Rathaus von Miesbach
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Rathaus von Miesbach

Kleine Kreisstadt in Oberbayern

Miesbach

Miesbach besitzt seit 1918 den Status einer Stadt. Erst um die Jahrtausendwende überschritt die Kreisstadt die Einwohnerzahl von 10.000.

Miesbach – Auch wenn Miesbach die kleinste Kreisstadt Oberbayerns ist, hat sie doch zwei Marktplätze und drei Maibäume. Während letztere gut den tief verankerten Sinn für bayerisches Kulturgut symbolisieren, bieten kleine Gassen ein fast urbanes Einkaufsgefühl. Und das obgleich sich auf den etwa 32,43 Quadratkilometern nur 11.481 (Stand: 30. September 2020) Einwohner tummeln. Wochenends können es bedingt durch Ausflügler aber deutlich mehr werden.

Das Zentrum von Märkten, Tracht und Viehzucht lädt aber nicht nur Touristen zum kurzen Verweilen ein, sondern hat auch eine lange und spannende Geschichte: So gründeten Miesbacher Bürger am 4. April 1859 die „Gesellschaft Gemüthlichkeit“. Dieser Verein hatte das Ziel, das Trachtenwesen zu fördern. Wenige Jahre zuvor wurde die Miesbacher Tracht kreiert, die in den folgenden Jahrzehnten in ganz Bayern populär wurde. Auch als Reaktion auf die fortschreitende Industrialisierung und Urbanisierung adressierte die Trachten-Bewegung eine Sehnsucht nach der vermeintlich guten alten Zeit und einem nostalgischen Heimatgefühl.

Miesbach: Lage und Geografie

Miesbach liegt im Tal des Flusses Schlierach, direkt am Fuß der Alpen. Die Lage auf einer Höhe von knapp 700 Metern Höhe macht die oberbayerische Kulturheimat zu einer der höchstgelegenen Kreisstädte Deutschlands. Im Landkreis Miesbach ist der Wendelstein mit einer Höhe von 1.838 Metern die höchste Erhebung. Außerdem befinden sich die folgenden großen Seen in diesem Gebiet:

  • Tegernsee
  • Schliersee
  • Seehamer See
  • Spitzingsee

Miesbach ist nicht weit entfernt von den folgenden Städten:

  • München, 45 Kilometer
  • Rosenheim, 30 Kilometer
  • Bad Tölz, 22 Kilometer

Miesbach: Die Geschichte von den Anfängen bis zur Mitte der 18. Jahrhunderts

Die erste urkundliche Erwähnung von Miesbach stammt aus dem Jahr 1114. Damals nannten Bischof Heinrich I. von Freising und Abt Aribo von Tegernsee den Namen der Siedlung, die zu ihrem Herrschaftsbereich beziehungsweise zu dem des Bistums Freising gehörte. Im 13. Jahrhundert erhielt Miesbach das Marktrecht.

In Miesbach befand sich seit dem Mittelalter eine Burganlage. Diese wurde 1312 von den Waldeckern, einem altbayerischen Adelsgeschlecht, nahezu vollständig zerstört. Auch eine innerhalb der Burgfestung errichtete Kirche wurde Opfer dieses Angriffs.

Miesbach wurde zu einem Reichslehen, das Kaiser Friedrich III. 1476 offiziell anerkannte. Die Waldecker verloren ihre Reichsherrschaft an das Adelsgeschlecht Maxlrain. Die wiederum förderten die Reformation in ihrem Einflussbereich. 1584 zwang Herzog Wilhelm V die Bürger der Region Miesbach zur Rückkehr zum katholischen Glauben, indem er eine Handelssperre verhängte. 1734 starb die Familie der Maxlrainer aus, in der Folge gelangte das von ihr beherrschte Gebiet einschließlich Miesbach an Angehörige des Adelsgeschlechts der Wittelsbacher.

Miesbach: Die Entwicklung zum Wallfahrtsort

Am Ende des 17. Jahrhunderts pilgerten immer mehr Gläubige zur Schmerzhaften Mutter Gottes in Miesbach. Die Wallfahrten wurden durch ein Wunder initiiert, das sich im Jahre 1693 zugetragen haben soll und bei dem ein Augenleiden geheilt wurde. In der Folgezeit ereigneten sich weitere Wunder, die in sogenannten Mirakelbüchern dokumentiert wurden. Der Pilgertourismus avancierte zu einem wichtigen Wirtschaftszweig, mehrere Beherbergungsbetriebe wurden gegründet. Doch schon knapp einhundert Jahre später war die Geschichte von Miesbach als Wallfahrtsort vorbei. Ein großer Brand zerstörte 1783 den Ort weitgehend und damit auch die Infrastruktur für die Pilgerreisenden.

Miesbach: Die Geschichte im 19. Jahrhundert

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Miesbach die bayerische Trachtenbewegung mit dem Ziel, altes Volksbrauchtum wieder aufleben zu lassen. In dieser Zeit entstand auch die „Miesbacher Tracht“. Allerdings handelt es sich dabei nicht um historische Bekleidung im engeren Sinne, sondern vielmehr um volkstümlich inspirierte Mode der damaligen Zeit. Die Miesbacher Tracht wird in Form eines langen Dirndls und Lederhosen mit Janker noch heute häufig in Bayern getragen, insbesondere bei Volksfesten. 1859 gründeten Miesbacher Bürger den Verein „Gesellschaft Gmüthlichkeit“, um den Erhalt und die Verbreitung der Tracht zu fördern.

