Grenzübergang Achenpass bei Bayerwald
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Infektionsschutz gleich an der Grenze: Die Kreis-SPD wünscht sich Corona-Teststationen direkt an den Grenzübergängen Bayerwald (Foto) und Bayrischzell.

Landrat lehnt SPD-Vorschlag ab

Corona-Teststationen an Landkreis-Grenzübergängen?

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Nach zwei Wochen Sommerferien kehren die ersten Landkreisbürger aus dem Urlaub zurück. Die große Frage ist: Bringen sie das Virus mit? Der Freistaat will jetzt in jedem Landkreis ein Testzentrum einrichten. Die Kreis-SPD fordert Teststationen an den Grenzen in Kreuth und Bayrischzell. Ist das alles machbar und sinnvoll? Der Landrat hat Zweifel.

Landkreis – Testen, testen, testen: Mit breit gefächerten Kontrollen will der Freistaat ein sprunghaftes Anschwellen der Corona-Pandemie durch Reiserückkehrer verhindern. Doch die ambitionierte Strategie von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) offenbart Schwächen bei der Umsetzung (wir berichteten im überregionalen Teil). Söder reagierte und kündigte in der Kabinettssitzung am Montag an, in jedem Landkreis ein „Bayerisches Testzentrum“ einzurichten, in dem sich alle Bürger kostenlos testen lassen können. Dies soll nicht nur die Virus-Einschleppung durch Urlaubsrückkehrer eindämmen, sondern auch den Schulstart im September und eine mögliche Grippewelle im Herbst flankieren.

Einrichten und betreiben sollen die neuen Testzentren die Landkreise, bezahlt werden sie vom Freistaat. „Wir wissen noch von nichts“, sagt Landkreis-Sprecherin Sophie Stadler. Sie stellt aber fest: „Mit unserem Personal allein lässt sich so ein Testzentrum sicher nicht stemmen.“ Schon die Abstriche von Kontaktpersonen im Testzelt vor dem Gesundheitsamt in Miesbach seien mit hohem Aufwand verbunden. „Wir spüren die wachsende Zahl von Reiserückkehrern.“

Kontaktpersonen ermitteln: Gesundheitsamt ist ausgelastet

Dabei gibt es eine Aufgabenteilung: Wer aus dem Urlaub kommt und Symptome verspürt, konsultiert seinen Hausarzt, der dann Tests veranlasst. Wird tatsächlich Covid-19 festgestellt, muss der Infizierte Kontaktpersonen nennen. Hier kommt das Gesundheitsamt ins Spiel: Wohnen Kontaktpersonen im Landkreis, werden sie vom „Contact-Tracing“-Team angerufen, um deren „enge Kontakte“ zu identifizieren. Möglichst alle werden dann im Miesbacher Testzelt abgestrichen. Zehn bis 50 Tests fallen laut Stadler etwa an.

„Als kleiner Landkreis dürfen wir unser Gesundheitsamt nicht überfordern“, sagt Landrat Olaf von Löwis (CSU). Die zunehmenden Lockerungen und die „leider steigende Unvorsichtigkeit vieler Menschen“ konfrontiere das Gesundheitsamt mit einem sprunghaften Anstieg der zu testenden und zu überwachenden Personen. Deswegen will Löwis auch nicht auf einen Vorschlag der Kreis-SPD eingehen, die in einem offenen Brief Teststationen an den Grenzübergängen in Bayrischzell und Kreuth einfordert. Christine Negele, Sprecherin der SPD-Kreistagsfraktion, und Kreisvorsitzender Hannes Gräbner begründen ihre eindringliche Bitte mit den bitteren Erfahrungen nach den Faschingsferien, als Miesbach zu den Landkreisen mit der höchsten Corona-Infektionsrate zählte. In ihrem Brief verweisen sie auf Urlaubsrückkehrer, die auch jetzt wieder über Bayrischzell oder den Achenpass einreisen. Teststationen dort könnten ein mögliches Wiederaufflammen der Pandemie schnell eindämmen, heißt es im Brief.

Einreisen aus Risikogebieten hält der Landrat für unwahrscheinlich

Mit den Ressourcen des Gesundheitsamts sei es nicht möglich, eigene Teststationen an den Grenzen einzurichten, betont dagegen der Landrat. Zudem hält es Löwis für unwahrscheinlich, dass vermehrt Personen aus Risikogebieten, für die ein Test verpflichtend ist, über Kreuth und Bayrischzell einreisen. Zu den vom Auswärtigen Amt definierten Risikogebieten in Europa zählen derzeit (Stand: 12. August) Teile Rumäniens und Bulgariens, Serbien, Russland, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Armenien, Montenegro, Luxemburg, die Region Antwerpen (Belgien) sowie die spanischen Regionen Aragon, Baskenland, Katalonien, Madrid und Navarra. Wer aus anderen Ländern einreist, kann sich an Flughäfen, Hauptbahnhöfen oder Autobahn-Grenzübergängen freiwillig einem Test unterziehen.

Den Vergleich mit der Situation nach den Faschingsferien lässt Löwis nicht gelten: „Inzwischen haben wir im Landkreis ein tragfähiges Netz entwickelt, um dem Infektionsgeschehen schnell Herr zu werden.“ Was Durchreisende betrifft, hält es Löwis für sinnvoll, dass sich Urlauber in ihrer Heimat testen lassen, damit die dortigen Gesundheitsämter im Falle des Falles schnell reagieren und Kontakte aufspüren können.

Die aktuellen Corona-Zahlen

Seit Ende vergangener Woche zeigt sich die Corona-Lage im Landkreis Miesbach unverändert. 15 akute Fälle weist die Statistik des Landratsamtes aus (Stand 11. August). 50 Personen hatten Kontakt zu Infizierten und müssen vorsorglich zuhause in Quarantäne bleiben. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie im Landkreis 607 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, 579 davon gelten als genesen. Zehn Landkreisbürger starben an oder mit Covid-19; das letzte Todesopfer war Anfang Juni zu beklagen.

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