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Unzertrennlich: Anno ist Silvia Liedls Privathund. Die beiden leben zusammen, verbringen ihre Freizeit gemeinsam – und suchen als Team nach dem ALB.

„Neugier, Mut, eine gute Nase “

Miesbach: So kämpfen ein Hund und sein Frauchen gegen den ALB

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Im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer setzt die Landesanstalt für Landwirtschaft auch auf Suchhunde. Sie erkennen den ALB an Stellen, an denen ihn der Mensch übersieht. 

Miesbach – Silvia Liedl steht am Eingang des Waitzinger Parks aus Richtung Habererplatz. Die 54-jährige Münchnerin beugt sich über ihren Bayerischen Gebirgsschweißhund Anno und nimmt ihm die Leine ab. Der stellt sich auf alle Viere, streckt den Kopf zu seinem Frauchen, legt die Ohren nach hinten. Dann bellt er. „Das ist sein freudiges Bellen“, erklärt Liedl. „Er weiß, jetzt geht’s gleich los. Das ist alles ein Riesenspaß für ihn.“

Liedl und Anno sind eines von fünf Hundeteams, die für die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) nach dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) suchen. Sie waren bereits in allen Befallszonen des Käfers in Bayern im Einsatz, auch am Miesbacher Ground Zero um das Finanzamt haben sie Bäume untersucht. Bürger rufen sie, um ihr Schnittgut zu kontrollieren, Ämter zum Monitoring. Für Liedl ist das ihre Arbeit, für Anno ein Vergnügen.

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ALB-Suchhunde in Miesbach: Die Bedeutung

ALB-Suchhunde wie Anno und ihre Begleiter sind ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den ALB. Sie finden den Käfer auch an Stellen, an denen ihn der Mensch meist übersieht. Liedl erklärt: Haben sich die Larven einmal in einen Stamm gefressen, verschließt der Baum das Eingangsloch wieder. Optisch sei dieser Verschluss gerade bei Arten mit „sehr wilder Rindenstruktur“ kaum mit dem Auge erkennbar. Ähnlich schwierig sei die Diagnose bei Hecken und Holzstapeln.

Die Hunde sind im Vorteil. Sie verlassen sich auf ihre Nasen. Bis zu einer Höhe von 1,80 Metern erschnuppern sie 80 bis 95 Prozent der ALB-Spuren, sagt Liedl. Versteckt sich der Käfer höher, bemerken ihn die Vierbeiner oft dennoch. Sie riechen herabfallende Späne und Duftmoleküle, sich bei wie eine Glocke um den Stamm legen. Selbst Gänge, die der ALB seit sechs Jahren verlassen hatte, haben Anno und seine Kollegen schon erschnüffelt.

Immer in Kontakt: Die ALB-Suche ist Teamarbeit. Führer und Hunde werden nur zusammen zertifiziert.

Die Ausbildung

Zurück in den Waitzinger Park. Liedl macht mit der rechten Hand eine Wischbewegung. Anno läuft los. Er schnuppert an einem Baum links neben dem Weg, dann an einem rechts. Er riecht am Boden, rennt einige Meter den Berg hinauf, schnauft tief durch. „Er will die Nase frei bekommen“, erklärt Liedl. Wie der Mensch nehme auch der Hund einen Geruch nach einiger Zeit nicht mehr wahr. Die Ausflüge in die Wiese spülen die Nase durch.

Feinheiten wie diese musste Liedl an Anno erst verstehen lernen. Dafür besuchten beide die Forstliche Ausbildungsstätte im Österreichischen Ossiach – die einzige zertifizierte ALB-Ausbildung im deutschsprachigen Raum. Neun Monate war Anno damals alt. Zwei Wochen trainierten er und Liedl erst mit lebenden Larven, später mit Fraßgängen. Zum Schluss roch Anno den ALB sogar an Zigarettenfiltern, über die eine Larve gekrabbelt war. Damit war seine Nase bereit für den Einsatz.

Damit es auch der Rest seiner Fähigkeiten wurde, hat Liedl viel Zeit investiert. Sie nahm Anno mit zu Forstarbeiten, damit er sich an den Lärm der Sägen gewöhnte. Sie traf sich mit Hundeführern, um gemeinsam zu trainieren. Und sie übt mit Anno zwei, drei Mal die Woche im eigenen kleinen Privat-Wald, damit er in Form bleibt. „Er braucht die geistige Herausforderung“, sagt sie.

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Die Zusammenarbeit

Anno läuft in Richtung Trachtenverein, den Berg hinauf, über eine Steinmauer. Er macht zwei Schritte, blickt zu Liedl. Dann wieder fünf Schritte und noch ein Blick. Sie weist die Richtung, zeigt ihm, wo er suchen soll. Ist sie ihm zu langsam, wirft er sich vor Verzweiflung zu Boden.

An einem Holzstapel stellt sich Anno auf die Hinterbeine und schnuppert an den Latten. Dann setzt er sich. „Hier ist nichts“, sagt Liedl. Wenn Anno Spuren des ALB findet, belle und kratze er an der Stelle, als wolle er den Käfer aus dem Holz holen. Noch so eine Eigenart: Andere Hunde setzen sich oder lecken sich über die Nase. Der Führer muss wissen, wie er seinen Hund liest.

Voller Einsatz: Für Anno ist die Suche nach dem ALB ein großer Spaß. So hat ihn Liedl trainiert.

Die Beziehung

Vier Jahre kennen sich Liedl und Anno jetzt. 2015 hatte die LfL einen ersten eigenen Spürhund ausbilden lassen – und war so zufrieden, dass sie das Projekt ausweitete. Liedl – selbst mit einem Hund aufgewachsen – und vier weitere Kollegen machten mit.

Bei einem Züchter in Landsberg am Lech fand Liedl Anno. Der Erstgeborene von neun Hunden rannte sofort zu ihrem Auto und beschnupperte das unbekannte Objekt. Sie wusste: „Neugier, Mut, eine gute Nase – es passt.“

Seitdem sind Liedl und Anno unzertrennlich: Sie wohnen, leben und arbeiten zusammen. Anno ist Suchhund, Haushund und Bürohund. Liedl hat Anno dem Züchter selbst abgekauft – er gehört ihr, nicht der LfL. Der stellt sie ihn nur zur Verfügung.

Im Waitzinger Park hat Anno heute keine Spuren des ALB gefunden. Liedl wird ihm deshalb später an anderer Stelle eine Probe verstecken, die er aufspüren darf. Damit er ein Erfolgserlebnis hat – und damit er zur Belohnung seinen liebsten Snacks bekommt: getrocknete Wildwurst. Die gibt es nur bei der Arbeit, damit die Suche nach dem ALB für Anno ein Spaß bleibt. Liedl sagt: „Bei manchen Hunden geht Bestätigung über das Spielen oder Kuscheleinheiten. Bei Anno ist es das Fressen.“ Noch eine Eigenart, die nur sie kennt.

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