieses Auffassung. Ein „von Null auf 100 im Konsum“ halte er doch für abwegig. Deshalb forderte er für den Münchner eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Aufgrund seiner geregelten Lebensverhältnisse mit sicherer Arbeit und fester Beziehung könne diese aber zur Bewährung ausgesetzt werden.

Verteidiger Zahnert zog dagegen die Aussagen des Zeugen in Zweifel. „Das wirkte schon sehr eifrig und ausgeschmückt.“ Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr müsse deshalb bei einem Ersttäter reichen. In seinem letzten Wort versicherte der Münchner sichtlich mitgenommen: „Es war eine dumme Idee, ich bereue es.“

Nach der Beratung mit den Schöffen verkündete Amtsrichter Walter Leitner die Entscheidung: Der 31-Jährige wurde zu einem Jahr und fünf Monaten Haft auf drei Jahre Bewährung verurteilt. Außerdem werden 1500 Euro Wertersatz eingezogen, und der Münchner muss 3000 Euro an die Suchtberatung der Caritas Miesbach zahlen. „Das Gericht ist davon überzeugt, dass der Angeklagte beim Ankauf geplant hat, Gewinn zu erzielen“, erklärte Leitner. Dennoch habe der Münchner „glaubhaft vermittelt, dass seine Drogenkarriere vorbei ist“. Den Umzug in eine neue Umgebung und seine geregelten Lebensverhältnisse hielt ihm das Gericht zugute.

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