1882 wurde Miesbach in ein bedeutendes Experiment zur Erprobung der Übertragung von Elektrizität einbezogen. Über Holzmasten wurde Gleichstrom über eine Strecke von 57 Kilometern nach München geleitet. Doch dieses gelungene technische Projekt war kein Impuls zur Entwicklung der Industrie in der Region. Sie blieb nach wie vor landwirtschaftlich geprägt, insbesondere die Almwirtschaft und der Viehhandel spielten eine wichtige Rolle.

Miesbach: Die Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart

Im Ersten Weltkrieg wurde Miesbach zum Standort einer Garnison. König Ludwig II. von Bayern erhob Miesbach 1918 zur Stadt. In der Nachkriegszeit sorgte die Lokalzeitung Miesbacher Anzeiger regelmäßig mit extrem nationalistischen Artikeln deutschlandweit für Aufsehen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Miesbach 1940 erneut zu einer Garnisonsstadt. Die Stadt wurde am 2. Mai 1945 kampflos an die US-amerikanische Armee übergeben. Aus diesem Grund überstand Miesbach das Kriegsende weitgehend unzerstört.

2009 verlieh die deutsche Bundesregierung Miesbach die Auszeichnung „Stadt der Vielfalt“. Damit würdigte sie das Engagement der Miesbacher Einwohner gegen Rassismus und Diskriminierung von Bürgern mit Migrationshintergrund oder nicht-christlicher Religion.

In den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts führte der Freistaat eine große kommunale Gebietsreform durch. Deren Ziel war eine Vergrößerung von Kommunen, um ihre Leistungs- und Zukunftsfähigkeit zu erhöhen. Im Rahmen dieses Projekts kam es mit Wirkung zum 1. Mai 1978 auch zur Eingliederung der folgenden Kommunen beziehungsweise Gemeindeteile in die Stadt Miesbach:

  • Wies
  • Parsberg
  • Niklasreuth
  • Hausham

Miesbach: Einwohner und Verwaltung

Die Stadt Miesbach hat 78 Ortsteilen, dazu gehören unter anderem:

  • Aigner
  • Anger
  • Bach
  • Bemberg
  • Ed
  • Frauenhof
  • Halmer
  • Haselsteig
  • Hof
  • Lofener
  • Lehen
  • Siebzger
  • Straß
  • Unterlinner
  • Vogelsang

In den Ortsteilen leben insgesamt 11.471 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 351 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand 31. Dezember 2019). In den 20 Jahren von 1998 bis 2018 wuchs die Zahl der Einwohner der Stadt um mehr als 18 Prozent.

Die Stadt Miesbach ist Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises. Dort leben insgesamt 100.010 Einwohner. Der Landkreis besteht aus 17 Gemeinden und hat eine Bevölkerungsdichte von 115 Einwohnern je Quadratkilometer. Neben Miesbach besitzt dieser Landkreis nur eine weitere, mit knapp 4.000 Einwohnern wesentlich kleinere Stadt, Tegernsee (Stand 31. Dezember 2019).

Miesbach: Politik und Wirtschaft

Wie in vielen anderen kleineren Städten Bayerns bestimmt die CSU auch in Miesbach seit Jahrzehnten maßgeblich die Politik. Bei den Kommunalwahlen von 2020 erhielt sie neun von 24 Sitzen im Stadtrat. Als zweitstärkste politische Kraft ging die SPD aus den Kommunalwahlen hervor, sie erreichte sechs Sitze. Am 29. März 2020 fand die Stichwahl zwischen den beiden Bürgermeisterkandidaten Walter Fraunhofer (parteilos) und Gerhard Braunmiller (CSU) statt. Der CSU-Kandidat gewann die Wahl und bekleidet bis heute (Stand März 2021) das Amt des Oberbürgermeisters.

Die Wirtschaft Miesbachs ist sowohl vom produzierenden Gewerbe als auch von der Landwirtschaft geprägt. In der Stadt sind einige größere Industriebetriebe ansässig, unter anderem aus den Branchen Pharma und Flugzeugbau. Durch die Lage im Voralpenland spielen Vieh- und Milchwirtschaft eine bedeutende Rolle für Miesbach. Die Kuhhaltung erfolgt hier vor allem auf Dauergrünflächen. Miesbach ist ein bedeutendes Einkaufszentrum mit zahlreichen Einzelhandelsgeschäften für den Landkreis und die Voralpenregion.

Miesbach: Sehenswürdigkeiten in der Stadt

Die Altstadt gilt als wichtigste Sehenswürdigkeit Miesbachs. Sie befindet sich in einem sehr guten Erhaltungszustand und steht unter Ensembleschutz. Darüber hinaus besitzt Miesbach die folgenden wichtigen Baudenkmäler:

  • Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die im Stil des Klassizismus errichtet wurde
  • die im Jugendstil gebaute Apostelkirche
  • der Waitzinger Keller, der heute als Kulturzentrum genutzt wird

Im Heimatmuseum und im Stadtarchiv können sich interessierte Besucher über die Geschichte von Miesbach informieren.

Miesbach: Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Die Stadt Miesbach liegt inmitten der touristisch attraktiven Alpenregion Tegernsee-Schliersee. Dementsprechend verzeichnet der Landkreis Miesbach jährlich Millionen Übernachtungs- und Tagesgäste. Besonders beliebt ist dabei die Region rund um den Tegernsee. Vom Wallberg, der sich direkt neben diesem See erhebt, haben Wanderer einen wunderschönen Blick über die gesamte Voralpenregion. Hier befindet sich auch eine lange Naturrodelbahn. Darüber hinaus bietet dieser Landstrich zahlreiche Wander-Highlights, wie zum Beispiel die Blaubergalm, der Breitenstein, Siebenhütten sowie die Kreuzbergalm.

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